| Rezension zu "Gefährtin des Lichts " |
Ylva Spörle

Was muß ich da im Klappentext lesen: "Die Dunklen steigen aus
ihren jahrtausendealten magischen Kerkern unter dem Land Darwath empor,
um die Menschen zu unterjochen. Nur ein junges Mädchen..." Das
klingt ja schauderhaft nach Klischee! Das Böse ist immer das Dunkle und
umgekehrt, natürlich geht es um nichts geringeres als um die Rettung der
gesamten Welt, und natürlich gibt es nur eine einzige Person, welche die
Welt vor den Untergang bewahren kann. Seit Tolkien alles schon x-mal dagewesen.
Um es gleich vorwegzunehmen, mir gefiel das Buch trotzdem, weil ich das Glück
hatte, es im englischen Original zu lesen, dessen Klappentext nicht ganz so
bescheuert daherkommt. (Wer jetzt lieber Flames von mir lesen will, kann
sich das Folgende sparen und lieber auf ein schlechtes Buch warten.. d. Red.)
Nun, das mit den "Dunklen" stimmt, es handelt
sich tatsächlich um eine insofern DUNKLE Wesenheit, als sie in Höhlen
lebt und bei Tageslicht nicht so gut klarkommt, weil das Licht wenig Versteckmöglichkeiten
bietet. Das Dunkle ist bei Hambly zwar magiebegabt, aber weniger mystisch als
vielmehr biologisch. Auch die Motivation für die Bedrohung der Menschheit,
welche erst gegen Ende aufgeklärt wird, finde ich einigermaßen originell.
Um den Spaß nicht zu verderben, will ich sie an dieser Stelle nicht verraten,
aber es ist schon was, daß "das Böse" hier überhaupt
eine Motivation HAT, den Menschen feindlich gesinnt zu sein, anstatt einfach
nur Böse zu sein (gähn...).
Im zweiten Teil lügt der Klappentext, denn "das junge Mädchen"
ist keineswegs die alleinige Retterin der Welt. Nicht mal in der Art, wie etwa
Frodo im "Herrn der Ringe" Sauron besiegte, sondern sie schließt
sich einfach den Menschen an, die gegen die Bedrohung kämpfen.
Ein Kampf, der erfrischend nachvollziehbar als ziemlich aussichtslos dargestellt
wird, weil die Menschen zu wenige sind und gegenüber den Dunklen zu viele
Schwächen haben: Sie sind untereinander zerstritten, haben kaum Aufzeichnungen
über frühere Zeiten oder trauen ihnen nicht, sie verfügen nur
über wenig Magie und haben außerdem religiöse Scheuklappen gegenüber
Magiern. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn die Gegner handeln wie
eine Person, organisiert, effektiv und mit Hilfe von Magie.
Konsequenterweise wird dieser Kampf nur gewonnen, weil die Dunklen sich selbst
dafür entscheiden, ihn zu beenden. Warum sie das tun und was sie stattdessen
anfangen, auch das wird plausibel am Schluß des Buches aufgeklärt
(nein, es wird KEIN Friedensvertrag geschlossen!).
Intererssant, wenn vermutlich auch Geschmackssache ist die gute Beschreibung
der zwei Hauptcharaktere. Es handelt sich um eine junge Frau und einen Jüngling
von der Erde, die durch ein Portal auf die Welt Darwath gelangen. Das ist zwar
auch nicht so besonders innovativ, stört aber ausnahmsweise nicht weiter.
Stattdessen wird der bisherige irdische Lebenslauf, der die Ansichten dieser
beiden Personen formte, logisch in die Erzählung eingebettet. Beide finden
ihren Platz auf der Welt Darwath, indem sie zum einen ihre irdischen Fertigkeiten
anwenden als auch flexibel genug sind, irdische Anschauungen über Bord
zu werfen - ein schönes Motiv. Den männlichen Charakter fand ich stellenweise
etwas zu tapsig dargestellt, allerdings hatte er als Magierlehrling wohl auch
den schwierigeren Part.
Auch die anderen Charaktere sind inklusive der weniger sympatischen "Bösewichter"
(ja, natürlich gibt es auch menschliche Mieslinge) soweit gut gezeichnet.
Mit einer Ausnahme, die ich der Autorin nur schwer verzeihe: Wieso sollte sich
eine stolze, fanatische Religionsführerin, die Magier wie die Pest haßt
und für den Kirchenschatz sogar auf Nahrung verzichtet, sich plötzlich
mit einem solchen Individuum verbünden, einem Ausgestoßenen noch
dazu?
Dieser Abschnitt las sich für mich, als sei der Charakter der Autorin inzwischen
lästig geworden und sie habe einen billigen Weg gesucht, ihn möglichst
einfach loszuwerden. Denn praktischerweise sind beide in der letzten Menschenfestung
verfemt und flüchten gemeinsam ins Nirgendwo. So hat die liebe Seele (bzw.
die Festung) ihre Ruhe, zumal ein anderer Fiesling schon vorher bereits umgebracht
wurde.
Naja was solls. Ein richtiges Happy-End gibt es trotzdem nicht, noch viele Probleme
sind ungeklärt. Die Menschen auf Darwath werden wohl noch ordentlich zu
tun haben und die beiden Hauptcharaktere etliche Prüfungen bestehen müssen.
Anm. d. Red: Das Original besteht aus drei Teilen, welche die folgenden Titel
haben:
"The Time Of The Dark" (Teil 1)
"The Walls Of Air" (Teil 2)
"The Arnies Of Daylight" (Teil 3)