Newsletter No. 50: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 21. November 2010, 14:31 Uhr
NEWSLETTER - Ausgabe November 2007 (No. 50)
Inhaltsverzeichnis
- 1 Editorial
- 2 Termine
- 3 Geplante Anderwelt-Veranstaltungen
- 4 Anderwelt Spielewochenende in Marburg
- 5 Deutscher Spielepreis 2007
- 6 Für Euch besucht - Spielemesse in Essen 2007
- 7 Für Euch gelesen
- 8 Fressen und Saufen mit dem Fuddelvolker - Sorgfältig und gewissenhaft für euch vorgekostet
- 9 Hanns kuckt in die Röhre
- 10 Hanns kuckt in die Röhre - and the winner is...
- 11 Für Euch gespielt
- 12 Für Euch gefunden
- 13 Pausenspiel
- 14 Das Letzte
Editorial
Hallo Anderweltler, hallo Freunde des Vereins,
heute bekommt ihr eine ganz besondere Ausgabe des Newsletters. Es handelt sich um die fünfzigste Ausgabe - wenn das mal kein Grund zum Feiern ist! Auch heute gibt es wieder den gewohnten Mix von Terminen, Film- und Spielerezensionen und Unterhaltung. Dazu haben wir eine neue Kolumne am Start, unser Fuddelvolker berichtet über seine Restaurantbesuche. Reserviert Euch auf jeden Fall schon mal den 31.12. - auch in diesem Jahr feiern wir im Schnurstraxx ins neue Jahr.
Euer Vorstand
Termine
Regelmäßige Termine:
- Stammtisch im Schnurstraxx, Donnerstags ab 20:00 Uhr
- Vorstandssitzung, jeweils letzter Freitag im Monat ab 20:00 Uhr. Der Veranstaltungsort wird rechtzeitig auf unserer Homepage bekanntgegeben.
Einmalig (wenn auch evtl. jährlich wiederkehrend):
| 09.11.07 | Housemusic mit Marvin Scondo and the good old boys - ein Highlight live im Schnurstarxx |
| 10.11.07 | Really fast music ... - Ein Abend voller anmutiger Musik mit DJ Hans im Schnurstraxx |
| 15.11.07 - 18.11.07 | Süddeutsche Spielemesse (www.messe-stuttgart.de/spiele) |
| 16.11.07 | Freddy Mercury Gedächtnisabend zum 16ten Todestag im Schnurstraxx |
| 16.11.07 - 18.11.07 | Anderwelt Spielewochende |
| 18.11.07 | Räuberskatturnier im Schnurstraxx |
| 23.11.07 | Fine Smart Music, Livemusic vom feinsten! Im Schnurstraxx |
| 29.11.07 | GlasBlasSing-Quintett im KulturCafé Amadeo |
| 05.12.07 | Kitschwichteln im Schnurstraxx |
| 24.12.07 | Heiligabend im Schnurstraxx - Leider in diesem Jahr ohne unseren Stargast Günter K. |
| 31.12.07 | Anderwelt Silvesterparty mit DJ Hans! |
Link zu allen Schnurstraxx-Terminen: www.schnurstraxx.com
'Was ist los in Hanau?
- Jeder erste Samstag im Monat Mittelalter-Rock im Schnurstraxx
Geplante Anderwelt-Veranstaltungen
In dieser Rubrik wollen wir Euch auf Veranstaltungen von Anderwelt e.V. hinweisen, die sich noch in Planung befinden und noch keinen konkreten Termin haben. Wenn ihr Ideen oder Wünsche habt, schreibt doch einfach mal an vorstand@anderwelt.net .
- Kartfahren in Frankfurt und Umgebung
- Führung durch die keltische Ausgrabungsstätte am Dünsberg (mit Übernachtungsmöglichkeit)
- Besuch im Hessenpark (http://www.hessenpark.de)
- Karaoke-Veranstaltung im Schnurstraxx!!!
Vorstand
Anderwelt Spielewochenende in Marburg
Wann:Von Freitag, 16.11.2007 bis Sonntag, den 18.11.2007
Wo: Die sog. Steinkautenhütte in 35041 Marburg, Stadtteil Marbach (Direkter Link zu Map24 unter www.anderwelt.net)
Unkostenbeitrag: Es wird ein Unkostenbeitrag erhoben, der sich etwa bei 25 EUR für Mitglieder und 35 EUR für Nichtmitglieder bewegen wird.
Plätze: Zu Zeit sind keine Plätze mehr zu vergeben - wer jetzt noch mitfahren möchte, erkundige sich bitte beim Vorstand, ob evtl. jemand zurückgetreten ist.
Anmeldung: Persönlich Donnerstags im Schnurstraxx, oder per Mail beim Vorstand
Wir fahren nach langer Zeit wieder einmal fort, um uns hinzusetzen, zu spielen, uns bekochen zu lassen, und uns einfach wohlzufühlen. Am Freitag zur Mittagszeit wollen wir uns einfinden, am Sonntag geht es - nach einem ordentlichen Frühstück und dem obligatorischen Aufräumen -wieder Richtung Heimat.
Vorstand
Deutscher Spielepreis 2007
Auch in diesem Jahr wurde wieder - pünktlich zur Spielemesse in Essen - mittels Befragung von tausenden Spielern, Spieleautoren, ausgewählten Journalisten und Spielefachgeschäften der Preisträger des "Deutschen Spielepreises 2007" festgestellt. Die Gewinner sind...
1. DIE SÄULEN DER ERDE von Michael Rieneck und Stefan Stadler (Kosmos) 3957 2. NOTRE DAME von Stefan Feld (alea/Ravensburger) 2980 3. WIKINGER von Michael Kiesling (Hans im Glück Verlag) 2576 4. YSPAHAN von Sébastien Pauchon (Ystari Games) 2298 5. ZOOLORETTO von Michael Schacht (ABACUSSPIELE) 1293 6. DIE BAUMEISTER VON ARKADIA von Rüdiger Dorn (Ravensburger) 1222 7. IMPERIAL von Walther Gerdts (eggertspiele) 1177 8. MAESTRO LEONARDO von F. Brasini, V. Gigli, S. Luperto, A. Tinto (dV games/Abacus) 1016 9. JENSEITS VON THEBEN von Peter Prinz (Queen Games) 965 10. COLOSSEUM von Markus Lübke und Wolfgang Kramer (Days of Wonder) 855
Info:www.deutscherspielepreis.de
Für Euch besucht - Spielemesse in Essen 2007
Fünf Anderweltler auf der Spielmesse Essen - kann das gutgehen? Zunächst sah es ja so aus, als würde es das nicht, weil wir schon am Donnerstag losfahren wollten und einige potentielle Teilnehmer mangels Urlaub passen mußten, unter anderem der Präsi.
Schließlich fanden sich dann doch fünf Personen und dazu passende Zimmer. Die Fahrt verlief ohne Störung, und nach einer kleinen Erfrischung stürzten wir uns ins Gewühl. Ja in der Tat, denn es war schon am Donnerstag Nachmittag recht voll. Wir teilten uns auf, um die Messe nach Neuem, Interessantem oder auch Bizarrem zu durchkämmen. Einige von uns hatten sich eine Checkliste mit den Ständen zusammengestellt, die unbedingt besucht werden mußten. Wie zum Beispiel der Pegasus-Stand, riesengroß und umfangreich bestückt. Der Anbieter des berühmten und in unseren Reihen allseits beliebten "Munchkin" wartete mit einigen Extra-Messekarten auf, die allerdings noch vom Autor unterschrieben werden mußten, um ihre besondere Wirkung zu entfalten. Beim Versuch, einen der Autoren zu erhaschen, liefen wir uns beinahe Blasen an den Füßen, aber es gelang uns dann doch.
An einigen Pegasus-Spieltischen gab es die neue Talisman-Auflage zu bestaunen, allerdings nur in englisch. Die deutsche Version, die es demnächst geben soll, wird dann von Pegasus vertrieben. Wir konnten es an einem der Tische sogar ausprobieren um festzustellen, daß es sich genauso spielte wie das alte, allerdings schöner gemacht ist.
Zu den Neuheiten gehört "Midgard - Das Brettspiel", das wir leider nicht anspielen konnten, uns aber erklären ließen. Es wurde von Lutz Stepponat geschaffen, der sich auch schon "Rückkehr der Helden" ausgedacht hat, und die Midgard-Urgesteine Elsa und Jürgen Franke gaben ihren Segen dazu. Weil die beiden leibhaftig auf der Messe anwesend waren, ließen wir es uns nicht nehmen, mit Elsa Franke ein wenig zu plaudern und sie zu bitten, ihr Autogramm auf das Spiel zu setzen, wozu sie freundlicherweise bereit war. Leider hatte der Fotograf, der dieses denkwürdige Ereignis auf den digitalen Film bannen sollte, keine ruhige Hand, weshalb die Bildersammlung an dieser Stelle wohl eine Lücke haben wird. Zentral in einer der Hallen fanden wir einen Beitrag zur Kategorie "Bizarres": Das Kartensammelspiel "Bella Sara", mit einem Stand voller quietschpink gestrichener Aufsteller, jede Menge niedliche Pferdebilder und zuckersüßer Trailermusik. Oder handelte es sich dabei doch um eine Art Quartett? Für uns war es der Rausschmeißer - mehr Kitsch geht kaum.
Als Ausgleich dazu fielen wir wie die Heuschrecken über die Stände der vielen Anbieter für LARP-Zubehör her, die wirklich gut ausgebaut waren. Eine hier nicht näher genannte Person wollte sich eigentlich nur einen Latex-Stab kaufen, woraus dann aber eine Lederrüstung, eine Schwertscheide und eine Naginata wurde. Der Titel "Kunde des Monats" war damit gesichert.
Als das Geld alle und die Füße wundgelaufen waren, zogen wir uns zurück, am ersten Tag ins Hotel, am zweiten in die Autos, die schon darüber grübelten, welche soziale Einrichtung ihre Beschwerde wegen der Überlast im Kofferraum annehmen würde.
Erwähnt sei noch, daß wir uns am Donnerstag Abend den Bauch vollschlugen und die Autorin dieser Rezi der Fotolinse erfolgreich ausgewichen ist. Und obwohl einer bzw. zwei von uns fahren mußten, hatten wir auch während der Fahrt jede Menge Spaß und interessante Gespräche.
Wenn Ihr Bilder davon sehen wollt, schaut ab und zu auf der Startseite der Galerie, wo sie nach und nach eintrudeln werden:
Evil Ylva
Für Euch gelesen
Warten auf OHO (2003) oder im Original "Waiting for Godalming" (2000) A novel by Robert Rankin
Unglaublich. Eine wichtige (natürlich schwarze) Aktentasche wird gestohlen. Wen anders als den besten Detektiv, nämlich Lazlo Woodbine, würde man mit diesem Fall beauftragen, denn er löst jeden Fall. Bei der Leichtigkeit der gestellten Aufgabe nimmt er die Ermittlungen SOFORT auf (nachdem er in seiner Lieblingskneipe eingekehrt ist, denn der berühmte Lazlo Moodfine, äh Woodbine, arbeitet grundsätzlich nur an 4 verschiedenen Schauplätzen, und seine Lieblingskneipe ist eine davon), muss sich dann aber entscheiden, welchen aktuellen Fall er zuerst auflösen soll. @@ Denn Gott ist auf der Suche nach jüdischen Jungfrauen untergetaucht, und Gottes Frau beauftragt den berühmten Detektiv Lazlo Hoodwine, äh Woodbine, mit der Aufklärung der mysteriösen Umstände seines Verschwindens. Natürlich tut sie das in seinem Büro, denn der grandiose Lazlo Hoodline, äh Woodbine, arbeitet grundsätzlich nur an 4 verschiedenen Schauplätzen, und sein Büro ist einer davon. Schon bald wird Woodbine, der immer hilfreich unterstützt wird von einem Schutzrosenkohl in seinem Kopf, Zeuge eines Mordes und so selbst in 2 "Morde" verstrickt.
In "Nebenrollen" werden weitere Charaktere vorgestellt, die auf die eine oder andere Weise in diese Fälle verwickelt sind. Da wäre Icarus Smith, ein einfacher Dieb, oder auch selbst ernannter Relokator, der Dinge relokalisiert und an den richtigen Platz bringt, damit alles in der Welt seine Ordnung hat. Des weiteren tritt die schon erwähnte Familie von Gott auf, also Gottes Frau, der allseits bekannte Jesus und dessen aus der Bibel gestrichener Bruder Colin, sowie deren Schwester und, last but not least, diverse Dämonen oder auch Wrong'uns.
Ich bin erst mit diesem Buch auf den in England längst zum Kult-Autor avancierten Robert Rankin aufmerksam geworden. Gespickt mit Science-Fiction, einigen Anleihen bei Sagen und Mythen, vielen lustigen Klischees, politisch angenehm unkorrekten Aussagen über die Familie des Allmächtigen und jeder Menge Wortwitz macht es mehr als Spaß, dieses Buch zu lesen, wenn Ihr wisst, was ich meine, und ich bin sicher, dass Ihr es wisst. Wie bei vielen anderen seiner Bücher erzählt Rankins Hauptakteur Lazlo Woodbine (1) natürlich strikt in der ersten Person, während sich die anderen Akteure an die dritte Person halten. Auch sind die Running Gags, neue und die aus den anderen Büchern des Autors, in großer Anzahl enthalten. So gibt es wieder Kurzauftritte bekannter Stars wie Sam Maggott, Jim Pooley und John Omally, und jede Menge Alliterationen machen den Leser auf den ungewöhnlichen Schreibstil des Autors aufmerksam.
Ich kann nur sagen, ich bereue keinen Cent, den ich für dieses Buch ausgegeben habe, und... ich werde es wieder tun. Ja, irgendeiner meiner Bekannten wird wohl zu seinem Geburtstag dran glauben und dieses großartige, vor Sprachspielereien und schwarzem englischem (muss da ein Komma hin, ist er schwarz und englisch oder eher schwarz-englisch) Humor nur so strotzenden Buch lesen müssen. Und das Tollste: Er wird ein Einzelstück haben, denn das Cover soll man mit Hilfe der beiliegenden Aufkleber selbst gestalten. Unglaublich!
(1) Lazlo Woodbine: Star des Vorgängerromans "Tanz der Voodoo Tasche" und zu seinem Leidwesen leider viel zu oft mit Namensverunglimpfungen bedachter bester Detektiv der Welt. Solltet Ihr das Buch lesen, werdet Ihr nun auch wissen, warum an dieser Stelle unbedingt eine Fußnote eingestreut werden musste. Solltet Ihr nicht, werdet Ihr immerhin auch nicht Gefahr laufen, an verschiedensten Stellen des Buches vor Lachen von der Couch zu fallen (mir persönlich ist dies natürlich nicht passiert, "Mit der Ecke nach oben"), und es ruft auch niemand den Sicherheitsdienst, weil Ihr in einem öffentlichen Gebäude nonkonformistisch in regelrecht epilepsieähnlichen Röchel-Prust-Lachattacken auf dem Boden liegt. Gott sei Dank...
Waldfee
Fressen und Saufen mit dem Fuddelvolker - Sorgfältig und gewissenhaft für euch vorgekostet
Hallo zusammen, hiermit steige ich nun ins Geschäft der Rezis ein, habe auch schon inzwischen 1 Objekt zur aktuellen Rezension für alle Freunde von einer gepflegten, gut-bürgerlichen und/oder irgendwie kultigen Völlerei :o))….
Steakhaus Perle in Ober-Rodenbach
Fuddelvolker
Hanns kuckt in die Röhre
La Antena
Zwei Hände in der Dunkelheit. Die Finger beginnen sich zu bewegen, rufen Töne hervor, als würden sie auf den Tasten eines unsichtbaren Klaviers klimpern. Dann senken sie sich hinab auf die Tastatur einer alten Schreibmaschine, spielen diese wie ein Instrument. Während des furiosen Klavierstücks erscheinen Worte im Bild, erzählen eine Geschichte: "Es war einmal… eine Stadt ohne Stimme. Jemand hat die Stimmen all ihrer Einwohner weggenommen. Es vergingen sehr viele Jahre und niemand schien sie zu stören, die Stille." Ein Buch wird aufgeschlagen, und das darin enthaltene Pappmodell einer Stadt entfaltet sich, blendet im nächsten Moment über in das Bild der echten Stadt. "Stadt ohne Stimme, Jahr xx."
So beginnt La Antena, und von Anfang an ist dem Betrachter klar, dass er es hier mit etwas Außergewöhnlichem zu tun hat. Dies wird schon durch die grundlegende Darstellungsweise deutlich, denn La Antena wurde nicht nur in kontrastreichem schwarz weiß gefilmt, sondern ist (bis auf winzige Ausnahmen) ein Stummfilm - bedingt durch die Geschichte, denn die Bewohner der Stadt haben ja ihre Stimmen verloren. Dennoch können sie miteinander kommunizieren - die stimmlos gesprochenen Worte erscheinen als Text im Bild, ähnlich wie im klassischen Stummfilm.
Die Stadt ohne Stimme wird von einem machthungrigen Medienmogul namens "Sen~or TV" beherrscht. Das Symbol seines Unternehmens, eine Spirale mit der Ziffer sechs in ihrem Zentrum, ist ebenso allgegenwärtig wie Sendemasten, Antennen und Fernsehbildschirme. Die Spirale prangt sogar auf dem einzigen Essen, das es zu geben scheint, Schachteln mit der Aufschrift "TV-Nahrung". Auch der Vater der kleinen Ana, ein Fernsehmechaniker, und ihr Großvater arbeiten bei Sen~or TVs Unternehmen, bis sie entlassen werden, weil sie einen Ballonmann verloren haben - eine zu Werbezwecken eingesetzte Art menschlicher Wetterballon.
Sen~or TV verfolgt einen finsteren Plan, zu dem er "Die Stimme" benötigt. Diese berühmte Sängerin, die einzige Person in der Stadt, die noch eine Stimme hat, ist eine Frau, deren Gesicht stets unter einer dunklen Kapuze verborgen ist - sie hat sozusagen kein Gesicht. Ihr kleiner Sohn Tomás, der keine Augen besitzt, hat ihre Gabe geerbt. Auch er hat eine Stimme, was seine Mutter aber geheim hält, da ihr die Gefahr durch Sen~or TV bewusst ist. Als Sen~or TV "Die Stimme" entführen lässt, kommt Anas Vater ihm durch Zufall auf die Schliche. Er rettet zusammen mit seiner Exfrau und Ana den kleinen Tomás, der bereits zum Abschuss freigegeben wurde, da man sein Geheimnis geahnt hat.
Als deutlich wird, dass Sen~or TV Tomás Mutter braucht, um eine Maschine zu betreiben, die den Bewohnern der Stadt nun auch noch die Wörter rauben soll, beschließen Ana und ihre Eltern, sich dagegen zu wehren. Wenn sie es schaffen, Tomás' Stimme zu senden, würde dies den Effekt von Sen~or TVs Maschine zunichte machen. Sie flüchten mit Ballonanzügen aus der Stadt, wobei der Großvater von Schergen des verrückten Fernsehmagnaten getötet wird. In einem scheinbar schneebedeckten Gebirge, dessen Felsformationen aus beschriebenen Papierseiten gebildet werden, erreichen sie ihr Ziel: Eine verlassene Sendestation - die Antenne! Doch natürlich sind ihnen die Widersacher schon auf den Fersen…
Wie die Inhaltsangabe bereits vermuten lässt, ist La Antena sehr märchenhaft. Während die Stadt und ihre Bewohner äußerlich den 30er Jahren zu entstammen scheinen, gibt es viele phantastische Elemente und merkwürdige Technologie, die in ihrer Erscheinung aber hervorragend zum Gesamtkonzept passt. Der Stil der visuellen Darstellung ist teils comichaft, teils symbolhaft, teils surreal, aber stets faszinierend. Manchmal werden Figuren als Silhouetten vor einem sich unabhängig bewegenden Hintergrund dargestellt. Gefühle von Personen kommen durch Symbole zum Ausdruck, wie z.B. einer gläsernen Träne auf der Wange. Aber vor allem beeindruckt die visuelle Darstellung der Sprache. Die still gesprochenen Worte erscheinen als Schrift im Bild, mit der die Figuren interagieren können. So kann man z.B. einen Satz, der einem nicht gefällt, zur Seite schieben. Je nach Lautstärke und Gemütszustand variieren die Größe der Wörter und ihre Bewegung, etwa wenn die aus einem Megaphon plärrenden Sätze in einem größer werdenden Kegel aus diesem herausschießen. Dies gilt auch für Geräusche - als der Großvater getötet wird, mähen ihn heran fliegende Reihen von "Ratatat"s nieder, während die Filmmusik den Rhythmus des Maschinengewehrfeuers imitiert. Aber auch Bedeutungszusammenhänge werden durch den visuellen Einsatz der Sprache transportiert. Als Anas Vater jemandem seine "Exfrau" vorstellt, streicht das überdimensionale X des Wortes ihr Gesicht durch. In Verbindung mit der ständig das Geschehen untermalenden Filmmusik, die als erzählende und kommentierende Instanz das Fehlen von Sprache und Geräuschen völlig ausgleicht, wird diese optisch erfahrbare Darstellung des geschriebenen Wortes zu einem einmaligen Filmerlebnis.
Die Symbolhafte und Surreale kommt natürlich nicht zuletzt auch in den seltsamen Figuren zum Ausdruck. Eine Frau ohne Gesicht, ein Junge ohne Augen, ein entstellter, tierähnlicher Scherge in den Überresten einer Uniform. Besonders beeindruckend ist die Gestalt des "Dr. Y", Sen~or TVs Chefwissenschaftler und Konstrukteur der diabolischen Maschine. Er trägt einen weißen Laborkittel mit einem riesigen aufgestellten Kragen und dicke Gummihandschuhe. Vor seiner Mundpartie ist ein kleiner Fernseher montiert, der seinen Mund wie eine Lupe vergrößert. Darüber zucken unablässig irre seine Augenbrauen.
La Antena ist letztendlich eine Parabel über Unterdrückung und den Verlust der freien Meinungsäußerung - der Stimme. Sehr deutlich wird die Botschaft in der Darstellung der Maschinen. Das Gerät, mit dem der Diktator den Menschen nach der Stimme nun auch noch die Wörter stehlen will, hat die Form eines Hakenkreuzes. Die Umkehrung dazu bildet die Konstruktion, mit der die Helden die befreiende Stimme von Tomás senden wollen: Tomás liegt nackt, bis auf ein Tuch, das seine Lenden bedeckt, in der Pose des gekreuzigten Christus auf einem Drahtgeflecht in Form des Davidsterns. Damit wird überdeutlich die Nähe eines jeden Regimes zum Faschismus benannt, das die freie Äußerung von Meinungen und Gedanken einschränkt. Dass das Werkzeug zur Unterdrückung im Fernsehen, sprich: den Massenmedien, liegt, ist ebenso offensichtlich. Interessant dabei ist, dass die Protagonisten auf ihrem Weg zur Antenne durch eine verlassene Gegend aus Buchseiten kommen - möglicherweise ein Hinweis auf eine Zeit, als das Fernsehen noch nicht so viel Macht hatte, als es mehr Meinungspluralismus gab durch eine Vielzahl unabhängiger Veröffentlichungen schriftlicher Form. Ein weiterer interessanter Aspekt liegt in der Figur Der Stimme - sie hat zwar eine Stimme, dafür aber kein Gesicht. Dies könnte so gedeutet werden, dass in einer unterdrückenden Gesellschaft diejenigen mit einer Stimme, die es also noch wagen, ihre Meinung kund zu tun, gezwungen sind, in den Untergrund zu gehen und sich zu verstecken - wo sie nicht mehr gesehen werden können.
Abschließend ist zu sagen, dass der spanische Regisseur Esteban Sapir mit La Antena einen sehr mutigen Film geschaffen hat, der es wagt, auf ganzer Linie mit den Sehgewohnheiten heutiger Kinobesucher zu brechen. Er ist ein Experiment voller innovativer Kraft und skurriler Ideen, das auf ganzer Linie gelungen ist. Kein Film für jedermann - Freunde des Popcorn-Blockbuster-Kinos werden wohl nur verständnislos davor stehen. Wer aber Ungewöhnliches schätzt und Freude daran hat, in Erstaunen und Verwunderung versetzt zu werden, dem bietet La Antena ein visuell faszinierendes Filmerlebnis mit märchenhafter Atmosphäre und sozialkritischer Botschaft.
In diesem Sinne,
"Wir werden ein größeres Boot brauchen!"
Euer Movie-Hanns
Hanns kuckt in die Röhre - and the winner is...
Auch das Filmzitat der September-Ausgabe des Newsletters wurde von mehreren Lesern richtig erkannt, so mußte auch in diesem Monat per Los entschieden werden. Der Preis dieser Verlosung wurde von Jens Bergmann gestiftet.
Und der Gewinner ist...
Waldfee!
Herzlichen Glückwunsch!
Für alle die die Lösung nicht kennen, das Zitat stammt aus dem Film "Sin City".
Um alle eingesendete Antworten "zusammen" zu haben, wurde ein Email-Adresse für Gewinnspiele eingerichtet. Bitt sendet ab jetzt alle Antworten zu Gewinnspielen an...
Viel Glück!
Vorstand
Für Euch gespielt
Gerhard
Für Euch gefunden
Hier ein Link zu einer kurzen Schwarz-Weiß-Animation, in der der Zeichner mit seiner Figur, ähnlich wie in der bekannten Comic Strip-Serie "La Linea", interagiert. Sehenswert!
Waldfee
Pausenspiel
Das heutige Pausenspiel ist ein Weltraumspiel das zweifelos vom 80er Jahre Spielhallen-Hit "Defenders" inspiriert wurde und im Minimalstil des Klassikers "Asteroids" daherkommt.
Das Letzte
Und dieses mal ein Beitrag für alle Star Wars Fans. Viel Spaß!
Bis demnächst,
Eurer Vorstand