300: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 30. Juli 2011, 08:45 Uhr
| 300 | |
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| Daten zum Film | |
| Regisseur | Zack Snyder |
| Land | USA |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Genre | Action / Historienspektakel / Comicverfilmung |
| Autor der Rezension | Hanns |
Kritik
Nach "Sin City" waren die Erwartungen (zumindest meine) an die neue Verfilmung eines Comics von Frank Miller natürlich sehr hoch. "300" ist ein Action-Fantasy-Pseudohistorien-Spektakel erster Güte. Die Special Effects sind toll, es wird eine Welt erschaffen, die wirklich und doch über-wirklich ist, mit düsterer Atmosphäre, selbst im hellen Sonnenschein. Dem comichaften Stil wird Rechnung getragen, kurzum, die Bilder sind ein Augenschmaus. Die Ausstattung, die Kostüme, Bauten, Charaktere und Kreaturen sehen irre aus, sind einfach schön designt und sehr detailreich. Die Kampfszenen suchen ihresgleichen. Die Anlehnung an den Matrix-Stil, wenn im wilden Kampfgetümmel immer wieder in die Zeitlupe geschaltet wird, mag kritisiert werden, passt aber in meinen Augen wunderbar zu diesem Film.
Soviel zum Positiven. Ein Kritiker soll angeblich geschrieben haben, "300" wäre eine Mischung aus Splatterfilm und Schwulenporno. Das Wort Porno ist natürlich stark übertrieben. Tatsache ist, dass jeder griechische Recke nur mit Umhang und Lederunterhose bekleidet ist und einen bodybuilding-gestählten Körper zur Schau stellt. Dies mag der Comicvorlage Rechnung tragen, denn Comics haben per se einen Hang zum Archetypischen (ich selbst kenne die Vorlage leider nicht). Dennoch ist die Diskussion des Themas Körperkult in diesem Fall angebracht. Ich möchte sie an dieser Stelle jedoch vernachlässigen.
Eine andere Sache ist der hohe Splatter-Faktor. Es wird getötet, was das Zeug hält. Ohne Gnade, fast mechanisch, ruhmreich und voller Stolz. Nicht nur sind die Kampfszenen äußerst brutal und explizit, auch sonst gibt es Darstellungen schrecklicher Grausamkeiten: Mauern aus Leichen werden aufgeschichtet, gepfählte Feinde ausgestellt, denen die Speere aus dem Mund ragen, Verletzte auf dem Schlachtfeld routinemäßig abgestochen. Nicht zu vergessen die brutale Erziehung kleiner Jungen, die auf ihr späteres Leben als spartanische Krieger durch Verprügeln und Auspeitschen vorbereitet werden. Dies mag durchaus der historischen Realität entsprechen, doch ist es ein Unterschied, ob ein Filmemacher solche Praktiken als legitim und effektiv beschreibt, oder sie kritisch hinterfragt. Eine kritische Betrachtung der Gewalt findet aber leider in "300" nicht statt.
Die Grenze zwischen Darstellung und Verherrlichung von Gewalt verläuft meiner Meinung nach entlang der Frage, ob Gewalt als adäquates und legitimes Mittel zur Lösung von Konflikten kategorisiert wird. (Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ästhetisierung von Gewalt, was aber bei diesem Film offensichtlich ist.) Dies mag in vielen (vor allem Hollywood-) Filmen gängig sein, jedoch trifft man es selten in solcher Reinkultur an, wie bei 300. Außerhalb der Schlachten schwadronieren die Held fast ununterbrochen darüber, dass sie töten und notfalls ihr Leben geben müssen, um ihre Lebensart zu schützen – eine Lebensart, zu der die Gewalt gegen kleine Kinder ebenso gehört wie die Euthanasie von Kranken und Behinderten. Es mag aufgrund geschichtlicher Gegebenheiten verständlich sein, dass die Spartaner nicht selbst beginnen, über das Prinzip „Auge um Auge“, „die oder wir“ nachzudenken, über die Opfer, die auf beiden Seiten gebracht werden, oder über die unmenschlichen Praktiken, denen sie ihre Stärke verdanken. Aber auch der Zuschauer wird an keiner Stelle ermutigt, das Geschehen in Frage zu stellen. In einer Szene sagt König Leonidas zu seinem Mitstreiter, der gerade den Tod seines Sohnes miterleben musste: „My heart is broken for your loss.“ Darauf antwortet der Krieger: „Heart? I’ve filled my heart with hate.“ Der König antwortet nur: „Good.“ Und so schließt sich der Kreis aus Hass und Gewalt.
Besonders befremdlich wirkt das Ganze im Lichte der amerikanischen Außenpolitik der letzten Jahre. Die Parallelen sind unverkennbar, wenn die aufrechten Streiter für die Freiheit gnadenlos morden, um ihren „Way of Life“ zu bewahren und gegen die furchtbare Bedrohung aus dem Osten (ausgerechnet die Perser: Zufall?) zu verteidigen. Ein interessantes Detail liegt darin, dass den Spartanern die Verstärkung verwehrt bleibt, weil sich das Orakel gegen den Krieg ausgesprochen hat und die Ratsversammlung dies unterstützt. Eigentlich hätte König Leonidas deshalb gar nicht erst in den Kampf ziehen dürfen, setzt sich aber über den Willen der religiösen Führer und Volksvertreter hinweg. Fazit: Die Demokratie hat versagt, also muss ein starker Führer das Recht in die eigene Hand nehmen und tun, was getan werden muss. Das haben wir schon mal gehört?
Darüber hinaus gibt es noch ein paar kleine Wermutstropfen. Die Schlacht wirkt irgendwann zu sehr wie ein Computerspiel, wenn die Perser den Spartanern nach und nach immer krassere Gegner entgegenschicken – normale Soldaten, Elitekrieger, Elefanten, „Zauberer“ mit Bomben, etc. – nächster Level erreicht, Zeit für den Upgrade! Auch sind die Dialoge oftmals nicht ganz das, was man von der Ausdrucksweise im alten Griechenland erwartet hätte. Doch diese Dinge mögen der Vorlage geschuldet sein und fallen nicht wirklich ins Gewicht.
Fazit
Alles in allem ist "300" ein spannender Actionfilm mit faszinierender Optik, jedoch nicht zu empfehlen für Leute, denen abgeschlagene Gliedmaßen und Köpfe sowie Blutfontänen Magenrumpeln verursachen, und leider mit äußerst fragwürdiger Botschaft.
In diesem Sinne,
„Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen!“
Euer Movie-Hanns