Severance: Unterschied zwischen den Versionen

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Gewalt kann lustig sein. Sicher, nicht wenn man sie selbst und in der Realität  
 
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erlebt. Soviel ist schon mal klar. Serienmörder, Amokläufer und andere  
 
erlebt. Soviel ist schon mal klar. Serienmörder, Amokläufer und andere  

Version vom 13. März 2011, 16:36 Uhr

Severance
[[Datei: |200px|center]]
Daten zum Film
Regisseur Christopher Smith
Land Großbritannien
Erscheinungsjahr xxx
Genre xxx
Autor der Rezension Hanns


Gewalt kann lustig sein. Sicher, nicht wenn man sie selbst und in der Realität erlebt. Soviel ist schon mal klar. Serienmörder, Amokläufer und andere Psychopathen sollen ruhig zuhause bleiben, wenn ich nachts unterwegs bin. Aber von der sicheren Distanz des Platzes vor der Kinoleinwand oder dem Fernsehschirm aus betrachtet, kann Gemetzel eine Absurdität hervorbringen, die nur durch weniges überflügelt wird. Das wußten schon die Komikrevolutionäre von Monty Python. Wer also darüber lachen kann, wenn ein Mann ungeschickt versucht, das abgetrennte Bein seines Kollegen in das viel zu kleine Buskühlfach zu bugsieren, und dabei fast an der Tücke des blutbesudelten Objekts scheitert, der ist richtig bei Severance.

Eine Gruppe von sechs britischen und einer amerikanischen Besserverdienenden landen im neu erworbenen Firmenanwesen des Rüstungsunternehmens Palisade Defence inmitten eines abgelegenen ungarischen Waldgebietes, zum Zweck eines Teambildungs-Wochenendes. Leider stellt sich das Ganze als verstaubte Bruchbude heraus, Vorräte sind ebenso wenig vorhanden (bis auf uralte Pasteten mit unappetitlichen Überraschungen) wie ein Handynetz. Während der Abteilungsleiter Richard, der leider weder Führungsqualitäten noch Sozialkompetenz besitzt und sich lieber an seinem mitgebrachten Käselaib vergeht, händeringend versucht, eine Meuterei zu verhindern, kämpft der junge Steve mit den Halluzinationen, die er einer Überdosis Magic Mushrooms zu verdanken hat. Lediglich der weltfremde und stets begeisterte Gordon, eine Mischung aus Streber-Nerd, Pfadfinder und Spongebob, sieht alles positiv und freut sich auf die gruppenpädagogischen Übungen. Schließlich lebt man sich doch noch so halbwegs ein und beginnt nach dem Fund seltsamer Akten im Keller des Hauses, über dessen Vergangenheit zu spekulieren. In einer herrlichen Sequenz präsentieren drei Mitarbeiter jeweils ihre Vorstellung von der Geschichte des Gemäuers, jede einzelne ein witziger kleiner Kurzfilm für sich mit jeweils unterschiedlichen filmischen Mitteln.

Leider scheint sich die Version zu bewahrheiten, in der das Gebäude früher als Unterschlupf einer Gruppe von abgedrehten Elitesoldaten fungierte, die vor dem Zusammenbruch des Sowjetsystems noch schnell diverse Säuberungen vornahmen. Schlimmer noch: Die Herren sind noch immer da, und haben nicht die geringste Lust, ihr Domizil mit den Mitarbeitern der Firma zu teilen, mit deren Giftgas man damals versuchte, sie zur Räson zu bringen... Die anschließende Menschenjagd macht auch nicht vor der sanften Jill halt, die an der Entwicklung von humanen Landminen arbeitet, und schafft es, trotz intensiver Spannung und erfreulich blutrünstigen Effekten, stets auf sehr lustige Art zu unterhalten. Schließlich entwickelt sich eine weitere Ebene der Absurdität, wenn die Schreibtischtäter zurückschlagen - eine gute Gelegenheit, den neuen Prototyp des firmeneigenen Raketenwerfers auszuprobieren...

Der Film beschränkt sich allerdings auch nicht nur auf Blutspratz-Komik. Sehr schön z.B. die Szene, in der die verdächtig schlanke und ständig rauchende Maggie sich über Anspielungen auf eine etwaige Magersucht ereifert, und dann, als sie geht, den Blick auf das hinter ihr stehende Plastikskelett freimacht. Severance degradiert seine (allesamt gut gezeichneten und gespielten) Charaktere allerdings nicht zu Clowns in einer Nummernrevue à la Scary Movie. Stattdessen entwickelt er eine logisch aufgebaute Handlung, in der die Mitarbeiter eines Rüstungskonzerns auf ironische Weise mit dem Schrecken dessen konfrontiert werden, womit sie sich tagtäglich am Reißbrett oder im Verkauf beschäftigen (oder eben gerade nicht).

Regisseur Christopher Smith (Creep - aber keine Angst: Severance ist der mit Abstand bessere Film) hat hier einen intelligenten Horrorfilm geschaffen, der hervorragend die Balance hält zwischen Gewalttätigkeit, Komik und nervenzerreissender Spannung. Dabei agiert er fernab gängiger Klischees und reiht sich nahtlos ein in die hervorragenden britischen Horrorfilme der letzten Zeit, wie The Descent, Dog Soldiers oder Wilderness.

[Hans]