Coraline

Aus Anderwiki
Version vom 5. Dezember 2010, 15:31 Uhr von Gerhard (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Viele Filme floppen, und bei einigen weiß man nicht wieso. Besonders Filme, die einen Aufwand hatten, der ins Unermessliche geht. Wie der Film „Coraline“.

Bereits der Hinweis „Vom Regisseur von 'The Nightmare before Christmas'“ (namentlich Henry Selick) deutet auf Stimmung und Machart des Films hin. Coraline ist ein sog. Stop-Motion-Picture, also Puppen, die in der Bewegung verändert werden. Hiervon werden Bilder gemacht und nachher zusammen gesetzt. Für Coraline wurden 24 Bilder[1] pro Sekunde geschossen. Für eine Spieldauer von 101 Minuten, was 6060 Sekunden entspricht, wurden somit 145.440 Bilder erstellt. Gewisse Effekte konnten nur mit dem Computer eingearbeitet werden – dennoch ist 95% des Filmes richtige 'Handwerksarbeit'. In beständiger Kleinstarbeit händeln die Macher des Films Details – verliebt, betont, effektreich. Wie macht man Nebel in einem Stop-Motion-Picture? Mit Trockeneis natürlich! Die Bilder sind stets verzaubernd, packend, reich an Inhalt. Jedes Detail ist ausgearbeitet. Besonders hat mich die Garten-Szene in der Spiegelwelt gefesselt.

Die Handlung des Films folgt grob einer alten Dichtung Goethes', dem Erlkönig. Die 10-jährige Coraline zieht mit ihren Eltern in eine neue Behausung, recht weit draußen auf dem Land. Ihre Eltern, stets nur mit ihrer Arbeit an einem Gartenbuch beschäftigt (paradox, die Mutter hasst Dreck), vernachlässigen ihre Tochter und sehen sie lieber nicht in ihrer Umgebung. Der Nachbarsjunge ist nervig und das Haus total langweilig – bis Coraline eine Tür hinter der Tapete entdeckt. Schnell ist diese aufgeschlossen (die genervte Mutter ist so frei) und des Nachts entschwindet Coraline durch diese Tür, angelockt von Springmäusen, in eine Spiegelwelt. Dort sind ihre Eltern lustig, kümmern sich um sie und sie haben viel Spaß miteinander. Ein kleines Detail fällt auf: Alle Menschen dort haben anstelle von Augen Knöpfe. Doch etwas stimmt nicht – eine stete Bedrohung lässt immer leicht die Nackenhaare stellen. Doch wieso? Da ich nicht zu viel verraten möchte, ende ich hier mit der Inhaltsangabe.

Die Stimmung des Films schwankt zwischen Extremen. Anfangs ist die Welt (und das Haus) grau, alt, verregnet, zu groß für ein kleines Mädchen. Bereits hier schon surreal. Die ersten Besuche in der Spiegelwelt sind bunt, quietschbunt. Und nachdem die Katze aus dem Sack ist, surreal, hysterisch farbenfroh, bedrohlich, versöhnlich. Ein Mix von allen Gefühlslagen prasselt auf den Zuschauer ein.

Ein gutgemeinter Rat an alle Eltern, die das hier lesen: FSK 6 Jahre des Films ist EINDEUTIG unterschätzt. Ich glaube, der Wiesbadener Kontrolleur hat nur die ersten 30 Minuten des Films gesehen. Mein Stempel wäre irgendwas zwischen 12 und 16.

Musikalisch wird in bester Manier unterstützt und hintermalt. Ich liebe das erste Stück im Abspann des Films ('Creaking Van Iddli Fla Lu Va', ja, das ist Kauderwelsch). Ein Tipp an alle: Hört mal auf Youtube rein! Auch die restlichen Songs sind mehr als ansprechend.

Einen Wermutstropfen habe ich allerdings zu vergeben: Die Synchronisation der Stimmen. Natürlich spreche ich nur von der englischen Synchro, alles andere wäre ein Witz. Gerade, weil nach dem Aufsprechen animiert wurde, sind manche Dialoge aufgesetzt oder auch nicht ganz 'lippensynchron'. Außerdem hätte man die Audiospur nochmal durch das Mischpult jagen müssen. Das macht keinen Abstrich zur Qualität der Sprecher. Dakota Fanning, die damals 15- jährige Sprecherin von Coraline, kennen wir schon aus Filmen wie 'Krieg der Welten' aus dem Jahr 2005 und '24 Stunden Angst'. Teri Hatcher spricht die Mütter. Ihre bekannteste Rolle war die der Lois in der Superman- Serie 'Die Abenteuer von Lois & Clark' aus den 90ern.

Die 2-Disc Collector's Edition kommt mit einer 3D- Variante und vier Grün-Pinken 3D- Pappbrillen einher. Leider verschwimmen hierbei die Farben zu sehr (was mit unter das Wichtigste am ganzen Film ist), und der 3D-Effekt ist nicht der Beste. Evtl. sollte man dies nochmal mit einer Kino-Brille (in ihrer Transparenz) versuchen.

Zu guter Letzt bleibt ein Fazit: Genial! Trotz Synchroproblemen und dem schlappen 3D-Auftritt bietet der Film über anderthalb Stunden schaurig-packenden Spaß – aber nicht für die ganze Familie.

Fußnoten

  1. Quelle: Making of Coraline