Böhse Onkelz 2004 in Frankfurt
| Böhse Onkelz 2004 in Frankfurt | |
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| Daten | |
| Interpret | Böhse Onkelz |
| Ort | Frankfurt |
| Jahr | 2004 |
| Genre | Punkrock |
| Autor der Rezension | Evil Ylva |
Inhaltsverzeichnis
Band
Böhse Onkelz
Veranstaltungsort
Festhalle Frankfurt am Main
Genre
Punkrock
Rezension
Die Onkelz hören auf - nicht nur ein Gerücht, sondern eine Tatsache. Nach der aktuellen CD "Onkelz vs. Jesus" soll wirklich Schluß sein. Und als Dankeschön für ihre Fans startet die Band noch eine große Tourwelle, die natürlich auch in die Frankfurter Heimat der Jungs schwappt. Klar, das wir uns das geben mußten, immerhin sind die Onkelz inzwischen eine Institution im Bereich der rockigen Musik.
Nach den Erfahrungen der letzten Jahre waren wir schlau und besorgten eine Anzahl Karten schon fast ein Jahr vorher. Was auch gut war, denn das Konzert war bald nach der Ankündigung ausverkauft.
Am Tag X machten sich also einige Anderweltler mit zwei Autos sehr zeitig auf den Weg nach Frankfurt, wobei wir auch ohne Stau und besondere Vorkommnisse durchkamen, von den unverschämt teuren Parkhausgebüren einmal abgesehen. Über 10 Euronen sind einfach unverschämt! Wir hätten ja auch mit der Bahn fahren können, der Fahrpreis war sogar im Ticket enthalten, aber nein... In Frankfurt angekommen, wiesen uns bald viele zerbrochene Flaschen und zerbeulte Bierdosen den Weg zur Festhalle. Scharen von Fangrüppchen bekundeten, mit oder ohne Fußballer-Schal, ihre Begeisterung für das Ereignis. Angesichts des Alkoholpegels der sich versammelnden Menge wurde es mir doch ein wenig mulmig, so daß ich ausnahmsweise über die massive Polizeipräsenz froh war. Glücklicherweise kam es aber während unserer Anwesenheit zu keiner ernsthaften Auseinandersetzung, und wir drängelten uns mit den anderen in die sich füllende Halle - zum hinteren Bereich. Wer bei einem Onkelz-Konzert in den ersten Reihen stehen will, ist selber schuld!
Schon 10 Minuten vor dem offiziellen Start gings los mit der ersten Band "JUNKhead", deren Name Programm war. Selten haben wir so einen völlig eintönigen, miserablen Grölcore gehört. Der Frontbrüller hatte dazu noch den Charme einer seit 3 Wochen nicht geleerten Mülltüte, so daß für einige von uns die Toilette zum attraktiven Ort wurde. Warum die Kerle ihrer Band einen englischen Namen gegeben hatten, um dann deutsche Texte zu singen, fragten wir besser auch nicht. Vielen der Anwesenden schien es auch eher egal zu sein, denn die Band wurde keineswegs ausgebuht.
Auch bei der Nachfolgeband (ja genau, eine zweite Supportgruppe) lag der Unterhaltungswert annähernd bei Null. Die Jungs nannten sich "THE WONDERFOOLS", nun ja, sie kommen aus Norwegen, da sei das Englische mal gestattet. Die Langeweile aber nicht. Eine tiefe Ermattung senkte sich über die Anderweltler und ließ einige von uns zu Boden gehen. Darunter auch die Rezensentin, die aufgrund eines akuten Schlafanfalls denn auch nichts weiter zu der Musik sagen kann. Auch diese Combo wurde von den Fans nicht niedergebrüllt. Leute, seid Ihr weich geworden??
Die Umbaubause weckte uns aus unserer Starre, leider im negativen Sinne, denn ein merkwürdiges "Spielchen" nahm seinen Lauf: Die zentrale Kamera, deren Bilder auf zwei Leinwänden übertragen wurde, wandte sich von der Bühne ab, um Jagd auf Zuschauerinnen zu machen. Sobald der Kameramann (natürlich ein Mann, was sonst) ein Opfer gefunden hatte, zoomte er deren Oberkörper (das Gesicht war nur rein zufällig meist mit drauf) heran, und das Publikum forderte das so fokussierte weibliche Wesen durch lautstarkes Grölen zur Handlung auf. Die natürlich - was sonst - darin bestehen sollte, das Oberteil zu lüften. Zwei Frauen, die darauf keine Lust hatten und dies durch einen Stinkefinger deutlich machten, wurden entsprechend von der Menge ausgebuht. Super, ihr Schwanzträger, neulich auf Ballermann 6! Leute, wenn ihr die Titten so nötig habt, kauft Euch endlich einen ordentlichen Satz Pornobilder. Richtige Erleichterung machte sich dann bei uns breit, als die Onkelz endlich loslegten. Nach all den Jahren noch immer voller Begeisterung, auch wenn ihnen die Routiniertheit anzumerken war. Ohne Bremsen bretterten die "Stachel im Arsch der Nation" (Onkelz über Onkelz) ihre selbstgebaute Musikpiste entlang und das Publikum verfiel innerhalb kürzester Zeit in Raserei, wobei der Frontgröler Kevin den Fels in der Brandung bildete und seine Masse nur gelegentlich für einen Ortswechsel in Bewegung setzte. Der weibliche Teil unserer Gruppe schlängelte sich derweil begeistert bis zur Bühne vor, um dort eine Weile gepflegt herumzupogen, andere lüpften ihr Oberteil (nein, völlig jugendfrei) und schüttelten die mehr oder weniger langen Haare.
Zu hören und sehen gab es natürlich etliche bekannte Kracher wie "Terpentin", das offensichtlich unvermeidliche "Mexiko" und "Lieber stehend sterben..". Einer unserer musikalischen Lieblinge, nämlich "Ohne mich", war leider nicht dabei. Dafür widmete Frontmann Stephan das Lied "Nur die besten sterben jung" einem verstorbenen Freund der Onkelz, und er richtete in der Ansage auch einige tröstende Worte an dessen Mutter, die wohl in der Halle anwesend war. Daneben servierte die Band auch eine Menge Lieder von der aktuellen CD, die wir leider nicht genügend kannten, um sie richtig mitzubrüllen. Trotzdem kam "Ja, ja" vor allem bei den Werner-Kennern unter uns gut an.
Irgendwann fragte Stephan (der Basser und eigentliche Frontmann) das Publikum, ob es "Wieder mal ´nen Tag verschenkt" in der "stromlosen" oder der rockigen Variante hören wollte, und die Menge entschied sich per Jubelschreie für letzteres.
Ziemlich gegen Ende gab Stephan dann zum Abschied der Onkelz noch eine Erklärung ab, die ziemlich kurz ausfiel. Anscheinend war es ihm selber etwas seltsam zumute, nach so vielen Jahren das "Aus" zu verkünden, es machte sich etwas Sentimentalität breit.
Und irgendwann war dann wirklich Schluß, das Publikum strömte kurz vor Mitternacht abgekämpft und zufrieden ins Freie. Wir fanden problemlos zu unseren Autos und traten unbehellig den Heimweg an. Und nun war es wirklich schade, daß wir nicht mit der Bahn hergekommen waren, denn dann hätten wir den Abend zusammen ausklingen lassen können.
Adios!