Hot Fuzz

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Hot Fuzz
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Daten zum Film
Regisseur Edgar Wright
Land Großbritannien / Frankreich / USA
Erscheinungsjahr 2007
Genre Komödie / Action / Mystery
Autor der Rezension Hanns


Einleitung

Erinnert ihr euch noch an "Shaun of the Dead"? Wer sich damals über den liebenswerten Loser Shaun (Simon Pegg), der im Angesicht der Zombie-Invasion unvermittelt zum Helden avancierte, und seinen knubbeligen kleinen Nichtsnutz-Kumpel Ed (Nick Frost) amüsierte, für den wird "Hot Fuzz" mit Sicherheit ein Fest. Denn die beiden Briten spielen auch diesmal wieder die Hauptrollen in dieser wilden und absurden Parodie auf amerikanische Actionmovies. Und auch diesmal hat Simon Pegg am Drehbuch mitgeschrieben, das durch wunderbaren schwarzen Humor glänzt.

Inhalt

Der Londoner Polizist Angel (Pegg) ist eine Art Superbulle mit einem glänzenden Abschluss der Polizeischule und viermal so vielen Verhaftungen wie seine Kollegen. Da er aber dadurch die Statistik kaputt macht und seine Kollegen alt aussehen lässt, versetzt ihn sein Vorgesetzter ("Fluch der Karibik"’s Davy Jones Bill Nighy) kurzerhand in ein Bilderbuchdorf, in dem es schon seit Jahren kein Verbrechen mehr gab. Doch kaum ist er angekommen, häufen sich grausame Todesfälle, welche die Einheimischen als Unfälle abtun. Angel ist davon überzeugt, dass ein vermummter Killer sein Unwesen treibt (hier gibt es Anspielungen auf Slasher-Filme à la "Scream"), aber natürlich glaubt ihm niemand, außer seinem neuen Partner, dem trotteligen Sohn des Polizeichefs (Frost), mit dem er sich zusammen an die Ermittlungen macht. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die auf herrliche Weise die einschlägigen Buddy-Movies parodiert. Letztendlich kommen die beiden bizarren Machenschaften auf die Schliche, und beim ultimativen Shoot-Out auf dem Dorfplatz wird endgültig die „Heile Welt“-Normalität des gutbürgerlichen englischen Landlebens demontiert. Und natürlich spielt auch wie bei Shaun of the Dead der Pub wieder eine zentrale Rolle.

Kritik

Bei den mannigfaltigen parodistischen Elementen geht der Film keineswegs so platt und plakativ vor wie "Scary Movie" und Konsorten, sondern entwickelt echte Charaktere, die gut gezeichnet sind und sich im Verlauf der Handlung verändern, und überzeugt auch durch eine durchdachte Mystery-Geschichte. Fernab von Fäkalwitzen und Zoten verfügt Hot Fuzz nichtsdestotrotz über eine ganze Reihe von Schenkelklopfern. Der Humor des Films speist sich aus Wortwitz, sowie aus absurden Figuren und Situationen (z.B. ein Polizeipräsidium, in dem alle Mitarbeiter ständig Schokoladenkuchen mampfen). Fast zerrissen hätte es mich beinahe bei der Aufführung von „Romeo und Julia“ der dorfeigenen Laienspielgruppe. Nicht nur, dass die beiden Hauptakteure dieselben Kostüme tragen wie Claire Danes und Leonardo DiCaprio im gleichnamigen Film von Baz Luhrmann. Nach dem Tod der beiden Liebenden geht das Licht auf der Bühne aus, eine bedrückende Atmosphäre senkt sich über das Theater. Da gehen die Lichter plötzlich wieder an und die Schauspieler hüpfen grinsend zur Musicalversion von "Lovefool" der Cardigans über die Bühne! "Love me, love me, say that you love me…" Aber auch sparsam eingestreute Splattereffekte tragen zur Komik des Films bei – die möglichen Folgen eines vom Dach der Kirche herabstürzenden Steinbrockens können sehr überraschend sein. Sensible Zeitgenossen seien allerdings gewarnt: Auch wenn der Fokus bei "Hot Fuzz" eindeutig nicht auf Blut & Gemetzel liegt, ein oder zwei Szenen sind doch ganz schön heftig!

Im Gegensatz zu einschlägigen Parodie-Filmchen geht es "Hot Fuzz" nicht darum, gezielt Klischees aus bekannten Filmen abzufeiern und durch den Kakao zu ziehen, sondern sehr geschickt Situationen zu kreieren, die subtil in Einstellungen und Bildern münden, die der aufmerksame Beobachter aus Filmen wie "Desperado", "From Dusk Till Dawn", "Matrix" 1+3, "Bad Boys 2" usw. wieder erkennt. Der Witz dabei ist, dass dies dem Zuschauer nicht auf dem Silbertablett serviert wird, sondern eher versteckt – umso größer die Freude, wenn man eine Anspielung entdeckt!

Auch technisch ist Hot Fuzz hervorragend umgesetzt. Die Kamera erzeugt wunderschöne Bilder und der stellenweise fast schon experimentellen Schnitttechnik entspringen einige wirklich beeindruckende Szenen. So z.B. die Reise Angels von London zu seiner neuen Wirkungsstätte, die durch einen schnellen Zusammenschnitt unzähliger Einzeleinstellungen verschiedener Stationen und Impressionen der Reise dargestellt wird. Zusammen mit der passenden Musik und geschicktem Spiel mit Farbe, Licht und Schatten wird hier eine sehr dichte Atmosphäre geschaffen (eine ähnliche, aber weniger ausführliche Szene findet sich in "Snatch").

Fazit

Eine krasse Fehlentscheidung liegt dabei im Untertitel des Films, den der deutsche Verleih wohl für notwendig hielt: "Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis"! Offensichtlich ein Versuch, das "Scary Movie"-erprobte Teeniepublikum in diesen Film zu locken – sicherlich werden die Teenies dem Film etwas abgewinnen können, aber die erwartete Dumpf-Komik werden sie leider nicht finden. Noch bedauerlicher ist, dass ein solcher Titel geeignet ist, das eigentliche Zielpublikum abzuschrecken, nämlich intelligente junge Erwachsene, die absurden britischen Humor zu schätzen wissen und durch cineastisches Wissen in der Lage sind, die Anspielungen zu verstehen. Also lasst euch nicht vom äußeren Schein täuschen, und verpasst bloß nicht diesen ungeheuer spaßigen Film!


In diesem Sinne,

„Bereit, wenn Sie es sind, Sergeant Pembry.“


Euer Movie-Hanns