He Was A Quiet Man
| He Was A Quiet Man | |
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| Daten zum Film | |
| Regisseur | Frank A. Cappello |
| Land | USA |
| Erscheinungsjahr | 2007 |
| Genre | Thriller / Genre-Mix |
| Autor der Rezension | Hanns |
Inhalt
Bob Maconel ist ein stiller Mann. Unsicher, schüchtern, nicht in der Lage, sich zu behaupten. Zum Beispiel gegenüber seinem Vorgesetzen Scott Harper, einem aalglatten Yuppietypen, dem es Spaß macht, den älteren Maconel zu demütigen. Bob fristet seine Tage in einem Cubicle, einem kleinen Bürowürfel in einem Großraumbüro, und erledigt sinnlos erscheinende Aufgaben. Kein Kollege nimmt ihn wirklich wahr, außer wenn sich eine Gelegenheit bietet, gemein zu ihm zu sein. Das Highlight des Tages besteht darin, dass die bezaubernde Chefsekretärin Venessa an Bobs Würfel vorbeieilt, und ihm vielleicht sogar einen Blick zuwirft. Denn Bob ist unsterblich in die junge Frau verliebt, doch natürlich würde er es niemals wagen, sie anzusprechen. Die Mittagspause verbringt er stets an seinem Lieblingsplatz, einem verwahrlosten Gelände ein paar Blocks von dem Hochhaus entfernt, in dem Bob arbeitet. Dort sitzt er dann auf einem Stein, verputzt sein Pausenbrot und drückt auf seine Funkzünderattrappe – um sich vorzustellen, wie sein Arbeitsplatz von einer mächtigen Explosion zerfetzt wird.
Bob Maconel hat an seinem Kühlschrank eine Klarsichthülle befestigt, in der ein Brief steckt, der mit den Worten beginnt: „Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum ich getan habe, was ich getan habe…“ Die Waffe hat er jeden Tag dabei, und er weiß genau, für welche „Kollegen“ die ersten fünf Schuss reserviert sind. Doch an dem Tag, an dem er seinen Plan endlich in die Tat umsetzen will, kommt alles anders. Während Bob auf dem Boden herumkriecht, um eine Patrone zu suchen, die ihm beim Laden seiner Waffe heruntergefallen ist, fallen plötzlich Schüsse. Sein Cubicle-Nachbar Ralf Coleman ist ihm zuvorgekommen und hat mehrere Angestellte erschossen. Verwirrt beginnt Bob ein Gespräch mit Coleman, und als dieser schließlich die Waffe auf ihn richtet, erschießt Bob instinktiv den Amokläufer.
Plötzlich ist Bob Maconel ein Held. Kollegen, die ihn früher keines Blickes gewürdigt haben, klopfen ihm auf die Schulter, und jeder will sein Freund sein. Das Büro-Miststück Paula macht ihm Avancen, und der Firmenchef Gene Shelby befördert ihn und gibt Bob ein Büro in der Chefetage. Doch die Verletzungen der Vergangenheit sind damit nicht einfach ausgelöscht. Bob weiß kaum, wie er mit der grotesken neuen Situation umgehen soll, und seine inneren Dämonen drohen ihn immer wieder einzuholen.
Shelby beauftragt Bob, seine ehemalige Assistentin Venessa Parks im Krankenhaus zu besuchen, um ihr wichtige Unterlagen zu übergeben. Doch als Bob seiner heimlichen Liebe mit klopfendem Herzen gegenübersteht, muss er erkennen, dass Venessa seit dem Angriff des Amokläufers querschnittsgelähmt ist, vom Hals abwärts völlig bewegungsunfähig. Die junge Frau ist völlig verzweifelt und bittet Bob, sie von ihrem Leiden zu erlösen…
Kritik
„He Was A Quiet Man“ ist ein filmisches Kleinod, dem man anmerkt, dass hier jemand ein Projekt realisiert hat, das ihm wirklich am Herzen lag – der mir bis dato unbekannte Frank A. Cappello hat den Film geschrieben, produziert und in Szene gesetzt. Die Geschichte ist voller skurriler Ideen und unerwarteter Wendungen, und lässt sich in keine Schublade zwingen. Der Film ist Drama und schwarze Komödie, Thriller und Romanze, Psychogramm und Gesellschaftskritik. Es gibt Szenen, in denen man aus der Haut fahren möchte vor Wut über das unmenschliche System, in dem sich der Protagonist gefangen sieht, und andere, in denen man weinen möchte vor Glück. Und natürlich auch diejenigen, in denen das Lachen einfach aus einem heraus bricht.
Auf dem DVD-Cover wird der Film als Kreuzung aus „Brazil“, „Fight Club“ und „Amélie“ bezeichnet (Timeout.com), und, so unglaublich es klingt, der Vergleich ist treffend. Neben dem schieren Ideenreichtum drückt sich dies vor allem durch ungewöhnliche filmische Mittel aus, die darauf abzielen, die inneren Vorgänge des Protagonisten sichtbar zu machen. So nehmen Bobs innere Stimmen auf surreale Weise für den Zuschauer sichtbare Gestalt an, wenn z.B. seine Goldfische mit ihm sprechen, und ihn ermutigen, seinen geplanten Amoklauf endlich in die Tat umzusetzen. Dies führt auch zu einer gewissen Vermischung von Realität und Fantasie, um nicht zu sagen Wahn.
Zu guter Letzt seien noch die Schauspieler erwähnt, die durch die Bank allesamt eine gute Performance abliefern. William H. Macy („Fargo“, „The Cooler“) spielt den Firmenchef Gene Shelby in gewohnt routinierter Manier. Sein Charakter ist der selbstbewusste, sich jovial gebende Geschäftsmann, hinter dessen Fassade immer wieder Oberflächlichkeit und Skrupellosigkeit aufflackern, ohne dass er dadurch zu einem Klischee-Bösewicht verkommt. Elisha Cuthbert („24“, „House Of Wax“) holt unglaublich viel aus der schwierigen Rolle heraus, eine Querschnittsgelähmte zu spielen. Ihre Darstellung ist sehr emotional, und es gelingt ihr, überzeugend die Entwicklung ihres Charakters zu vermitteln. Aber so gut die Schauspieler, bis hin zu den Nebenrollen, auch sein mögen, Christian Slater stiehlt ihnen allen mühelos die Schau. Ich hatte Herrn Slater („True Romance“, „Mindhunters“, „Alone In The Dark“) nie wirklich als Charakterdarsteller wahrgenommen, aber was er in „He Was A Quiet Man“ vollbringt, ist eine wahre Tour de Force. Slater spielt Bob Maconel so intensiv, dass man als Zuschauer geradezu in den Charakter hinein gesogen wird. Man versteht ihn, man leidet mit ihm. Maconels Unsicherheit und Angst sind so greifbar, dass sie körperliches Unbehagen hervorrufen. Wenn Maconel in Panik gerät, dann gerät er in PANIK. Wenn Maconel Glück empfindet, geht einem das Herz auf. Und es ist nicht möglich, sich von der Art und Weise, wie dieser Charakter seine groteske und bedrohliche Umwelt wahrnimmt, zu distanzieren.
Fazit
„He Was A Quiet Man“ ist nicht gerade ein bequemer Film, und schon gar kein Feel-Good-Popcornkino, aber wenn man einen wirklich gut geschriebenen, inszenierten und gespielten Film zu schätzen weiß, gibt es nur eine mögliche Empfehlung: Unbedingt ansehen!
In diesem Sinne,
„Geh nicht ins Licht, Carol Anne!“
Euer Movie-Hanns