In My Skin
| In My Skin | |
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| Daten zum Film | |
| Regisseur | Marina de Van |
| Land | Frankreich |
| Erscheinungsjahr | 2002 |
| Genre | Horror / Drama |
| Autor der Rezension | Hanns |
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Es gibt Filme, die unangenehm sind, sogar regelrecht abstoßend, und dennoch fühlt man sich berührt und fasziniert. "In My Skin" ist ein solcher Film.
Inhalt
Esther, eine Karrierefrau auf dem Weg nach oben, hat einen kleinen Unfall, während sie sich auf einer Party den Garten des Gastgebers ansieht, und dabei auf einer Baustelle stürzt. Erst Stunden später bemerkt sie, dass sie sich eine tiefe Schnittwunde am Bein zugezogen hat. Sie wird schließlich im Krankenhaus versorgt, doch die Verletzung lässt ihr keine Ruhe. Die Wunde scheint eine Faszination auf Esther auszuüben. Einem Impuls folgend, öffnet sie den Schnitt wieder, und bringt sich noch weitere Verletzungen bei. Ihr Umfeld reagiert mit Verstörung und Angst darauf, und Esther verbirgt fortan ihre immer stärker werdende Obsession, den eigenen Körper zu verstümmeln. Obwohl ihre Arbeit und die Beziehung zu ihrem Freund Vincent darunter leiden, kommt es zu immer extremeren Exzessen. Esther geht nicht mehr ins Büro, fotografiert ihre Wunden und versucht, die herausgeschnittene Haut zu konservieren.
Kritik
"In My Skin" ist kein Film für Menschen, die Eindeutigkeit bevorzugen. Er erklärt die monströse Besessenheit seiner Hauptfigur nicht, sondern spielt vielmehr mit einer Person, die sich in einem psychischen Ausnahmezustand wieder findet. In diesem Sinne funktioniert der Film auch als Parabel auf die Situation von Menschen, deren Leben aus den Fugen gerät, z.B. durch das plötzliche Auftreten einer Depression, Magersucht, Angststörung, etc., indem er zeigt, wie die überforderten Mitmenschen mit Unverständnis, Angst und Aggression darauf reagieren.
Formal sehr versiert, verdeutlicht Regisseurin und Hauptdarstellerin Marina de Van das psychische Erleben Esthers durch interessante Mittel wie optische Verfremdung oder Split-Screen-Technik. Die Musik ist dezent und stimmig, die Darsteller überzeugend.
Sehr beeindruckend ist die Szene, in der Esther während eines wichtigen Geschäftsessens von ihrer Obsession überwältigt wird. Zunächst spürt sie ihren linken Arm nicht mehr, dann fantasiert sie ihn plötzlich abgetrennt neben sich auf dem Tisch liegend. Während sich ihre Kunden über Reisen nach Lissabon und Rom unterhalten, zersticht und zerschneidet sie den Arm schließlich unter dem Tisch.
Dabei manifestiert sich die Selbstverstümmelung aber nicht als Aggression gegen den eigenen Körper, sondern vielmehr als bizarrer autoerotischer Akt, in dem die Hauptfigur eine völlig neue, wenn auch erschreckende Möglichkeit entdeckt, den eigenen Körper lustvoll zu erfahren, bis hin zum Bestreben, Teile davon zu verzehren. In dieser Hinsicht erinnert der Film an den Bodyhorror des genialen kanadischen Regisseurs David Cronenberg (bekannt vor allem durch "Naked Lunch", "eXistenZ" und das Remake des Horrorklassikers "Die Fliege"). Cronenberg thematisierte schon häufig die Ästhetik des Hässlichen (bzw. die Relativität dessen, was allgemein als schön angesehen wird). In seiner Adaption des Ballard-Romans "Crash" sind es z.B. Autounfälle und die dadurch hervorgerufenen Wunden, Verstümmelungen und Narben, die als Objekte sexueller Stimulation fungieren.
Fazit
"In My Skin" ist kein Horrorfilm im üblichen Sinne, wenn er auch eine verstörende Dosis Psycho-Horror verbreitet. Er ist auch kein Splatterfilm, da er zwar manchmal in schwer auszuhaltender Form die Selbstverstümmelungen zeigt, aber an anderen Stellen ebenso wirkungsvoll mit Andeutungen arbeitet. Wer etwas zum Wohlfühlen, ein unterhaltsames Suspense- oder spaßiges Splatter-Movie erwartet, wird nicht auf seine Kosten kommen. "In My Skin" ist ein extremer Film, den man nicht ohne weiteres jedem empfehlen kann. Aber Freunden des Bizarren und Abgründigen präsentiert sich ein Kleinod, das wieder einmal beweist, dass die Geheimtipps des Horror- und Thriller-Genres in letzter Zeit eindeutig außerhalb der USA zu finden sind. Denn "In My Skin" ist eine französische Produktion (im Original "Dans ma Peau"), und schafft das, was amerikanischen Filmen auf diesem Sektor nur noch selten gelingt, nämlich Grenzen zu überschreiten und den Zuschauer wirklich zu schockieren. Und das ist es letztendlich, was einen guten Horrorfilm ausmacht.
Euer Movie-Hanns