von Felix
erschienen im Goldmann Verlag, 2002
Zunächst einmal sei gesagt, dass ich kein besonders großer Buch-Leser bin.In Kenntnis dessen wurde mir trotzdem ein Buch empfohlen, und, soviel nehme ich schon mal vorneweg, ich bereue keine einzelne Textzeile gelesen zu haben.
Walter Moers, bekannt durch "das kleine Arschloch" ist auch Schöpfer des Käpt'n
Blaubär, der auf diversen öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern sein
Seemannsgarn erzählt.
Genau dieser Bär erzählt nun in Romanform von seinem Leben. Genauer: er erzählt
13 1/2 von seinen 27 Leben (Blaubären haben nämlich 27 Leben). In diesen 13 1/2
Episoden beschreibt er seinen Lebenslauf beginnend von seiner Geburt (er ist
genau genommen nämlich gar nicht geboren worden,zumindest kann er sich nicht
daran erinnern) über seine Schulzeit und Jugend bis zum mittleren Alter. Ziel
seiner Reise, auf der er immer wieder aufgehalten wird, ist Atlantis, die
Hauptstadt Zamoniens, einem Kontinent, der zwischen Europa und Amerika liegt
(genauer: lag). Begleitet wird Blaubär vom "Lexikon erklärungsbedürftiger
Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung von Prof. Dr. Abdul
Nachtigaller" in seinem Kopf. Dieses Lexikon klärt nicht nur den Protagonisten,
sondern auch den Leser über alle Kuriositäten auf, die im Handlungsverlauf
auftreten (und lässt sich auch unter www.zamonien.de abrufen).
Moers beschreibt mit einem unvorstellbarem Ideenreichtum und unglaublich viel
Witz Blaubärs Leben bei den Zwergpiraten, bei den Klabautergeistern,bei den
Tratschwellen, auf der Insularis Gourmetica, als Fluglotse für einen
Rettungssaurier, in der Finsterbergschule, im großen Wald (dessen einfallslosen
Namen Blaubär selber bemängelt) usw.
Mit Zamonien ist hierbei eine Welt erschaffen worden, die keiner mir bekannten
Fantasiewelt nachsteht. So gibt es beispielsweise neben den bekannten
chemischen Elementen auch noch zamonische, verschollene und intelligent
denkende Elemente (aber die jetzt zu erläutern würde zu weitführen).
Mein persönliche Lieblingsnebenrolle ist Bläubärs Schulfreund QwertZuiopü, ein Gallertprinz aus der 2364. Dimension, der bei seiner Krönung über eine Teppichfalte stolperte und in ein Dimensionsloch fiel, und in Zamonien herauskam. Seitdem sitzt er in Zamonien fest und betreibt Dimensionslochkunde, um wieder in seine Heimat zurückkehren zu können. Die Gepflogenheiten in der 2364. Dimension werden auch erläutert, so ist dort eigentlich alles aus Teppichen. Und die Bewohner ernähren sich von Musik. Das ist aber nur ganz grob, um sich die 2364. Dimension vorstellen zu können, braucht man eigentlich mindesten vier Gehirne (so etwas gibt es, Prof.Dr. Nachtigaller hat sogar sieben Gehirne).
Die zunächst abschreckend viel klingenden 700 Seiten werden durch viele erklärende und lustige Bilder relativiert, und auch sonst kommt beim lesen alles andere als Langeweile auf (außer an der Stelle, an der Blaubär auf eineinhalb Seiten die Farben und Farbabstufungen von Bären auflistet, aber das passt doch gut zum Stil und lässt sich im Notfall auch gezielt überblättern).
Außerdem sollte man vermeiden, das Buch zu lesen, wenn Mitmenschen im selben Raum einer ruhigen Tätigkeit (wie schlafen oder arbeiten) nachgehen wollen - sie könnten sich durch regelmäßige Lach-Attacken gestört fühlen.
Abschließend kann ich nicht anders und muss das Buch weiterempfehlen. Es ist
ein MUSS für jeden, der gerne Bücher liest, ein MUSS für jeden, der seinen
Fantasie-Horizont erweitern will, und ein SOLLTE, für jeden anderen (auch
Lesemuffel, so wie mich)
Ach so, und noch etwas: Es ist kein Kinderbuch! (nur um das nochmal klar zu
stellen, und damit keiner mit falschen Erwartungen darangeht)