Harry Potter und der Stein der Weisen - der Film


von Ylva Spörle

Potterposter

Da empfiehlt eine Lokalzeitung noch, den Film nicht kleinen Kindern zu zeigen, da er einige düstere Stellen und grausame Szenen enthalte.
Dieser Film ist so düster wie eine dunkle Puppenstube. Und eine Szene, in der Harrys Freund vom Steinpferd stürzt, ist wahrhaftig grausam. Jede Schulhofkeilerei ist brutaler als das.
Was für das Buch galt - die schöne, anschauliche Sprache - kann für den Film nicht gelten. Ein Bild ist ohnehin im wahrsten Sinne anschaulich, und je deutlicher gezeichnet, desto übertriebener wirkt es. Das schon im Buch überzeichnete Aschenbrödeldasein des Jungen Harry und die Gemeinheiten seines Cousins Dudley wirken im Film eher peinlich. Dudleys Ungezogenheit und seine Gier werden hart am Rande zum Slapstick dargeboten.
Auch im weiteren Verlauf der Geschichte werden die Zuschauer werden förmlich überrollt mit Effekten, ohne daß sie Gelegenheit haben, die Dinge auf sich wirken zu lassen. So wird noch der Nostalgie-Effekt der Geschichte - wie war da noch damals, als wir uns gerne Märchen anhörten - zunichte gemacht. Kaum ein netter Einfall, der nicht schon durch einen nächsten übertrumpft werden wollte. Und dann gleich in dieser Menge. Die Briefe, die an Harry Potter gehen, wälzen sich schließlich zu Tausenden ins Haus wie eine Sturmflut, statt einer Eule, die sie jeden Tag bringt, sind es Dutzende, die jeden Tag demonstrativ vor dem Haus auf die Antwort des Empfängers warten. Hier wäre weniger mehr gewesen!
Eine einzige ruhigere und daher intensivere Szene ist die, in der Harry vor dem offenen Fenster in Hogwarts sitzt und gedankenverloren ins Meer hinausschaut. Was denkt er? Ist er glücklich? Er sieht eigentlich nicht so aus. Oder ist er so verwirrt von all dem neuen, daß er doch so etwas wie Heimweh empfindet, eine seltsame Minute lang? Doch der Film hat kein Interesse an solchen Betrachtungen, und die Mimik des jungen Darstellers ist nicht vielschichtig genug für einen Hinweis.
Ansonsten gibt sich der Film redliche Mühe, jedes noch so kleine Detail des Buches einzuflechten, bunt werden die Szenen mit hübschen Details übersät wie ein Christbaum mit Lametta. Lebende, sich bewegende Bildnisse an den Wänden, eigenwillige Treppen, Geister, die wie selbstverständlich durch die Gänge wandern und Konversation betreiben und natürlich jede Menge Brief-Eulen.
Leider wird gerade am Schluß die Werktreue aufgeweicht: Als das Dreigespann Harry, Hermione und Ron sich durch einen gefährlichen Parcours kämpfen müssen, stehen sie vor den verschiedensten Aufgaben. Wahrhaft rollenspieltauglich ist im Buch jeweils eine Aufgabe dabei, die einer der drei am besten lösen kann. Ron meistert das Schachrätsel, und im Buch ist noch ein Logikpuzzle dabei, das von Hermione mit dem kühlen analytischen Verstand gelöst wird. Schade, denn hier hätte die Figur Hermione (die in der deutschen Fassung Hermine heißt) mit ihrer manchmal nervigen mathematischen Art wirklich einen Sinn ergeben.
Am Ende bleibt mir nur ein leicht bedauerndes Achselzucken. Das Buch habe ich inzwischen dreimal gelesen, trotz allem (siehe Rezension zum Buch). Den Film würde ich mir nicht noch einmal ansehen.