Hans Liebert
Gewalt kann lustig sein. Sicher, nicht wenn man sie selbst und in der Realität
erlebt. Soviel ist schon mal klar. Serienmörder, Amokläufer und andere
Psychopathen sollen ruhig zuhause bleiben, wenn ich nachts unterwegs bin. Aber
von der sicheren Distanz des Platzes vor der Kinoleinwand oder dem
Fernsehschirm aus betrachtet, kann Gemetzel eine Absurdität hervorbringen, die
nur durch weniges überflügelt wird. Das wußten schon die Komikrevolutionäre von
Monty Python. Wer also darüber lachen kann, wenn ein Mann ungeschickt versucht,
das abgetrennte Bein seines Kollegen in das viel zu kleine Buskühlfach zu
bugsieren, und dabei fast an der Tücke des blutbesudelten Objekts scheitert,
der ist richtig bei Severance.
Eine Gruppe von sechs britischen und einer amerikanischen Besserverdienenden
landen im neu erworbenen Firmenanwesen des Rüstungsunternehmens Palisade
Defence inmitten eines abgelegenen ungarischen Waldgebietes, zum Zweck eines
Teambildungs-Wochenendes. Leider stellt sich das Ganze als verstaubte Bruchbude
heraus, Vorräte sind ebenso wenig vorhanden (bis auf uralte Pasteten mit
unappetitlichen Überraschungen) wie ein Handynetz. Während der Abteilungsleiter
Richard, der leider weder Führungsqualitäten noch Sozialkompetenz besitzt und
sich lieber an seinem mitgebrachten Käselaib vergeht, händeringend versucht,
eine Meuterei zu verhindern, kämpft der junge Steve mit den Halluzinationen,
die er einer Überdosis Magic Mushrooms zu verdanken hat. Lediglich der
weltfremde und stets begeisterte Gordon, eine Mischung aus Streber-Nerd,
Pfadfinder und Spongebob, sieht alles positiv und freut sich auf die
gruppenpädagogischen Übungen. Schließlich lebt man sich doch noch so halbwegs
ein und beginnt nach dem Fund seltsamer Akten im Keller des Hauses, über dessen
Vergangenheit zu spekulieren. In einer herrlichen Sequenz präsentieren drei
Mitarbeiter jeweils ihre Vorstellung von der Geschichte des Gemäuers, jede
einzelne ein witziger kleiner Kurzfilm für sich mit jeweils unterschiedlichen
filmischen Mitteln.
Leider scheint sich die Version zu bewahrheiten, in der das Gebäude früher als
Unterschlupf einer Gruppe von abgedrehten Elitesoldaten fungierte, die vor dem
Zusammenbruch des Sowjetsystems noch schnell diverse Säuberungen vornahmen.
Schlimmer noch: Die Herren sind noch immer da, und haben nicht die geringste
Lust, ihr Domizil mit den Mitarbeitern der Firma zu teilen, mit deren Giftgas
man damals versuchte, sie zur Räson zu bringen... Die anschließende Menschenjagd
macht auch nicht vor der sanften Jill halt, die an der Entwicklung von humanen
Landminen arbeitet, und schafft es, trotz intensiver Spannung und erfreulich
blutrünstigen Effekten, stets auf sehr lustige Art zu unterhalten. Schließlich
entwickelt sich eine weitere Ebene der Absurdität, wenn die Schreibtischtäter
zurückschlagen - eine gute Gelegenheit, den neuen Prototyp des firmeneigenen
Raketenwerfers auszuprobieren...
Der Film beschränkt sich allerdings auch nicht nur auf Blutspratz-Komik. Sehr
schön z.B. die Szene, in der die verdächtig schlanke und ständig rauchende
Maggie sich über Anspielungen auf eine etwaige Magersucht ereifert, und dann,
als sie geht, den Blick auf das hinter ihr stehende Plastikskelett freimacht.
Severance degradiert seine (allesamt gut gezeichneten und gespielten)
Charaktere allerdings nicht zu Clowns in einer Nummernrevue à la Scary Movie.
Stattdessen entwickelt er eine logisch aufgebaute Handlung, in der die
Mitarbeiter eines Rüstungskonzerns auf ironische Weise mit dem Schrecken dessen
konfrontiert werden, womit sie sich tagtäglich am Reißbrett oder im Verkauf
beschäftigen (oder eben gerade nicht).
Regisseur Christopher Smith (Creep - aber keine Angst: Severance ist der mit
Abstand bessere Film) hat hier einen intelligenten Horrorfilm geschaffen, der
hervorragend die Balance hält zwischen Gewalttätigkeit, Komik und
nervenzerreissender Spannung. Dabei agiert er fernab gängiger Klischees und
reiht sich nahtlos ein in die hervorragenden britischen Horrorfilme der letzten
Zeit, wie The Descent, Dog Soldiers oder Wilderness.