von Evil Ylva
Wenn ein Death und Black Metal Fan plötzlich die schwarzen
Klamotten weglegt, ist was faul. Wie bitte? Power-Metal-Klänge in der Langstraße?
Sind wir denn zum Spaß hier oder was???
Aber ja doch! Wer's nur bierernst und tieftraurig mag, ist bei dieser Band an
der falschen Stelle. Wer Musik zum Saufen und Mitgrölen will, allerdings
auch. Die Melodien sind durchaus eingängig, aber nicht infantil, die Gitarrenfraktion
ist voller Spielfreude, kommt trotzdem stets songdienlich auf den Punkt und
weist handwerklich keinerlei Mängel auf. Der Sänger steht hinter seinen
Musikerkollegen dabei nicht zurück. Wenn er mit stellenweise leicht angerauhter
Stimme über seine Melodiebögen surft, klingt das je nach Thema des
Liedes klagend, pathetisch oder wütend, aber kein bißchen angestrengt.
Natürlich besteht auch bei NOCTURNAL RITES die Musik aus den bekannten
12 Halbtönen. Aber die Mischung macht's wie immer, unterstützt von
der sauberen Produktion, und hier und da schleicht sich sogar eine bis dato
noch nicht gehörte Harmonie ein. Orientalische Klänge hört mensch
in diesem Metalsektor nicht allzu oft.
Passend zu den Melodien (und zum Titel der CD) serviert die Band Texte aus dem
Fantasybereich, die sprachlich leider nicht so ganz mit der Musik mithalten
können. Ihr Inhalt taugt trotzdem fürs Rollenspiel, und wenn nach
dem dritten Durchlauf annähernd klar wird, was gemeint ist, sucht mensch
hektisch nach dem Feuerzeug, um die heroischen Parts bis zum Umfallen abzufeiern.
Vergeßt EDGUY. Es gibt nächtliche Riten zu begehen -und es darf ausnahmsweise
auch mal bunt sein !