von Gerhard
Bei Anno 1503 handelt es sich um den Versuch, die Spielatmosphäre des
gleichnamigen Computerspiels auf ein Brettspiel zu übertragen. Der Autor des Spieles ist niemand
geringeres als der Siedler-König Klaus Teuber.
Das Spiel besteht aus einem zentralen Brett und kleineren Brettern für die einzelnen Spieler. Der
größere Teil des zentralen Brettes stellt eine Wasserlandschaft mit vielen Inseln dar, daneben gibt
es eine Übersicht über den Goldvorrat und über die Menge an erreichten Siegpunkten der einzelnen
Spieler.
Die kleinen Bretter zeigen die Heimatinseln der Spieler. Hier werden im Laufe des Spiels neue
Pioniere angesiedelt, Einwohner weiterentwickelt und endeckte Inseln und Handelsverträge
angelegt.
Zum Ansiedeln oder Weiterentwickeln von Einwohnern werden Rohstoffe benötigt. Ingesamt sechs
Rohstoffarten gibt es bei diesem Spiel: Holz, Tuch, Werkzeug, Stein, Tabak und Gewürze. Dies
Rohstoffe kann man auf seiner Heimatinsel abbauen, herstellen oder zukaufen.
Ein Zug besteht aus drei unterschiedlichen Phasen. Zuerst wird der Ertrag ausgewürfelt. Auf den
Heimatinseln sind den vier Hauptrohstoffen die Würfelzahlen von eins bis fünf zugeordnet, über der
übrig geblieben Zahl ist ein Fragezeichen zu sehen. Jetzt nimmt jeder Spieler ein Warenkärtchen mit
dem Rohstoff auf, der der gewürftelten Zahl zugeordnet ist. Bei einem Fragezeichen kann man den
Rohstoff selbst bestimmen. Wird eine sechs gewürfelt tritt eines von drei Ereignissen ein: Die
Einwohner werden von einer Feuersbrunst bedroht, Piraten überfallen die an die Hauptinsel
angelegten Inseln oder ein besonders ertragreiches Jahr beschert allen Spielern einen Rohstoff
ihrer Wahl.
In der nächsten Phase können mittels Einsatz von Rohstoffen Pioniere angesiedelt, Einwohner
weiterentwickelt und Schiffe eingesetzt werden. Daneben besteht die Möglichkeit, Waren zu kaufen
oder aber seine Einwohner zu verkaufen. Leider ist ein Handeln mit den anderen Spielern nicht
vorgesehen. In der letzten Phase werden die Schiffe bewegt und Inseln entdeckt. Hierbei gibt es
Inseln mit unterschiedlichen Rohstoffen, Handelsverträge oder Schätze zu entdecken. Die Inseln
werden bei den oben erwähnten, auf der Heimatinsel mit den aufgedruckten Würfelsymbolen angelegt.
Wird jetzt die ausgewählte Zahl gewürfelt so kann der Spieler zwischen dem Rohstoff seiner
Heimatinsel und dem Rohstoff seiner angelegten Insel auswählen. Handelsverträge werden auch als
Inseln behandelt und seitlich an die Heimatinsel angelegt, sie reduzieren den Preis der zu
erwerbenden Waren. Schätze erbringen entweder zwölf Goldstücke oder aber eine kostenlose
Weiterentwicklung eines Einwohners.
Ab dem Zugzug des vierten Einwohners kann der Spieler jedes mal aus einem Vorrat von besonderen
Gebäuden auswählen und diese unterhalb seines neuen Pioniers ablegen. Diese Gebäude haben eine
Vielzahl von Funktionen. So schützt etwa die Feuerwehr vor dem Ereignis Feuer, die Schmiede vor dem
Ereignis Piraten, die Schule beschert einen höheren Ertrag beim Verkauf von bestimmten Rohstoffen
an die Einwohner, die Schiffswert verdoppelt die Bewegungsweite der eigenen Schiffe. Die Anzahl von
Gebäudenkärtchen ist begrenzt, beim Spiel mit vier Personen kann nicht jeder Spieler seine für
Gebäude vorgesehenen Felder belegen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst und kann sich zudem die
besseren Gebäude aussuchen.
Das Spiel gewinnt die Person, der es als erstes gelingt drei Siegpunkte in fünf mögliche Kategorien
zu erreichen. So bekommt man einen Siegpunkt beim Besitz von 30 Goldstücken, genauso verliert man
ihn aber wieder wenn weniger Gold in der Kasse ist. Drei Handelsverträge abgeschlossen zu haben
erbringt genauso einen Siegpunkt wie der Besitz von vier Gebäuden, drei Einwohner im Stand der
Kaufleute oder vier Rohstoffinseln entdeckt und an seine Heimatinsel angelegt zu haben.
Vor allem mit vier Spielern gestaltet sich das Spiel langwierig. Auch mit erfahrenen Spielern ist
die Zeitangabe auf dem Karton von einer Stunde kaum zu schaffen - die Wahrheit dürfte eher bei zwei
Stunden liegen. Leider gibt es keinen Austausch der Spieler untereinander, bei einem Spiel mit vier
Spielern kann es schon eine ganze Weile dauern, bis man wieder einmal an der Reihe ist. Und weil es
außer dem Einsammeln des Erwürfelten Ertrags nichts zu tun gibt und auch keine Interaktion unter
den Spielern vorgesehen ist, müssen die Spieler schon etwas Geduld und Disziplin mitbringen. Keine
Frage, das Spiel erinnert vom Mechanismus stark an Siedler, vor allem an "Siedler - das
Kartenspiel". Leider sind hier die Möglichkeiten viel geringer, etwas Taktik ins Spiel zu
bringen, etwa durch geschickte Investition von Rohstoffen, oder der klugen Auswahl von Einheiten.
Hat man beim Ertrag einige Runden lang Pech und bekommt nicht die richtigen Rohstoffe zusammen,
kann es durchaus sein, daß das Spiel schon zur Hälfte der Spielzeit nicht mehr zu gewinnen ist.
Neben den oben genannten Schwächen bietet das Spiel meines Erachtens kaum Langzeitmotivation. Daher
kann ich das Spiel eher nicht empfehlen.