Fantasy-Spielfest in Rothenburg Juli ´99


von Martin Becker 

Organisation

Diese war wohl etwas chaotisch. Das Programm war etwas "dynamisch" und wurde fast im Stundentakt geändert. Und von den Leuten in den roten Amigo Hemdchen war nicht viel Hilfe zu erwarten. So wurden wir z.B. durch halb Rothenburg geschickt, als wir vor dem Schäfersaal nach dem Weg zum Schäfersaal fragten, und daß die Frage und Antwortstunden im Kino stattfanden, erfuhren wir nur durch Zufall von Micheal Sheard selbst. Wir begriffen schnell, daß wir uns nur an die Leute mit Headsets und Handies wenden durften, wenn wir eine brauchbare Information haben wollten (Hallo Frank, hallo Björn!). Garderobe und Verpflegung standen leider erst am zweiten Tag zur Verfügung. Zugute halten muß man den Veranstaltern aber, daß dies ihre erste Veranstaltung dieser Größe war, und daß sie wohl auch selbst von dem Andrang überrascht worden waren. Es war eigentlich jeder hilfsbereit und im Ganzen habe ich mich sehr wohl gefült. Ein dickes Lob an Amigo eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Weiter so.

Rollenspiel

War nicht. Leider mußte unsere Star Wars Runde mit einem netten Kerl von WdS mangels Mitspielern ausfallen, während andere Runde wie DSA oder AD&D morgens sofort ausgebucht waren. Vielleicht sollte man 8 Stunden Runden auch auf zwei Tage aufteilen, damit man nicht zuviel vom Rahmenprogramm verpaßt.

LARP

Während ich eigentlich vor Rothenburg LARP recht aufgeschlossen gegenüberstand, ist es es jetzt für mich nur noch eine Abkürzung für nächtliche Ruhestörung von gehirnamputierten Idioten. Es tut mir leid, aber ich kann mir nicht vorstellen, was es mit Rollenspiel zu tun hat, nachts zwischen 2 und 3 Uhr gröhlend und schreiend durch eine Innenstadt zu ziehen. Das schadet nicht nur dem Ansehen von LARPs, sondern den Rollenspielern allgemein.  

Kartenspiele

Für Kartenspieler wurde sehr viel geboten. Ich ließ mich sogar breitschlagen an einer Einführung in Young Jedi und Star Wars teilzunehmen. Als ich jedoch die Schrannenscheune betrat und die Massen von Kartenspieler auf einem Haufen sah, bekam ich doch etwas Angst. Auch daß die Leute nicht verstehen wollte, daß ich mir die EINMALIGE Gelegenheit entgehen lassen wollte, an einem Star Wars Turnier teilzunehmen, und statt dessen zu den schnöden Star Wars Schauspielern wollte, und dann auch noch anfingen meine Frau deswegen zu beleidigen, hinterließ ein eher ungutes Gefühl. ungs, es ist NUR ein verdammtes KARTENSPIEL!

Stars

Allein die anwesenden Stars war die Fahrt nach Rothenburg wert. Gary Gygax ist ein etwas stiller, älterer Mann, mit abgetragenen Hosen und einem Buffy T-Shirt. Meine Frau hat ein paar Worte mit ihm gewechselt und hat sich ihre D&D-Deutsche-Erstausgabe-Sachen von ihm signieren lassen. Mir kam er etwas wie an Relikt vor, an dem die Zeit vorbeigegangen ist, als er seine vergilbten Notizen von seinem ersten Abenteuer von 1972 vorzeigte... John de Lancie kam mir etwas scheu und introvertiert vor. Jedenfalls saß er die meiste Zeit nur da und sprach mit niemanden. Anscheinend ist er ein sehr guter Schauspieler.
Was uns zu Paul Blake, Peter Diamond, Micheal Sheard und Mike Edmunds bringt. Es war offensichtlich, daß Micheal Sheard das Bad in der Menge genoß. Er ging herum, sprach Leute an, machte Witze und meinte einmal zu mir, sein Job sei es die Leute hier zum Lächeln zu bringen. Die anderen waren etwas zurückhaltender; wie es sich später heraustellte, war es auch ihr erster Con.
Bei der Frage und Antwort Stunde mit den vier, begann Peter Diamond mit einer eindrucksvollen Stunt Demonstration. Unter anderem zeigte er, wie er mit Hilfe einer LKW-Batterie und zwei Starthilfe-Kabeln die Schwerter bei Highlander zum Funkensprühen brachte. Danach gab es wirklich tiefe Einblicke in die Produktion von Star Wars.
Was bei mir jedoch den größten Eindruck hinterlassen hat, war die Party Samstag Abend. Dort hatten wir nämlich das Glück, daß wir gut zwei Stunden zusammen mit Paul Blake und Peter Diamond ein paar Gläser tranken und uns unterhielten. Anscheinend waren sie froh, jemanden gefunden zu haben, mit dem sie sich auf Englisch unterhalten konnten, und der auch zum ersten Mal auf einer solchen Veranstaltung war. Peter Diamond ist übrigens 70 und seit 49 Jahren Stuntman. Er hat schon mit Leuten wir Erol Flynn und John Wayne zusammen gedreht. Als Stuntcoordinator hat er sich auf Fecht-Szenen spezialisiert. Er hat unter vielem(!) anderen Star Wars, Indiana Jones, Highlander, Princess Bride, Robin Hood, Zorro und American Werewolf gemacht, sowie bei vielen Episoden der Highlander Serie Regie geführt. Man hat den Mann viel öfter in Filmen gesehen als man denkt: er ist "jeder der in Star Wars irgendwo hinfällt" (einschließlich dem Tusken Raider, der Luke angreift) und hat z.B. den Typen, der bei Highlander in der Tiefgarage geköpft wird, gespielt.
Und Geschichten konnte der erzählen. Z.B. wie er nachts Mark Hamill vor einem Hotel in London aufgegabelt hat, weil der einer Frau nachgestiegen und vom Portier rausgeschmissen worden war. Ich habe ihn selbstverständlich nach Azou's Geschichte über den "I love you" - "I know" - Dialog gefragt... und sie ist NICHT wahr. Herr Diamond war einer der Sturmtruppler in dieser Szene (wahrscheinlich der, der von Chewbacca umgestoßen wird) und die Szene wurde nur genau dreimal gedreht. Der Dialog stand von Anfang an so im Skript.
Übrigens schreibt Herr Diamond gerade an einem Buch mit dem Titel "1000 Credits", daß nächstes Jahr erscheinen soll. Ich kann dieses Buch jedem der sich ein wenig für Filme interessiert nur empfehlen. Es gibt wohl kaum jemand der mehr Einblick hinter die Kulissen hatte, als dieser Mann.
Heather Hudson war auch sehr, sehr nett. Wir hatten zuvor L5R Karten gekauft, um sie signieren zu lassen, aber in dem gesamten Pack war nicht eine von ihr zu finden. Daraufhin hat sie uns eine von denen die sie dabei hatte geschenkt! Eine kleine Überraschung erlebten wir mit Paul Jaquays. Er wohnt nämlich in der Nähe von Freunden von uns in Dallas. It's a small world...

Rothenburg

Rothenburg ist eine sehr schöne Stadt (wenn man sich and die vielen Touristen gewöhnt hat) und war die ideale Kulisse für's FSF. Besonders empfehlenswert ist das Reichsstadt-Museum und der abendliche Rundgang mit dem Nachtwächter.

Fazit

Ich würde jederzeit sofort noch einmal zum FSF fahren. Es war ein sehr schönes Wochenende und hoffe, daß Amigo nächstes Jahr FSF 2 veranstaltet.


Bis dahin,
Martin