Ein Bericht von Martin Brückner und Sven Heinrichs
Während vielen Politiker, Eltern und Lehrer kalte Schauer über den Rücken jagen, beginnen Menschen aller Altersklassen zu schwärmen, wenn man das Thema darauf lenkt: Videospiele. Es war wieder einmal so weit und die Games Convention 2007 stand vor der Tür. Vier Tage lagen vor uns und wir hatten nicht vergessen, was im letzten Jahr schon für ein Getümmel geherrscht hatte. In diesem Jahr war es allerdings noch einmal schlimmer.
Wenn man sich im Vorfeld informiert hat, was bei den Entwicklern so alles in den Startlöchern steht, konnte man sich ausmalen, dass die diesjährige GC ein Festival für Rollenspiele (On- wie Offline) sein würde. In dieser Hinsicht wurde man definitiv nicht enttäuscht, genauso wenig wie in allen anderen Belangen. In der Eingangshalle wurde man von einer Halfpipe erwartet, mit der für das Spiel Skate von EA Werbung gemacht wurde, aber auch ein kleiner Stand des Spiels Rockband war in der Eingangshalle zu finden. Als wir am Donnerstag dann zum Eingang von Halle 2 kamen, erwartete uns erst einmal eine Überraschung...

Den Rundgang konnte man sehr gut bei Microsoft beginnen, wo die Konsolenspieler exzellent bedient wurden.
Schon zu Beginn der GC, um acht Uhr, also eine Stunde bevor die Hallen öffneten, hatten sich schon große Trauben um die Eingänge zu den Hallen gebildet. Nur Journalisten und Reporter wurden vor Beginn eingelassen, was manchen überlegen ließ, ob man mit einem Überfall auf einen der Pressevertreter durchkommen würde. Doch dann ging es endlich los und die Masse drückte sofort vorwärts. Hier stachen auch gleich einige heraus, die es gar nicht erwarten konnten. In den Zugängen zu den Hallen standen auch schon die Kameras bereit und so lief man Gefahr, sich die Nase an einer Kamera platt zu drücken, während von hinten nachgedrängt wurde. Dann waren wir endlich in Halle 2 angekommen und wir konnten unseren ersten Rundgang über die GC beginnen.
Als Rennspiel war Project Gotham Racing vertreten, während Freunde der Halo-Reihe sich über Halo Wars freuen konnten, welches als Echtzeit-Strategie-Titel ein wenig aus der bekannten Shooter-Rolle fiel. Ein richtig gutes Spiel war allerdings ein Rollenspiel, das von Bioware entwickelt wurde und ein großes Ziel verfolgt. Bioware, eine Spiele-Schmiede die auch schon durch Titel wie Baldur’s Gate (1 und 2) oder Jade Empire aufgefallen ist, präsentierte am Microsoft Stand Mass Effect, ein Rollenspiel das Grafik und Story zu einer Einheit verschmelzen soll. Ob es was wird, das wird sich zeigen, wenn das Spiel erscheint...
Auch andere große Entwickler gaben sich in Halle 2 die Ehre, wobei man hier besonders Blizzard nennen sollte. Neben EA war bei Blizzard immer die Hölle los, so dass man sich zu den Hauptstoßzeiten am Samstag teils stundenlang anstellen musste, um für 10 Minuten einen der beiden spielbaren Titel Starcraft II oder WoW: Wrath of the Lich King anzocken zu können.

Blizzard: Garant für gute Spiele und große Menschenaufläufe...
Neben den bekannten Größen gaben sich hier auch andere Entwickler wie Nintendo mit Spielen für Nintendo DS oder Wii, aber auch Take 2 und Vivendi die Ehre. Sogar Upper Deck Entertainment war angereist, um das neueste Videospiel zu Yu-Gi-Oh vorzuführen.
Der GC-Rundgang führte uns dann in Halle 4, wo man unter anderem auf einen Stand der Bundeswehr traf. Andere Kuriositäten in dieser Halle waren ein Stand von Jamba, an dem man anscheinend neue Abos bestellen konnte, oder BenQ Deutschland, die sich zuletzt nicht mit guten Schlagzeilen in den Medien fanden. Aber auch ein Anime-Kino, in dem man sich von den Strapazen eines langen Tages erholen konnte, war aufgebaut worden, was eine hervorragende Ablenkung darstellte.

Eine andere Kuriosität war dieser Stand...
In Halle 4 fand man neben Konami, die das Finale der Metal Gear Solid Reihe präsentierten und Devil May Cry 4 zum Anspielen gaben, auch noch Firmen wie Square Enix, bei denen man das Online Rollenspiel Final Fantasy XI anspielen konnte. Konami hatte eigens für die GC den Chefentwickler von Metal Gear Solid einfliegen lassen, der die Präsentationen für das Spiel leitete. Bei Devil May Cry 4 stößt ein wenig bitter auf, dass man Dante gestrichen und ihn durch ein Double namens Nero Angelo ersetzt hat.
Weiterhin vertreten waren Online Welten GmbH, die nur Online Rollenspiele zeigten, oder Frogster Interactive, bei denen man Speedball 2 und Chronicles of Spellborn (CoS) anspielen konnte. Während Speedball 2 eine sehr interessante Mischung aus Sport- und Prügelspiel ist, kann man CoS ansehen, dass es ein exzellentes MMORPG wird. Da es eine vollständig neue Welt ist, kann man nicht sagen, ob das Spiel auf dem hart umkämpften Markt für Online Rollenspiele mit anderen Titeln mithalten kann. Auch SEGA war auf der GC vertreten und stellte unter anderem Virtua Fighter 5 vor, was sich in die Riege der Prügelspiele einreihen wird.
Eine andere Attraktion aus Halle 4 zum Schluss. Activision hatte eine gewaltige Bühne aufgebaut, auf der sie in regelmäßigen Abständen Guitar Heroes III vorführten. Rund um diese Bühne konnte man das Spiel ebenfalls anspielen. Wenn man nicht Gitarre spielen kann und Luftgitarre zu langweilig wird, ist dieses Spiel definitiv etwas für Freunde des Rock, auch wenn man dafür leider eine Konsole braucht.
Danach ging es in Halle 5, in der es wie jedes Jahr den GC Family Bereich gab, der sich hauptsächlich um Spiele, die Lerninhalte vermitteln, dreht. Aber auch andere Organisationen waren auf die GC gekommen, um Werbung zu machen. So war hier neben Brockhaus Duden der Cornelsen Verlag vertreten, aber auch die Arbeitsagentur Leipzig, sowie die Stadt Leipzig und die Universität der Stadt waren auf der GC vertreten. Mit Tivola hatte sich eine Spiele-Schmiede eingefunden, die schon Spiele basierend auf Büchern/Hörbüchern wie TKKG oder den drei ??? entwickelt hatte. Auch dieses Jahr war mindestens ein Spiel aus dieser Serie im Gepäck zu finden.
Wenn man die Halle 5 verlässt, kann man sich über den Außenbereich, der in diesem Jahr neu dazu gekommen ist, zur Halle 3 begeben. Dieses neue Areal wartete gleich mit einer Besonderheit auf, die von Microsoft kam.

Für alle, die sehnsüchtig auf Halo 3 warten, ist dieses Riesenrad die Erfüllung...
Ebenfalls im Aussenbereich angesiedelt war eine große Bühne für Rockband, ein Spiel das wie eine Fusion aus Guitar Heroes und Singstar auf Steroiden anmutet. Man stellt mit Freunden eine Band zusammen, bestehend aus Drummer(-in), Gitarrist(-in), sowie Gesangswunder und dann dürfen alle von einem Bildschirm ihre Parts ablesen. Da es eine sorgfältige Koordination benötigt, um als Band zu funktionieren, dürften vor allem Auftritte über Internet, wenn man seine Bandmitglieder nicht sieht, äußerst spannend werden.
Wenn man den Außenbereich hinter sich gelassen hatte, kam man schlussendlich in Halle 3, wo einige der Spiele zu finden waren, auf die wir uns am meisten gefreut hatten. Zu Anfang konnte man feststellen, dass der wohl größte Konzern für Videospiele vertreten war, den es zur Zeit gibt. Electronic Arts hatte extra für die Games Convention einen Stand aufgebaut, der von Electronic Arts als EA Dome bezeichnet wurde.

Der EA Dome in seiner ganzen Pracht...
Hier konnte man nicht nur die alljährlich erscheinenden EA Sports Titel anspielen, von denen sich bei so gut wie keinem etwas im Vergleich zum Vorjahr geändert hatte, sondern EA hatte auch für alle Spieler ab 18 ein paar besondere Spiele dabei. Einer der wohl am meisten angespielten Titel der diesjährigen GC war Hellgate London und der inoffizielle Nachfolger von Diablo 2 konnte auf ganzer Linie überzeugen. Auch ein gutes Spiel, aber eher etwas für Freunde des gepflegten Ballerns war Team Fortress 2, dessen comichafte Grafik wahrscheinlich die Gewalt im Spiel abmildern soll.
Am Stand von Ubisoft konnte man neben Rayman Raving Rabbits 2 auch den inzwischen sechsten Teil der Siedler Reihe, sowie den Abschluss des Runden-Strategie-Klassikers Heroes of Might and Magic 5 anspielen. Mit Blazing Angels 2 stand ein weiteres Spiel aus dem Sortiment der Weltkriegs-Actiontitel Gewehr bei Fuß, wobei es langsam doch ein wenig öde wird, wenn man immer wieder das Thema 2. Weltkrieg auslutscht.
Dann war auch noch Deep Silver anwesend, die unter anderem das Addon zu Warhammer: Mark of Chaos (Warhammer: Battle March) und Sacred 2 im Gepäck hatten. Hier konnte man allerdings keine Spiele anspielen. Stattdessen hatte man eine große Leinwand aufgestellt, wo im Stundentakt neue Spiele präsentiert wurden.
Ein weiterer Kracher der GC (nicht nur im Hinblick auf das Spiel, sondern auch wegen der Präsentation) war der Stand von GOA, die unter anderem ein weiteres Addon für Dark Age of Camelot präsentierten. Auch andere Spiele waren anzuspielen, wie zum Beispiel ein Golf-Spiel im Manga-Stil, was einigen Spaß macht (vor allem wenn man es zusammen mit anderen Online spielt). Der deutlich bestimmendste Aspekt war jedoch die Präsentation des nächsten Konkurrenten für World of Warcraft. Mit Warhammer Online steht ein Spiel in den Startlöchern, das wahrscheinlich das Genre nicht neu erfinden wird, dafür aber mit einer ausgefeilten Spielwelt trumpfen kann.

Der Stand von GOA war immer voll...
Allein für die Präsentation der zwei neuen Völker Hoch- und Dunkelelfen hatte man aus den USA zwei der leitenden Köpfe hinter der Spielentwicklung zur GC geholt. Neben einer Verlosung für Beta-Keys lieferten sie immer eine großartige Show ab. Auch am Zuspruch merkte man, dass dieses Spiel eines der am heißesten erwarteten Titel ist. Die Schlangen am betreffenden Eingang zum Stand war immer so lang, dass man mit einer Wartezeit von weniger als anderthalb bis zwei Stunden nicht auskam.

Manch einer könnte hierbei Paranoia entwickeln...
Soweit der kleine Rundgang über die Games Convention. Auch wenn man nicht von allen Neuerscheinungen profitiert (zum Beispiel, wenn man keine Konsole besitzt) ist die GC immer ein Ereignis. Aber hier möchten wir noch einmal zeigen, was man auf der GC alles erleben kann...

Sogar der Hexenkönig gab sich die Ehre (armer Mensch... In den Hallen war es immer heiß...)
Abschließend bleibt über die Games Convention zu vermelden, dass sie wie im letzten Jahr ein großer Erfolg war. Mehr Entwickler, mehr interessierte Spieler und nicht zuletzt eine grandiose Stimmung sorgten für entspannte vier Tage, in denen man sich nicht einmal um die Blasen kümmerte, die man sich im Schweiße seines Angesichts erlaufen hat. Selbst die Tatsache, dass man am Samstag eigentlich nur kriechend vom Fleck kam, konnte uns nicht um die gute Laune bringen und die vielen giveaways und Demos, die man einheimsen konnte, versüsste uns das Ende dieses Events...

Noch einmal eines meiner Lieblingsbilder... Wer so viel spielt, muss echt zum Arzt...
Zuletzt möchten wir hier noch eine Empfehlung aussprechen, sich die Games Convention einmal selbst anzusehen, sofern man noch nicht in Leipzig war. Wer schon da war, sollte es wiederholen, denn jedes Jahr gibt es zwangsläufig etwas neues zu entdecken. Wenn man sich auch nur auf ein Spiel freut, das voraussichtlich auf der Messe anzuspielen sein wird, kann guten Gewissens dorthin fahren...