DAS LANDSKNECHTSGELAGE: Nach Andernacht und Andertours folgte nun ANDERGRÖL. Nachdem Gabi eine Gaststätte ausfindig gemacht hatte, die Essen + Unterhaltung in mittelalterlichem Ambiente bot, entschlossen wir uns also, es einmal damit zu versuchen.
Der Herold von ANDERWELT berichtet aus dem prallen Leben:
Mit dem Glockenschlag 6 zur Nachmittagsstunde versammelte sich ein Häufchen
ANDERWELTLER und Freunde in Ostheim vor der Gaststätte. Interessante Gestalten
waren da zusehen: Vorneweg ein angejahrter Ritter, der seine Kettenrüstung
wohl versoffen hatte und nun mit einem Imitat vorliebnehmen mußte. Ein
wahrhaftig gutgenährter Herold, gleich drei schmucke Burgfrauen, die ebenfalls
gut im Futter standen, und darüber hinaus noch mit frohem Farbenspiel den
Frühling einläuten wollten. Verschiedene Menschen aus dem Volke mit
unbekannter Profession mischten sich unter die Edelleute, für den heutigen
Tag ausnahmsweise geduldet. Zu guter Letzt war da noch ein Bürgerlicher,
der auf dem Weg zum Festmahl vermutlich durch eine Müllerei gelaufen war,
so daß seine Schuhe sich in leuchtendem Weiß von seinem schwarzen
Gewand abhoben.
Kaum in der Gaststube eingetroffen, machten es sich die Edelleute bequem, neugierig
beäugt von anderen Gästen. Die Feier konnte beginnen. Zum besseren
Gelingen derselben wurde, noch bevor ein einiges Getränk aufgetragen wurde,
jeder der Geladenen beim Namen aufgerufen und auf die rechten Etikette eingeschworen,
wobei die anderen höflich applaudierten.
Der Bürgerliche, der allen als Ümit der Gefräßige vorgestellt
wurde, erzeugte dabei eine große Begeisterung. So so, da war also der
Bürgerliche mit den mehlfarbenen Schuhen der Herr Ritter inkognito.
Zu einer der Gepflogenheiten des Lokals gehörte auch die rechte Erwiderung
auf des Wirtes Ruf, an die sich alle nur zögerlich gewöhnten. "Zur
Gesundheit, Ihr Edelleut" "Ach Du liebe Zeit!" war doch nicht
so einfach zu machen. Die Antwort kam doch etwas verzögert und nicht so
herzhaft aus den Kehlen, wie bei den kräftigen Herren zu vermuten gewesen
wäre. Oder sollte es daran liegen, daß die Versammelten nur ungern
etwas zur gleichen Zeit tun wollten?
Dafür gab es immer einen Nachschlag aus der Ecke des Knappen, der diesen
Spruch in sein Herz schloß und ihn mehrfach zum Besten gab.
Unser Hüter des Schatzes, ein stattlicher Junker, wurde auserkoren, bei
jedem Gang (es waren deren sieben) die Speisen vorzukosten, damit nicht etwa
die Gesellschaft einem Giftanschlag zum Opfer fallen könnte. Zur Sicherheit
wurde ihm dann noch ein Gegengift kredenzt.
Zwecks Unterhaltung der Gäste bot zwischenzeitlich auch ein Gaukler seine
bescheidenen Künste dar. Wie er wohl anmerkte, war die Schwerkraft (was
auch immer das war) hier in Ostheim besonders hoch, so geschah es hin und wieder,
daß die geworfenen Gegenstände ihren Weg auf den Boden fanden statt
in die Hand des Artisten. Wie empfohlen, quittierten die Edelleute Fehlschläge
dies dann mit einem "Mitleidshändegeklapper". Der wirklich heiße
Teil seiner Darbietung (es hatte etwas mit brennenden Stöcken zu tun) ging
glücklicherweise ohne Fehlschläge vonstatten.
Je später der Abend, desto lauter die Gäste, jedoch nicht schneller in ihren Antworten "Zur Gesundheit, Ihr Edelleut" sprach der Wirt. Und die Gäste..äh.. ach ja: "Ach Du liebe Zeit!" Herr Herold, Ihr geruht zu schlafen, sonst würde Eure Stimme lauter erschallen. Und das fröhliche Entweichen der Luft will heute auch nicht so voll aus Eurer Kehle erschallen! Des Herolds Leid, des Knappen Freud', denn dieser war kaum zu bremsen.
Die Wartezeit zwischen den Gängen verkürzte auch einer der Wirtsleute
mit Gesang und Spiel, welches sogar unserm anwesenden Bardenschüler Gerdi
der schreckliche Fußtechnische alias Combat Schwafel Anerkennung entlockte.
"Ich bin ein Musikant.." intonierte der Wirtsbursche und blinzelte
den Maiden verstohlen zu. "Ich kann gut spielen.. Auf meiner Flöte.."
Was war das für ein Kommentar aus den hinteren Reihen ??
Daneben kann aber auch über die kredenzten Speisen nur gutes berichtet
werden. Fleischverächter mögen dies anders sehen, auch Asketen hätte
sich mit Grauen abgewandt, gleichviel: Selten ward eine Schweinshaxe mit so
gut gewürzter und knuspriger Kruste serviert. Am Ende rief nicht nur diese,
sondern auch die Kräuterbutter und die sämige Suppe nach einem Gegengift.
Sogar Ritter Ümit der Gefräßige stand gesättigt vom Tisch
auf. Mit nettem Plausch und lockeren Scherzen löste sich die Versammlung
allmählich auf.
Fazit: Wohlbesorgt ist dieses nun - so laßt uns noch was andres tun !
P.S. Wer dem Herold nicht glaubt, der versuche es selbst. Ein Wegweiser findet der geneigte Besucher unter www.alt-ostheim.de.
von Evil Ylva