von Evil Ylva

...und
so geschah, es, daß etliche Anderweltler im bitterkalten Februar des Jahres
2003 gen Hafen zogen, um auf der metaL ART CONVENTION erstens Metal zu hören
und zweitens das Vorhandensein von ANDERWELT in die Fangemeinde hinauszuposaunen.
Die Örtlichkeit war nicht schwer zu finden, doch hatten wir gleich nach
der Ankunft eine unheimliche Begegnung mit einem Angehörigen des AUDION-Teams,
der seine gesamten Charisma-Punkte wohl beim letzten "Mister Wichtig Contest"
aufgebraucht hatte. Besagter Zeitgenosse wies uns doch sehr deutlich darauf
hin, wo wir parken könnten und wo nicht. Auch ein Hinweis darauf, daß
wir Anderweltler seien und es sich bei uns ergo um Supporter handele, bewirkte
keine Änderung seines Verhaltens. Seine Lordschaft ließ uns dann
wenigstens noch ausladen, so daß wir unsere Gewandungen erst drinnen anlegen
mußten, sonst hätte die Kälte wohl einige Opfer gefordert.
Was solls, wir gelangten an den Stand und warfen uns in Schale, um uns in den Räumen des AUDION zu tummeln. Die Räumlichkeiten waren gar nicht so übel: Es gab eine große zentrale Theke, eine ausreichend geräumige Bühne und vor wie neben der Bühne reichlich Platz für alle, die da waren. Was nicht heißen soll, daß gähnende Leere geherrscht hätte. Gerammelt voll war's zwar nicht, aber nicht schlecht für den Anfang - immer noch besser als das dank perfekter Organisation so wunderbar mißlungene Benefiz-Con.
Leider trübte das erste Glas Weizenbier die Freude, denn die Einschenktechnik
des Personals ließ viel Raum für Verbesserungen. "Ich hätte
gern ein Weizen mit viel Hefe!" "Öh, ja in der Flasche ist doch Hefe drin?"
"Genau das ist es ja - die Hefe gehört nämlich ins Glas!"
Zur Einstimmung spielten die Veranstalter erstmal Musik aus der Dose. Da diese
(die Dose) aber im Hause Vinson abgefüllt worden war, kam Langeweile gar
nicht erst auf. Vielleicht hätte der DJ die Kracher bis zum Schluß
aufheben sollen, so mußten einige von uns schon sehr früh einen kleinen
Moshpit zu den Klängen von "Rage against the machine" aufmachen.
Den Vampiren wars egal, sie streiften durchs Gelände und sammelten sich
dann schließlich im hinteren Teil des Saales, um eine lockere Partie Billard
zu beginnen, bis die Lifemusik begann.
Die erste der drei Bands hatte es als Opener erwartungsgemäß schwer, das Publikum für sich zu gewinnen. Der Sänger gab sich alle Mühe, und die Gruppe hatte auch sichtlich Freude an ihrer Musik. Zum Mithüpfen war es eher nichts, sondern geeignet, sich daheim zurückzulehnen und sich von der leicht melancholischen Stimmung einlullen zu lassen. Etwas mehr Abwechslung bei den Vocals hätte dem Ganzen sicher gutgetan.
Dann kamen RUSHMORE, die vielen von uns schon unter dem Namen MOUNT RUSHMORE
kannten, und sorgten mit ihrem neuen Sänger Gogo für gute Laune. Dafür,
daß Gogo an diesem Abend zum ersten Mal auf der Bühne stand und auch
mit seiner Monitorbox zu kämpfen hatte, konnte er eine brauchbare Leistung
geben. Eine Persönlichkeit mit hohem Knuddelfaktor, aber Kraft in der Stimme.
Aber auch die anderen Bandmitglieder gaben eine gute Schau ab. Die Gitarreros
warfen sich liebevoll die Soli zu, wobei einer der dabei beiden regelmäßig
abhob (gib Gummi, Volker, der Tach ist kuurz), und der Mann hinter der "Schießbude"
trommelte sich Blasen an die Finger.
Eine ganz besonders heiße Nummer war dann der Bassist, der mangels Personal
an diesem Abend aushalf - mit einer Flasche Spiritus und zwei Stöcken spuckte
er Feuer an die Decke (immer schön zwischen den Trägern durch). Ein
Aktivist verteilte derweil Infoblätter über die Band LAKEHURST, um
deren hauptamtlichen Basser es sich handelte. Auf den Tours dieser Band könnten
wir den geschätzten Mann wiedersehen, hieß es. Die Infoblätter
der Band zeigten dann drei mehr oder weniger bekleidete Hintern mit der Aufschrift
"so sexy". Fehlte eigentlich nur noch der Aufdruck "mich kann man mieten"...
Gleich nach diesem Zwischenspiel ging es munter weiter mit RUSHMORE. In den
vorderen Reihen breitete sich langsam Partystimmung aus, auf einmal schoben
sich drei Headbanger nach vorne und ließen ihre Haare kreisen. Am Schluß
der Vorstellung wurde sogar lautstark Zugabe gefordert und auch gegeben.
Das machte Spaß, das Ganze, und Lust auf Bier. Während der DJ wieder
allerliebste Metalklänge ertönen ließ, strömten wir also
erstmal zur Theke, um uns dort zu stärken. Ein wenig laut war's ja doch,
und ein lockeres Gespräch nicht möglich. Auch wurde die Luft von Stunde
zu Stunde schlechter, dank ungezählter Raucher, die bei solchen Veranstaltungen
(wie auch in Gaststätten) anscheinend einen Freibrief haben, die anderen
mit ihren Nervengiften einzunebeln.
Letzteres war den Vampiren wiederum egal, ersteres nicht, denn ihr Spiel wurde
dadurch fast unmöglich. Den meisten schien es aber nichts auszumachen,
und als der Headliner mit dem klangvollen Namen "VIN JASKA" die Bühne betrat,
waren auch hier wieder einige in der vordersten Reihe zu finden.
Allerdings nicht lange. Diese Band schaffte es, binnen weniger Lidschläge
die meisten Zuschauer aus dem vorderen Bereich zu vertreiben. Die Lust auf Bier
versiegte, die Bewegung ebenfalls, eine bleierne Müdigkeit senkte sich
auf die Glieder.
Nichts gegen Cover, und schon gar nichts gegen technische Perfektion, aber muß das Ganze so steril sein? Und muß man wirklich bei der Ansage dutzendweise das Wort "fuck" in den Mund nehmen? Mag sein, daß das in Amerika noch cool ist, aber hier lockte es einfach keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Der ansonsten wirklich gute Sänger schien auch nicht zu bemerken, daß seine Art nicht so richtig ankam. In die gähnende Leere des Zuschauerraums hinein wollte er noch einen Mitsingpart einbringen und wunderte sich, daß niemand mitmachte. Erst gegen Ende taute zumindest die Saitenfraktion der Band etwas auf und begann, auf der Bühne etwas herumzuspringen. Doch zu spät, Ihr rettet den Gig nicht mehr!
Ein einziger unverdrossener Fan hüpfte die ganze Zeit direkt vor der Bühne
herum, schien auf Wolke sieben zu schweben - und wurde prompt von einem Ordner
abgemahnt, als er die Bühne erklomm, um dort weiterzuschweben.
Wofür die Band zwar nichts konnte, aber den Fernsehleuten reichte es dann
wohl - sie packten mitten im Gig ihre Kamera ein und verschwanden.
Und das war dann leider das Ende der guten Stimmung, die Lust auf Bier war gegangen
und die Mehrzahl der Gäste ebenso. Weshalb wir dann schließlich auch
den geordneten Rückzug antraten.
Den Abschluß des Abends bildete dann nochmal ein Gastspiel von "Mister
Wichtig 2002" (der Gewinner dieses Jahres steht noch nicht fest). Einer von
den beiden aufgestellten Bierzelttischen war seiner, und den wollte er wiederhaben,
und zwar genau den, mit grünlackierten Beinen, jawohl! Wenn er eine Möglichkeit
gesehen hätte, diesen Wunsch NOCH unfreundlicher zu äußern,
hätte er sie sicher angewandt.
Nachdem wir diese letzte Schwierigkeit gemeistert hatten, luden wir also unsere
sieben Sachen in die vorhandenen Autos und zogen gen Heimat. Nicht ohne dem
Präsi noch die Gelegenheit zu geben, zwei Spieler auf unsere Treffpunkte
hinzuweisen und ihnen eines unserer wunderschönen Infoblätter in die
Hand zu drücken.
Schaun wir mal, was daraus wird. Für ANDERWELT hate es sich auf jeden Fall gelohnt!