von Ylva

Nach langer Abstinenz gab es tatsächlich wieder so etwas wie ANDERTOURS. Fünf Anderweltler trafen sich Donnerstag Mittag, begrüßten die HUXA, tauschten Nettigkeuten und Wegepläne aus, um dann anschließend guter Dinge Richtung Essen zu fahren.

Wir kamen prima durch, quartieren uns im Nachbardorf in einer Herberge ein und spazierten anschließend erstmal durch das Dorf, auf der Suche nach einem Café oder einer anderen Örtlichkeit, die uns nach der langen Reise irgendwie mit Koffein und ein wenig Kohlehydraten versorgen könnte.
Hier wurden wir brutal mit den lokalen Ladenöffnungszeiten konfrontiert,
denn der lange Marsch durch eine endlos scheinende Straße führte
uns immer wieder vor verschlossene Türen. Im Zentrum des nächsten
Dorfes fanden wir dann Einlaß in einem Café, in dem wir uns niederließen
und gleich mal das Durchschnittsalter der Gäste um zirka 40 Jahre erhöhten.
Abends gings dann in eine gemütliche Gaststätte, die allen ein reichhaltiges
Mahl bot, nach dem wir eigentlich nur noch in die Betten plumpsten.
Aber am nächsten Tag gings dann los- frisch gestärkt vom Frühstück
und ausgeruht düsten wir frühmorgens zum Messegelände, wo uns
nach dem Erwerb der Karten gleich in die bereits gut gefüllte Vorhalle
stürzten. Viele warteten mit Spannung darauf, daß es endlich losging,
und ein Teil der Anderweltler kämpfte sich zu den Glastüren vor, um
möglichst schnell hineinzukommen- "wir müssen uns das neue
Shadowrun-Regelwerk, gleich holen, die Limited Edition". Andere Besucher
hatten wohl zumindest ähnliche Pläne - es waren auffällig viele
dunkel gekleidete, junge Menschen im Pulk, wie auch solche, die einfach sehr
verdächtig nach "Hörer von metallscher Musik" und "Rollenspieler"
aussahen.
Schließlich knickte der Veranstalter kurz vor zehn Uhr ein und öffnete
die Pforten, wohl um angesichts der Menge größere Schäden an
den Glastüren zu verhindern.

Und Abflug! Zusammen mit allen anderen Besuchern strömten wir hinein, und dank der frühen Stunde konnten wir uns dort auch noch gut bewegen, das Shadowrun-Regelwerk wurde ohne nennenswerten Widerstand eingesackt.

Wohlbesorgt
war dieses nun, die Gruppe konnt' was anderes tun.. zum Beispiel, einfach einmal
durch alle Hallen wandeln und die Stände bestaunen. Da gab es jede Menge,
bizarres wie traditionelles, natürlich auch Rollenspielsachen, aber auch
Drachen und bizarre Knobelspiele.
Für ANDERWELT gab es auch Neuigkeiten
zu erwerben, und so besuchten wir umgehend erst mal den "Spielerestposten"-Stand,
an dem wir uns ein neues CARASSONNE zulegten.
Ein paar Stände weiter probierten wir ein neues Brettspiel namens NIAGARA,
das sich schnell als "Spiel zum dritten Bier" herausstellte.
Der Präsi trug sich nichtsdestoweniger in eine Liste ein, um an einem NIAGARA-Turnier
teilzunehmen.
Dann gings weiter durch die Hallen, wobei wir den Kinderspielsektor sehr eilig
und den Rollenspielsektor sehr gemächlich durchquerten. Wie es sich schon
in der Vorhalle angekündigt hatte, war der Rollenspielsektor sehr stark
vertreten, und die Fülle an Material ließ uns die Augen überquellen.
Kaum fanden wir Zeit, alles durchzuwühlen, obwohl wir uns zwischenzeitlich
teilten.

Völlig überraschend-zumindest für mich - war die Tatsache, daß jede Menge LARP-Zubehör angeboten wurde: Gewandungen, Kettenhemden, Lederrüstungen und Latexwaffen, so weit das Auge reichte. Auch echte Waffen wurden angeboten, diese allerdings aus rechtlichen Gründen "nicht schaukampftauglich" (für das Tragen solcher Waffen benötigt mensch inzwischen auch einen Waffenschein). Das Allerschärfste zu dem Thema sahen wir aber an einem anderen Stand: Eine Kettensäge aus Latex! Nur das Ölkännchen fehlte...
Zwischendurch stärkten wir uns mit Kaffee und diversen mitgebrachten Snacks. Vor allem bei der Verpflegung holte uns die rauhe Wirklichkeit aus unserem Schwelgen: Fast zwei Steine für einen kleinen Becher Kaffee und 5 (in Worten: fünf) Teuro für ein kleines belegtes Brötchen. Leute, ihr habt sie nicht alle! War der Kaffee unabdingbar, streikten wir beim Essen und machten uns lieber auf die Suche nach dem Stand von CHAOSIUM- in seiner Eigenschaft als der Herauseber von STURMBRINGER für den Präsi wie für die Schriftführung begehrt. Doch trotz mehr oder weniger hilfreicher Angaben des Helfers am Infostand (der dann auch einfach in den Katalog schaute) liefen wir uns die Füße platt, ohne auch nur eine Spur davon zu finden.
Enttäuscht und doch etwas müde traten wir den Rückzug an. Eigentlich
stand noch das NIAGARA-Turnier für den Präsi an, aber nach lauten
Klagen über Schmerzen wurde deutlich, daß die Gruppe keine Lust mehr
hatte, und er wurde überstimmt.
Die Heimreise war nicht ganz so angenehm wie die Rückreise, weil
wir in den Feierabendverkehr gerieten, sehr zum Mißfallen des Fahrers.
Als wir uns daraus endlich herausgekämpft hatten, konnte der Präsident
der "Gesellschaft für binäres Fahren" endlich mal zeigen,
was aus der HUXA so alles herauszuholen war, wenn man wollte, und wir machten
jede Menge Boden gut. Früher als gedacht trudelten wir wieder in Hanau
ein und beschlossen den Abend mit einem leckeren Mahl in der "Brasserie".
Es war eine gelungene Fahrt, leider zu kurz, wie ich meine, das nächste
Mal werden wir zwei Tage bleiben.
Aber trotzdem- wer nicht mitkonnte oder wollte, hat etwas verpaßt!