Von Martin Ruth
Er floh. Er floh vor ihnen, weil er wußte das sie ihn überrennen würden. Sie waren zu viele, sie waren zu nah. So rannte er von ihnen davon. Erbarmungslos verfolgten sie ihn, Er konnte sich nicht abwenden und schießen, er mußte weiter laufen. Als sie noch weit weg waren, hatte er sie übersehen, hatte andere Ziele beschossen, Jetzt bezahlte er dafür. Doch immerhin konnten sie nicht seine Kameraden angreifen, er lenkte sie ab. Sie hatten keine Schußwaffen, so konnte die Jagd ewig weiter gehen, wenn sie nicht aufholten oder wenn, aber nein das würde nicht geschehen. Trotzdem sie holten auf, sie wollen Rache, sie wollen seinen Tod. Wenn er sie heran ließe, würden sie ihn überrollen, wenn er sich umdrehte und schoß würden zu viele von ihnen überleben. Nun, immerhin hatte er zuvor in den feindlichen Reihen gewütet, hatte Schuß um Schuß plaziert, hatte mit jedem Treffer Dutzende getötet. Doch nun war er schwach, floh feige und hoffte das einer seiner Kameraden ihn retten könne. Schon ein einziger Schuß konnte seine Rettung sein, doch die Hauptschlacht bannte sie alle und er entfernte sich immer mehr. Er taucht in einen Wald ein. Hier konnten sie ihn nicht sehen, aber sie folgten ihm weiterhin und würden ihn finden. Da, vor sich entdeckt er die Grenze, den Weltenrand die Kannte der Erdenscheibe. So, es ist aus. Doch kurz entschlossen rennt er an ihr entlang nach links, dort ist das Gelände besser und der Kamerad auf dem Hügel könnte ihm vielleicht helfen. Er hat keine Zeit zu verlieren. Während er rennt blickt er in den Abgrund. Das bodenlose Nichts, ob es wohl tief unten noch eine andere Erdenscheibe gibt? In der Ferne glaubt er eine Bewegung zu sehen, als würden riesige Riesen dort um die Welt gehen und sich die Schlacht ansehen. Er hatte einmal von einem Kameraden gehört den ein Windstoß erfaßt und hinunter geschleudert hatte. Der Kamerad hatte später berichtet, das er endlos gefallen sei, dann hatte ihn etwas Großes erfaßt und ebenso schnell wieder dort abgesetzt, wo er vorher gestanden hatte. Ob es wohl andere Erden mit Leben gab, vielleicht sogar friedlich Welten ohne Kriege? Doch er hatte keine Zeit über den Sinn des Lebens nachzudenken, er mußte weiter, sie holten wieder auf, er rennt an einem langen Gebüsch vorbei, der über den Erdrand hängt. Der Kamerad auf dem fernen Hügel dreht sich in seine Richtung und legt den Raketenwerfer an, er hatte es geschafft, endlich war er gerettet. Die Verfolger haben ihre Augen auch auf den Hügel gerichtet und schreien wütend auf, noch einmal werden sie schneller. Die Rakete löst sich und fliegt näher. Aber was ist das, sie weicht vom Kurs ab und fliegt auf ihn zu. Er versucht noch auszuweichen, kann es mit Entsetzen nicht fassen. Doch zu spät.
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Später, viel später. Er denkt wieder über den Weltenrand nach, erinnert sich an alte Schlachten, an Heldentaten zum Beispiel wie damals... und er verzeiht dem Kameraden. Ein schlechter Schütze, aber ein guter Kamerad, schließlich hatte er es immerhin versucht und sicher hat sein nächster Schuß auch die Verfolger getötet. Er freut sich schon auf die nächste Schlacht und kuschelt sich in den Schaumstoff, bevor er wieder seine starre Haltung animmt. Er genießt den Frieden und die Dunkelheit in der Box und das Geflüster der anderen Zinnfiguren.