von Gerhard
Amyitis ist ca. 800 Jahre vor Christus in Babylon angesiedelt. Der große König Nebukadnezar will für seine Frau Amyitis eine große Gartenanlage errichten lassen - die hängenden Gärten! Die Aufgabe der Spieler ist es nun, diese Gartenanlage zu bauen, dazu ist vor allem Ressourcenmanagement gefragt.
Das Spiel besteht aus einem großen und einem kleinen Spielbrett. Auf dem großen Spielbrett entsteht
nach und nach auf einem sechzehn Quadrate großen Bereich die Gartenanlage, und zwar durch das Entfernen
von zu Beginn dort platzierten Kärtchen. In drei Tempelanlagen können Opfer für die Götter erbracht
werden, ein Feld dient zur Anzeige, ob ein Spieler gepaßt hat. Dazu wird das Brett von einer Zählleiste
umgeben.
Das kleine Brett stellt verschiedene Orte in Babylon dar. Natürlich müssen die exotischen Pflanzen, die
für die Gartenanlage benötigt werden, erst auf den Märkten ferner Städte eingetauscht werden. In
anderen Städten lassen sich bessere Karawanenführer oder Verwalter des eigenen Einkommens anwerben. Ein
weiteres Spielelement sind die Gewerbekarten. Die Spieler brauchen die Mitarbeit von verschiedenen
Berufsständen, um ihre Aufgabe erfüllen zu können. So muß ein Bauer rekrutiert werden, um Nutzpflanzen
anzubauen oder Salz zu gewinnen, denn diese Rohstoffe müssen auf den Märkten Babylons mit exotischen
Pflanzen getauscht werden. Ohne einen Architekten lassen sich die für die Bewässerung notwendigen
Kanäle nicht anlegen und Priester sind notwendig, um die Gunst der Götter zu erlangen. Ohne Händler
bekommt man keine für die Bewegung der Karawane notwendigen Kamele.
Das Spiel verläuft in Runden, die erst enden, wenn der letzte Spieler gepaßt hat. Zu Beginn jeder Runde
werden nach Anzahl der Spieler die Gewerbekarten zufällig in Dreiergruppen ausgelegt. Jedes mal wenn
ein Spieler zum Zug kommt, kann er zwischen drei Möglichkeiten wählen.
So kann er eine der Gewerbekarten rekrutieren und somit etwa Nutzpflanzen anbauen oder im Tempel
opfern. Stattdessen kann er sich auch entscheiden, die Karawane weiter zu bewegen, um etwa Pflanzen
einzutauschen oder einen besseren Karawanenführer anzuwerben.
Die letzte Möglichkeit ist das Passen. Hat ein Spieler gepaßt, so erhält er jedes mal anstelle seines
Spielzugs eine Geldeinheit (ein "Talent") wenn er an die Reihe käme, solange bis der letzte Spieler
gepaßt hat. Im Anschluß an jede Runde wird eine Prozession zu Ehren der Götter durchgeführt, wobei die
treuesten Anhänger belohnt werden.
Das Spiel ist zu Ende, wenn am Ende einer Runde nur noch vier oder weniger Gartenkärtchen aufzudecken sind. Der Spieler mit den meisten Prestigepunkten gewinnt.
Amyitis ist ein sehr offenes Spiel, die Spieler haben viele Entscheidungen zu treffen. Auch gibt es
nicht DEN einen Weg zum Sieg. Durch die Abhängigkeit der Spielelemente ist Amyitis alles andere als
einfach. So bekommt man etwa nur Geld (Talente), wenn man entweder einen Bankier besitzt oder aber
frühzeitig in einer Runde paßt.
Ohne Geld ist es schwierig Gewerbekarten zu rekrutieren. Ohne Gewerbekarten bekommt man keine
Nutzpflanzen oder Kamele... Allerdings was nutzt das durch frühzeitiges Passen erworbene Geld, wenn man
dadurch keine Aktionen machen kann? Und über Spielelemente wie Gärtner oder eigener Palast haben wir
noch gar nicht nachgedacht.
Die Aufmachung der Spielelemente ist gut, noch besser ist die gut durchdachte und für Ystari-Games
übliche Symbolik auf allen Spielelementen. Die wirklich gute Spielanleitung benötigt man im Regelfall
schon nach einmaligen Spielen nicht mehr. Keine Frage, Amyitis ist kein Spiel für Familien oder
Gelegenheitsspieler, Freunden von Spielen wie Puerto Rico oder Caylus hingegen kann man Amyitis
uneingeschränkt empfehlen.