Die Baumeister von Arkadia


von Waldfee

Für 2 - 4 Spieler ab 10
Autor: Michael Dorn
Spielzeit:45 - 60 Minuten

Einen Baum pflanzen, ein Kind zeugen, ein Haus bauen... Kleinkram, hier wird gleich eine ganze Stadt gebaut! Zwei bis vier Spieler errichten hier als Baumeister im Auftrag wohlhabender Familien Wohnhäuser, Bauernhöfe, Wirtshäuser, Mühlen, Schmieden, Handelskontore sowie Kloster und im Anschluß wird ihr Erfolg daran gemessen, wann sie die als Bezahlung erhaltenen Siegel in Goldmünzen umgetauscht haben. Im Zentrum von Arkadia soll, von den vier Familien der Tuchhändler, Gewürzhändler, Zimmerleute und Silberschmiede beauftragt, ein prächtiges 3-stöckiges Kastell entstehen. Dadurch gewinnen diese Familien in der jungen Stadt viel Ansehen und Einfluss. Die Baumeister ihrerseits gewinnen dadurch höhere Wechselkurse für die Siegel, welche sie bei der Vollendung eines Gebäudes von den Familien erhalten. Und da man Ehre so schlecht bewerten kann, gewinnt natürlich derjenige Baumeister, der geschickt gebaut, seine Arbeiter strategisch gut eingesetzt und dann seine erhaltenen Siegel zum rechten Zeitpunkt in Goldmünzen eingetauscht hat, womit er den größten Goldschatz sein Eigen nennen kann!

Im Spielumpfang enthalten ist ein großes Spielbrett (16x12 Bauplätze) in sanften Farben, das die Ebene für die zu errichtende Stadt Arkadia darstellt, die umsäumt ist von einer noch im Bau befindlichen Stadtmauer. Auf der linken Seite werden die Bausteine für das Kastell für die 1. und 2. Ebene und auf der rechten für die 3. Ebene bereitgestellt. Jeder Spieler erhält ein Baumeisterzelt (als Sichtschirm für seine Siegel, Arbeiter und Goldmünzen), 3 Arbeiter, vier Fahnen und 4 Baukarten mit den Grundrissen der zu errichtenden Gebäude. 4 Baukarten werden neben dem Spielfeld aufgedeckt und die Gebäudeplättchen, Arbeiter, neutrale Arbeiter und Goldmünzen bereitgelegt.

Nun wird in die Mitte des Spielplans die Baufläche des Kastells gesetzt, welches mit jedem fertiggestellten Gebäude um einen Baustein mit der Siegelfarbe einer Familie wächst. Das Kastell gibt so im Laufe des Spiels immer den aktuellen Wert der Siegel kund und zeigt den Fortschrittsgrad des Spiels an.
Um dieses Kastell herum werden nun mit Hilfe der ausgespielten Baukarten die ausgewiesenen Gebäudeplättchen (2 bis 4 Bauplätze) aus dem allgemeinen Vorrat auf dem Spielbrett angelegt. Es muß immer eine Verbindung zu dem Kastell, bereits bestehenden Gebäuden oder einem eingesetzten Arbeiter bestehen. Auf jedes neu errichtete Gebäude wird ein Siegel gelegt, dessen Farbe durch die Baukarte vorgegeben ist. Für jedes auf dem Spielplan aufgedruckte Zeltlager erhält der Spieler beim überbauen einen zusätzlichen neutralen Arbeiter zu seinem Vorrat. Hat ein Baumeister ein Gebäude errichtet, zieht er von den offenen Karten oder vom verdeckten Stapel eine Bausteinkarte nach und ergänzt die ausliegenden Karten wieder auf 4.

Setzt man als Baumeister Arbeiter um ein Gebäude und kann so das Haus komplett umschließen, erhält man das Siegel des Gebäudes und weitere Siegel der gleichen Farbe in Höhe der eingesetzten eigenen Arbeiter. Neutrale Arbeiter helfen hier nur das Gebäude zu umbauen, erwirtschaften jedoch selbst keine Siegel. Weiterhin erhält man die Ehre einen beliebigen Siegelstein auf die zu bebauende Ebene des Kastells zu stellen und somit das Privileg eine Siegelfarbe im Wert zu steigern und evtl. eine andere im Wert zu mindern. Achtung, Arbeiter von anderen Baumeistern die am Gebäude angrenzen, erhalten auch ein Siegel, denn auch sie haben am Bau geholfen.

So weit, so simpel. Allerdings kann man als Baumeister immer nur eine dieser Aktionen ausführen, man muß sich also immer reihum entscheiden, ob man ein Haus baut (und vielleicht einem Mitspieler die Möglichkeit gibt dieses abzuschließen) oder Arbeiter einsetzt (und so einem Mitspieler dieses Gebäudesiegel wegschnappt).

Nach einer dieser Aktionen hat man dann noch die Möglichkeit, eine seiner 4 Fahnen einzusetzen, um 2 neue eigene Arbeiter in sein Zelt zu holen und kann nun eine Wertung seiner Siegel durchführen. Hierbei kann man sich entscheiden, ob man einige der eigenen Siegel zum aktuellen Kurs in Gold tauschen möchte, oder ob man noch abwartet und nur neue Arbeiter rekrutiert. Der Kurs läßt sich jederzeit bestimmen, indem man aus der Draufsicht die 10 sichtbaren Siegelfarben des Kastells bestimmt, denn jeder Kastellstein zeigt ein Siegel in den vier Farben der Familien.

Ist das zweite Stockwerk des Kastells vollendet, so hat jeder Spieler nur noch einmal die Möglichkeit, eine Aktion auszuführen. Alle danach nicht eingesetzen Arbeiter und Fähnchen sind wertlos. Als Abschluss werden nochmal zum aktuellen Kurs alle noch nicht verkauften Siegel eingetauscht. Wer nun das meiste Gold besitzt hat das Spiel gewonnen.

Liebevoll illustriert fallen bei diesem Spiel gleich verschiedene Spielelemente wohlwollend ins Auge. Die Gebäudeplättchen, Siegel und die Goldkarten, auch die Zinnen an den Kastellsteinen sind bis ins Detail ausgearbeitet (erinnern allerdings an die von Torres - Spiel des Jahres 2000). Die Teile sind gut spielbar, nur die Fähnchen wären mir in einem stabileren Fotokarton lieber gewesen und die filigranen Arbeiter gehen schnell mal verloren. Die Box hat eine gute Innenaufteilung, so ist alles sortiert untergebracht. Die Anleitung ist leicht verständlich und gut gegliedert, so findet man schnell ins Spiel und mit einer kurzen offenen Runde ist auch Neulingen das Spiel in kurzer Zeit erklärt.

Obwohl auf den ersten Anschein ein einfaches Spiel, entpuppt es sich hier durch Mangel an Arbeitern (bis zu 11 eigene) und das Abwägen, welches Gebäude wer wohin baut, als wahres Strategiewunder. Allerdings ist der Sichtschirm nicht dazu geeignet, die Anzahl der eigenen Arbeiter zu verbergen, denn durch die sichtbaren Fähnchen und die bereits auf dem Spielbrett vorhandenen Arbeiter läßt sich leicht errechnen, wieviele Arbeiter die Gegenspieler zum Einsatz bringen können.
Beim Spiel zu zweit kann man dabei wesentlich taktischer vorgehen als mit mehr Mitspielern, denn man ist öfter am Zug. Aber auch zu viert macht das Spiel noch Freude. Klar, dass jeder Spieler versucht, seine Arbeiter an mehreren Gebäuden gleichzeitig zu positionieren und so mit 1 Arbeiter auch mehrere Siegel zu erhalten. Man versucht neutrale Arbeiter für die Wertung eines Gebäudes zu nutzen, oder ein neues Gebäude so anzubauen, dass ein anderes dadurch abgeschlossen wird und wieder ein Kastellstein verbaut werden kann. Auch ist es sinnvoll, darauf zu achten, welcher Mitspieler von welcher Siegelfarbe noch Siegel hat und man somit den Kurs des Kastells zu zweit in eine Richtung beeinflussen kann. Dann muß man NUR noch den richtigen Zeitpunkt für sein Fähnchen abwarten... man wird aber auch mal nur Arbeiter zu sich holen.

Die Baumeister von Arkadia ist ein kurzweiliges Spiel mit hohem Wiederspielwert und auch für willige Gelegenheitsspieler geeignet. Der Taktikanteil ist für passionierte "Spieler" nicht übermäßig und die Spielzeit von ca. 60 Minuten ist auch für eine Spielrunde zwischendurch gut geeignet. Das Spielmaterial ist aufwendig und somit seinen Preis wert. Gelungen ist hier die Idee, das Thema in einfacher Weise aufs Brett zu bringen und dabei noch ein Zusammenspiel zu ermöglichen, die Spielzeit für diesen Schwierigkeitsgrad erträglich zu halten, selbst Wertungen durchführen zu können und ein ansprechendes Spiel in Farbe und Form zu erschwinglichem Preis zu bekommen. Ich kann es einfach nur empfehlen. Baut Leute, baut!