Carcassonne - Der Turm (Hans im Glück)


von Gerhard

Bei Carcassonne - Der Turm handelt es sich um die mittlerweile vierte große Erweiterung für das 2001 erschienene, erste Spiel aus der Reihe. Zur Erweiterung gehören 18 Kärtchen und 30 Hölzklötzchen - die Turmelemente. Grafisch unterscheiden sich die Kärtchen von den bisherigen nur durch den Grundriß eines Turmes, lediglich eine Karte enthält ein neue Landschaftsvariante.

Die Anwendung der Turmelemente wird als weitere Alternative Beim Ziehen verwendet und funktioniert so: Verzichtet ein Spieler nach dem Anlegen darauf, einen Gefolgsmann zu platzieren, kann er sich dazu entscheiden, auf ein beliebiges, schon ausliegendes Kärtchen mit einem Turmgrundriß ein Turmelement zu legen. Aus dem Gebiet des Turms und den gerade (nicht diagonal) angrenzenden vier Kärtchen kann nun ein gegnerischer Gefolgsmann gefangengenommen werden, d.h. er wird vom Spielfeld genommen und wandert zum Spieler, der den Turm erbaut hat. Mit jedem Element, das der Turm an Höhe gewinnt, wird auch dessen Einflußbereich größer: Mit zwei Elementen deckt er neun, mit drei Elementen dreizehn Felder ab. Der Einfluß kann beliebig groß werden, reicht über Lücken bei den ausliegenden Kärtchen und kann auch über andere Türme hinweggehen.

Gelingt es dem Spieler, dessen Gefolgsmann gefangengenommen wurde, seinerseits einen Gefolgsmann des Gegners gefangenzunehmen, wird sofort ein Gefangenenaustausch vorgenommen. Auch kann zu Beginn des Zuges ein Gefolgsmann zum Preis von drei Feldern auf dem Zählbrett freigekauft werden, die Punkte kommen dem Gegenspieler sofort zu Gute.

Auch gibt es die Möglichkeit, das Wachstum eines Turmes zu begrenzen, indem ein ein Gefolgsmann auf den Turm gestellt wird, anstatt in auf Weg oder Stadt zu setzen oder den Turm weiter auszubauen. Weil diese Figur aber bis zum Ende des Spiels dort verbleibt, lohnt sich dies nur um einen eigenen, strategisch wichtigen Gefolgsmann zu schützen.

Mit der Erweiterung "Der Turm" wird Carcassonne ein weiteres mal taktischer, aber auch ein wenig ernster. Nicht jedem gefällt diese Form von direktem Angriff, aber wie bei den anderen Erweiterungen kann natürlich auch hier von Spiel zu Spiel neu entschieden werden, ob mit dem Spielelement gespielt wird oder nicht. Verzichtet man darauf, gibt es immerhin ein paar Kärtchen mehr Spiel - selbst wenn leider nur eine davon wirklich neu ist. Zusätzlich zu den erwähnten Spielelementen befindet sich in der Schachtel des Spiels ein Kartenspender aus massivem Karton. Dieser schöne, in Form eines Turms gestaltete Spender soll auch die Karten des Basisspiels und allen Erweiterungen aufnehmen können. Ähnlich wie beim "Drachen" scheiden sich bei dieser Erweiterung die Geister. Liebhaber taktischer Elemente werden den Turm begrüßen, Freunde des harmonischen Charakters des Basisspiels eher weniger - es läßt sich also keine klare Empfehlung für oder gegen die Erweiterung geben. Die ausgesprochenen Liebhaber und Sammler haben dagegen keine andere Wahl, als auch diese Erweiterung auf ihren Einkaufszettel zu schreiben.