von Gerhard
"Carcassonne - Die Stadt" ist mittlerweile das vierte eigenständige
Spiel in der Carcassonne-Familie. Vor allem die Aufmachung des Spieles beindruckt. Öffnet man die
hübsche Holzkiste, in der die Spielelemente aufbewahrt werden, endeckt man Holzklötzchen, die neben
den bekannten Karten zum Ausbau der Stadt Verwendung finden. Nach und nach wird die Stadt mit einer
Stadtmauer umgeben und somit das Wachstum jäh begrenzt.
Gespielt wird in drei Spielphasen. Aus den 75 zum Ausbau der Stadt bestimmten Kärtchen werden drei
ungleich hohe Stapel gebildet. Der größte mit 30 Kärtchen ist für die erste Spielphase und der
kleinste mit 20 Kärtchen für die letzte Spielphase bestimmt. Auch ist das Ende des Spiels nicht so
einfach zu ersehen. Als Abbruchbedingung für das Spiel gelten das Aufbrauchen der Spielkärtchen
oder der Bausteine für die Stadtmauer. Verbleiben nur noch fünf oder weniger Anlegemöglichkeiten
für die Stadtmauer, so beendet auch dies das Spiel.
In der ersten Phase gibt es keinen Unterschied zu "Carcassonne" oder "Carcassonne -
Jäger und Sammler". Ein gezogenes Kärtchen wird an schon auf dem Tisch liegende angelegt. Nach
Möglichkeit kann darauf ein Gefolgsmann plaziert werden. Wie schon bei "Carcasonne - Die
Burg" müssen nur Straßen fortgeführt werden, die "Marktflecken" aber nicht. Leider
entstehen dadurch oft optisch harte Abschlüsse von Märkten, was den Kennern der alten
Carcassonne-Versionen mißfällt.
War es in den bisherigen Carcassonne-Versionen möglich, gleichzeitig mit dem Fertigstellen eines
Objektes noch einen Gefolgsmann zu platzieren und somit unmittelbar Punkte zu bekommen, wird dies
nun durch Regeln ausgeschlossen. Diese Einschränkung ist zumindest für mich nicht nachvollziehbar,
in unseren Testrunden haben wir in diesem Punkt nach den alten Regeln gespielt.
Auf den Kärtchen von "Carcassonne - Die Stadt" sind vor allem Häuser abgebildet. Die in
Braun gehaltenen Wohngebiete werden teilweise von Straßen oder Keuzungen durchzogen. Farbige
Flächen in drei verschiedenen Farben kennzeichnen Märkte, wobei jede Farbe für eine andere Warenart
steht.
Der Wert eines Marktes ist abhängig von der Anzahl einbauter Kärtchen und der Anzahl angebotener
Warenarten. Somit erzielt beispielsweise eine "Marktfrau"(!) mit zwei Warenarten und
einer Marktgröße von vier Kärtchen acht Punkte. Markiert ein Spieler eine Straße mit einem
"Bürger", so erhält er nach dem Schließen der Straße mit einer Länge von weniger als vier
verwendeten Kärtchen einen Punkt pro Straßenabschnitt. Längere Straßen werden mit zwei Punkten für
jeden Straßenabschnitt belohnt. "Vögte" werden zur besseren Unterscheidung auf die
Wohngebiete gelegt und verbleiben dort bis zum Spielende, wie im ersten CARCASSONNE die
Bauern.
Der Wert eines Wohngebietes ist abhängig von der Anzahl angrenzender Märkte. Für jeden
angrenzenden Markt erhält der Spieler am Ende Spieles zwei Punkte.
Die oben erwähnten Stadtmauern kommen in der zweiten Phase ins Spiel, also wenn der erste der drei
Stapel aufgebraucht ist. Die Mauer wird durch eine zusätzliche "Mauberbaurunde"
hochgezogen. Die zusätzliche Runde wird nach jeder Wertung durchgeführt, also immer dann, wenn ein
Spieler Punkte erzielt hat.
Zu allererst wird das Stadttor platziert, dann die Mauersteine. Der Spieler, der die Wertung
ausgelöst hat, beginnt und plaziert das Stadttor oder er legt einen Mauerstein links oder rechts an
die schon bestehende Mauer.
Im Anschluß an die Bauphase darf der Spieler, der die Wertung ausgelöst hat, einen Turm an eines
der beiden Mauerenden platzieren. Dafür bekommt er die Anzahl von Mauerstücken bis zum letzten Turm
oder bis zum Stadttor sofort als Punkte gut geschrieben. Bei jedem Setzen eines Mauerstücks darf
der Spieler entscheiden einen "Wächter" auf das soeben gelegte Mauerstück zu
stellen.
Auf einigen Wohngebietskarten sind besondere Gebäude zu sehen. Es handelt sich um öffentliche und
historische Gebäude. Der Besitzer des Wächters bekommt am Ende des Spiels für jedes besondere
Gebäude das sich in der von seinem Wächter bewachten Reihe befindet zwei beziehungsweise drei
Punkte.
In der dritten Phase werden jeweils zwei anstatt einer Mauerbaurunden gespielt, wenn eine Wertung
ausgelöst wurde.
Wie eingangs beschrieben fällt zuerst einmal die hervorragende Ausstattung des Spieles auf. Hübsch
illustrierte, in dezenten Farben gehaltene Kärtchen, sorgfältig bearbeitete Holzklötzchen für
Mauern und Türme eingepackt in eine Holzkiste mit eingebranntem Schriftzug. Aber auch das Spiel in
sich ist stimmig. Zwar ist das Spiel vom Konzept her nur ein weiteres Carcassonne-Spiel, dennoch
wurden alte Spielelemente neu abgestimmt und mit neuen so geschickt bereichert, daß dabei ein
reizvolles Spiel wurde. Obwohl der Preis, bedingt durch die Aufmachung, deutlich über dem der
bisherigen Carcassonneprodukte liegt, ist "Carcassonne - Die Stadt" für den Fan Pflicht.
Durch die relativ kurze Spielzeit wird es aber auch für den Gelegenheitsspieler durchaus
interessant. Ich kann das Spiel daher nur empfehlen.