von Gerhard
Bei Caylus handelt es sich um ein reines Strategiespiel für zwei bis fünf Spieler. Der Hintergrund des Spiels ist zeitlich im dreizehnten Jahrhundert angesiedelt. Der König des französischen Reichs hat entschieden, ein neues Schloß bauen zu lassen. Die Spieler schlüpfen in die Rolle der Baumeister; durch die Mitarbeit am Schloß können Prestige und die Gunst des Königs erlangt werden. Bis dahin ist es jedoch ein steiniger Weg, die sechs Arbeiter der Baumeister wollen geschickt eingesetzt werden, um Geld und Rohstoffe zu verdienen. Stück für Stück entsteht entlang der Straße zur Schloßbaustelle eine Stadt mit Handwerkern und Händlern, während auch der Schloßbau vorangeht. Den Titel königlicher Baumeister erhält, wer am Ende des Spiels die meisten Prestigepunkte gesammelt hat.
Auf dem Spielbrett ist im linken oberen Eck ein Schloß zu sehen, zu dem
sich über das ganze Spielfeld ein Weg schlängelt. In der Nähe
zum Schloß sind fertige Gebäude abgebildet, im weiteren Verlauf der
Straße jedoch nur quadratische Rahmen zur Aufnahme von Händler- und
Handwerkerplättchen. In der oberen rechten Ecke befindet sich eine Tabelle
für die Gunst des Königs. Nach besonderen Leistungen, zum Beispiel
bei einem außerordentlichem Einsatz beim Bau des Schlosses, oder bei der
Errichtung von Prestigegebäuden wie der Biblothek oder der Kathedrale,
erhält der Spieler einen Gefallen im Form von Geld, Prestige, Rohstoffen
oder ermäßigten Baukosten für weitere Gebäude. Markierungsscheiben
in den Farben der Spieler weisen hier darauf hin, welche Art von Gunst in Anspruch
genommen wurde. Im oberen Teil der Straße führt eine Brücke
über einen Fluß, darunter befindliche Zahlenfelder zeigen im Laufe
des Spiels die aktuellen Einsatzkosten für die Arbeiter an. Kleine, in
Blöcken angeordnete Rechtecke unterhalb des Schlosses zeigen dessen Baufortschritt
an.
Rechts neben dem Schloß abgebildete Zahlenfelder dienen zur Festlegung
der Zugreihenfolge. Eine Vielzahl von gut durchdachten Symbolen an verschiedenen
Stellen des Bretts dienen als Spielhilfe. Sie zeigen Baukosten, Strafen und
Belohnungen bei den Bauabschnitten des Schlosses oder Hinweise für die
Schlußwertung des Spiels an; wichtige Details, die man sonst dem Regelwerk
entnehmen müßte. Umrandet wird das Brett mit einer Leiste zum Zählen
der gesammelten Prestigepunkte.
Jeder Spieler erhält zu Beginn sieben Markierungscheiben, zwanzig Häuser und sechs Arbeiter in seiner Farbe. Des weiteren eine von der Zugreihenfolge abhängende Anzahl von Denaren, die Währungsbezeichnung bei Caylus. Zudem erhält er drei Rohstoffklötzchen - ein Holz und zwei Nahrung.
Auf die ersten sechs Felder nach der Brücke werden zufällig neutrale Gebäude plaziert. Neutral deswegen, weil sie keinem Spieler gehören.
Zwei unabhängige Figuren - der Vogt und der Seneschall - werden auf das letzte neutrale Gebäude gestellt Sie übernehmen die Steuerung des Spielflusses. Der Vogt bestimmt, welche Produktivgebäude aktviert werden können, der Seneschall bestimmt, wann die einzelnen Bauabschnitte des Schlosses gewertet werden und damit auch wann das Spiel beendet ist.
Jede Spielrunde gliedert sich in sieben Phasen.
1. Einkommen
Jeder Spieler erhält pauschal zwei Denar von der Bank, der Besitz von Wohngebäuden,
der Bibliothek oder des Hotels erhöhen diesen Betrag.
2. Einsetzen der Arbeiter
Beim Einsetzen werden reihum, gemäß der aktuellen Zugreihenfolge,
Arbeiter auf aufgedruckte oder schon ausliegende Produktivgebäude gestellt
- etwa auf den Kontor, das Wirtshaus, den Schreiner oder den Markt. Jedes der
sich im Spiel befindlichen Gebäude hat eine besondere Funktion, so können
Rohstoffe ge- oder verkauft werden, der Schreiner ermöglicht die Errichtung
von Holzhäusern oder der Alchimist die Herstellung von Gold aus beliebigen
Rohstoffen. Mit Ausnahme der Ställe, dem Wirtshaus und dem Schloß
darf jedes Gebäude nur mit einem einzelnen Arbeiter besetzt werden. Benutzt
ein Spieler ein Gebäude eines anderen Spielers, so erhält dieser sofort
einen Prestigepunkt. Ist es für einen Spieler nicht mehr möglich,
einen weiteren Arbeiter einzusetzen, oder möchte er das nicht, so kann
er passen. Mit jedem Passen eines Mitspielers erhöhen sich die Einsatzkosten
für die Arbeiter, eine Ausnahme stellt hier das Einsetzen auf eigene Gebäude
dar.
3. Aktivierung der Spezialgebäude
Die sechs aufgedruckten Gebäude vor der Brücke werden als Spezialgebäude
bezeichnet. Beginnend mit dem Tor vor dem Schloß werden alle Gebäude
aktiviert, die von einem Arbeiter besetzt sind. Wird zum Beispiel der Kontor
aktivert, erhält der Spieler sofort drei Denar, wird der Turnierplatz aktviert,
erhält der Spieler nach Entrichtung eines Startgelds von einem Denar und
einem Stoff-Rohstoffklötzchen sofort eine Gunst des Königs. Nachdem
das Gebäude aktviert wurde, erhält der Spieler seinen Arbeiter zurück.
4. Versetzen des Vogtes
Zum Preis von einem Denar pro Feld kann jeder Spieler, in Reihenfolge des Passens
beim Einsetzen der Arbeiter, den Vogt um bis zu drei Felder nach vorne oder
hinten bewegen.
5. Aktivierung der Gebäude
Beginnend mit dem ersten Gebäude nach der Brücke werden nun die von
Spielern besetzten Gebäude aktviert.
6. Schlossbau
In der Reihenfolge in der die Arbeiter ins Schloß gesetzt wurden, müssen
die Spieler nun für jedes Schlosselement drei verschiedene Rohstoffe bezahlen,
wobei einer in jedem Fall Nahrung sein muß. Ist es einem Spieler nicht
möglich, den geforderten Betrag zu zahlen, verliert er zwei Prestigepunkte.
Der Spieler, der die meisten Elemente in der Runde gebaut hat, erhält eine
Gunst des Königs. Bei Gleichstand erhält sie der Spieler, der zuerst
gebaut hat.
7. Ende der Spielrunde
Der Seneschall wird ein oder zwei Felder vom Schloß weggezogen, abhängig
davon, ob der Vogt vor oder hinter ihm steht. Betritt oder überquert der
Seneschall dabei eines von drei besonders markierten Feldern, wird eine Wertung
für den entsprechenden Bauabschnitt beim Schloß durchgeführt.
Abhängig von der Anzahl gebauter Elemente bekommen die Spieler ein- oder
mehrfach eine Gunst des Königs. Hat sich ein Spieler nicht am Bau beteiligt,
erhält er eine Strafe in Form von Presigeverlust. Die Wertung des Bauabschitts
erfolgt früher, falls schon in Phase 6 ein Bauabschnitt des Schlosses abgeschlossen
wurde.
Beim Spielende, also nach der Wertung des dritten und letzten Bauabschnitts des Schlosses, werden noch vorhandene Rohstoffe und Geldvorräte nach einem Umtauschschlüssel in Prestigpunkte umgewandelt. Gewinner ist, wer die meisten Prestigepunkte gesammelt hat.
Caylus ist ein reines Strategiespiel, das sich durch seine Komplexität
eher für erfahrenere Spieler eignet. Es verzichtet völlig auf Glückselemente
und lädt zum Erproben unterschiedlicher Strategien ein. Ist es nun besser,
sich mehr beim Ausbau des Schlosses zu beteiligen, oder sind mehr Stadtgebäude
ertragreicher? Baut man Wohnhäuser, um diese dann mit großen Kosten
in Prestigegebäude zu verwandeln, oder häuft man besser einen Goldvorrat
an? Abhängig von der Vorgehensweise der beteiligten Spieler laufen die
Spiele sehr unterschiedlich ab, was eine gute Motivation darstellt, das Spiel
immer wieder zu spielen.
Die Gestaltung des Spielbretts erscheint beim ersten Blick etwas ungewöhnlich,
ist aber durch die damit ins Brett integrierte Zusatzinformation vorbildlich.
Einzig das Regelheft erscheint aufgrund der zahlreichen, detaillierten Regeln
etwas sperrig. Eine bessere Gliederung der Regeln oder die Aufzeichnung von
ein oder zwei Beispielrunden wären beim Einarbeiten mit Sicherheit hilfreich.
Caylus ist für Liebhaber taktischer Spiele ein absolutes Muß.