von Gerhard
Dos Rios ist ein strategisches Spiel bei dem zwei bis vier Spieler versuchen den besten Ernteertrag zu bekommen. Dabei spielen zwei Flüße eine wichtige Rolle, denn nur am Fluß liegende Gebiete bringen Ertrag. Dies hat zur Folge das die Spieler sich wechselseitig von fruchtbarem Grund vertreiben, oder gar den Flußlauf ändern um die eigenen Felder zu bewässern. Gewonnen hat wem es als erstes gelingt vom durch die Ernte verdienten Geld vier oder fünf Gebäude zu errichten.
Das modulare Spielfeld besteht aus einem immer auf die gleiche Art und Weise zusammengesteckten Rahmen und variablen Innenteilen. Die Innenteile bestehen jeweils aus drei zusammenhängenden Hexagonalfeldern, die mit unterschiedlichen Geländeformen bedruckt sind. Neben Hügeln und Wäldern gibt es Anbaugebiete für Weizen, Mais und Tabak. Jedes Geländeteil kann somit in drei verschiedenen Ausrichtungen angelegt werden. Das gesamte Spielfeld weißt von oben nach unten ein gedachtes Gefälle auf. Am höchsten Punkt liegen zwei Bergseen, die gleichzeitig auch der Ursprung der Eingangs erwähnten Flüße sind. Die Geländeteile haben eine unterschiedliche (gedachte) Höhe. Hügel sind höher als Wälder und diese sind höher als die Anbaugebiete. Am niedrigsten liegen zwei Seen und eine Stadt am unteren Rand des Spielfelds.
Ist das Spielfeld erst einmal zusammengebaut, werden - beginnend mit dem Startspieler - die Flüße aus einzelnen Flußabschnitten gebildet. Das Wasser fließt dabei von einem Geländeteil immer zum tiefsten angrenzenden. Keinenfalls kann es zurückfließen, auch wenn ein weiteres, in Richtung oberer Spielfeldrand liegendes Geländeteil die gleiche Höhe besitzt. Schließlich münden die Flüße in einen der Seen oder die Stadt am unteren Spielfeldrand.
Reihum abwechselnd werden nun noch drei der sechs Spielfiguren, die hier Campesinos genannt werden, auf die Geländeteile gestellt. Dabei dürfen auf keinem Feld mehr als zwei Campesinos der gleichen Farbe und auf keinem Spielfiguren unterschiedlicher Farbe zu stehen kommen. Die restlichen Spielfiguren werden in die Stadt gestellt, von wo aus sie im Laufe des Spiels ins Spiel gebracht werden können. Außerdem bekommt jeder Spieler zum Start zwei Baumstämme zur Errichtung von Dämmen und fünf Gebäude, vier kleine Fincas und eine große Hacienda.
Grundsätzlich stehen jedem Spieler in jeder Runde sechs Bewegungspunkte für seine Campesinos zur Verfügung. Diese Punkte können beliebig auf die Spielfiguren verteilt werden, auch kann jederzeit die Bewegung unterbrochen werden um etwa Dämme zu bauen oder die für den Sieg wichtigen Gebäude zu errichten. Zwar ist es nicht möglich ein Feld das von einem Campesino einer fremden Farbe besetzt ist zu durchqueren, jedoch ist es möglich auf einem Feld befindliche fremde Campesinos zu vertreiben. Dazu werden zwei Campesinos benötigt, oder aber nur einer wenn der Angriff von einer höheren Ebene erfolgt. Vertriebene Campesinos finden sich sogleich in der Stadt wieder. Auch ist nicht möglich ein Feld mit einer Hacienda anderer Spieler zu betreten.
Zum Abschluß seines Zuges darf der Spieler sich entscheiden ob er die erste einer Reihe von ausliegenden Ertragskarten benutzen möchte. Diese Ertragskarten zeigen an welche mit Campesinos oder Gebäuden besetzten Geländeteile am Ende dieses Spielzugs einen Ertrag erwirtschaften. So gibt es Karten für einen der beiden Flüße, die verschiedenen Landwirtschaftlichen Produkte und Waldgebiete. Als Ertrag einer Anbaufläche bekommt man Geld, für ein Waldgebiet einen Baumstamm. Zwei der Ertragskarten sind eher als ärgerlich zu bezeichnen. Jeweils eine Karte für die Flüße weißt einen Revolver auf. Sobald diese Karten aufgedeckt werden, machen sich sofort Banditen beginnend vom Quellsee des betroffenen Flußes auf und vertreiben flußabwärts die ersten drei Campesinos. Geschützt ist lediglich eine Spielfigur, wenn sie auf dem gleichen Feld wie die Hacienda steht. Dies zufällige und destruktive Spielelement will so gar nicht so recht zu den restlichen, eher taktischen Elementen passen, zumal es nicht wirklich eine Möglichkeit gibt sich zu verteidigen. Schade.
Gewonnen hat der Spieler dem es gelingt zuerst entweder drei Fincas und seine Hacienda auf bewässerten Geländeteilen errichtet zu haben. Alternativ werden als Siegbedingung alle vier Fincas und die Hacienda benötigt. Kommt es zu einer der beiden Siegbedingungen ist das Spiel sofort beendet.
Dos Rios ist durch und durch taktisches Spiel. Leider gibt es nur wenig Interaktivität zwischen den Spielern, das bedeutet dass - vor allem bei vier Spielern - manchmal recht lange Zeit vergehen kann bis man mal wieder am Zuge ist. Davon und vom Ärgernis mit den Banditen abgesehen, hat Dos Rios durchaus seine Reize. Wem es Spaß macht seine Spielzüge akribisch zu planen und wer nicht unbedingt einen direkten Schlagabtausch mit dem Gegenspieler benötigt, wird seinen Spaß mit diesem Spiel haben.