von Gerhard
Louis XIV ist ein taktisches Spiel, das zur Blütezeit des Sonnenkönigs von Versailles spielt. Durch geschickte Einflußnahme auf Adelige des Hofes und durch Intrigen versuchen die Spieler, sich einen Vorteil beim König zu verschaffen. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Siegpunkte erzielt hat.
Das Spielfeld entsteht durch spiralförmiges Anordnen der zwölf Adeligenkarten.
Neben der Zählnummer des Adeligen ist auf der Karte zu sehen, wie die Gunst
dieses Adeligen zu erreichen ist. Wurde in einer Runde ein Adeliger beeinflußt,
wird für die nächste Runde seine Karte herumgedreht - der Adelige
ist jetzt auf andere Art und Weise beeinflußbar.
In die Zwischenräume zwischen den Adeligen legen die Spieler in Abhängigkeit
der Zugreihenfolge einen allgemeinen Vorrat von Beeinflussungssteinen ihrer
Farbe an. Der erste und zweite Spieler haben mehr Steine in ihrem persönlichen
Vorrat als der dritte und vierte. Dies gibt durchaus Sinn, schließlich
ist es nicht unbedingt von Vorteil, anfangen zu müssen.
Das Spiel verläuft in vier Runden mit je vier Phasen. Die erste Phase ist die "Nachschubphase". Gemäß einer aufgedeckten Karte, der Geldkarte, wird die Figur des Königs auf einer der Adeligenkarten platziert und die Spieler bekommen eine bestimmte Geldmenge. Vom Stapel der Einflußkarten erhält jeder Spieler fünf Karten.
Diese Karten sind von zentraler Bedeutung in der zweiten Phase, der "Einflußphase". Beginnend mit dem Startspieler dieser Runde setzen die Spieler ein bis drei Einflußteine aus ihrem persönlichen Vorrat auf die Adeligenkarten, nachdem sie eine passende Einflußkarte ausgespielt haben. Ausgehend von dieser Stelle können die Einflußsteine zu diagonal angrenzenden Adeligenkarten weitergeschoben werden, jedoch muß immer ein Stein stehen bleiben. Die Einflußkarten können auch genutzt werden, um Einflußsteine aus dem allgemeinen Vorrat "zurückzukaufen". Der Spieler spielt eine Karte aus, versucht jedoch nicht einen Adeligen zu beeinflussen, sondern nimmt stattdessen zwei oder drei Einflußsteine aus dem allgemeinen Vorrat. Das Ausspielen der Einflußkarten geht solange, bis jeder Spieler nur noch eine Karte auf Hand hat.
Die dritte Phase ist die "Auswertungsphase". Beginnend mit dem Adeligen
mit der Zählnummer "1" wird verglichen, welcher Spieler die auf
der Adeligenkarte geforderten Bedingungen erfüllt hat. Grundsätzlich
gibt es folgende Möglichkeiten:
Der Spieler mit den meisten Einflußsteinen bekommt den Vorteil des Adeligen
kostenlos, alle anderen müssen ihn für einen auf der Karte angegebenen
Betrag kaufen.
Oder, nur der Spieler mit den meisten Einflußsteinen bekommt den Vorteil
kostenlos, die anderen gehen leer aus.
Oder, jeder Spieler mit einer bestimmten Anzahl Einflußsteinen bekommt
den Vorteil kostenlos, alle anderen nicht. Immer gilt, bekommt ein Spieler einen
Vorteil kostenlos, werden seine gesetzten Einflußsteinen in den allgemeinen
Vorrat gelegt, alle anderen bekommen ihren Einsatz in ihren persönlichen
Vorrat zurück. Des weiteren, haben zwei oder mehr Spieler gleichzeitig
die größte Anzahl Einflußsteine gesetzt, bekommt keiner den
Vorteil kostenlos.
Eine Sonderbedingung gilt, wenn sich der König auf einer Adeligenkarte
befindet. Der Spieler mit den meisten Einflußsteinen bekommt dann zusätzlich
zum Vorteil des Adeligen ein Missionsplättchen mit einer Krone, dieses
hat im weiteren Spielverlauf die Funktion eines Jokers. Und, der Spieler mit
den zweitmeisten Steinen erhält immer noch den Vorteil kostenlos.
Nun, welcher Art sind die Vorteile? Es gibt, abhängig vom Adeligen, eine
ganze Reihe unterschiedlicher Vorteile. So gibt es häufig Missions-Chips
oder Wappen, öfters mal Steine aus dem allgemeinen in den persönlichen
Vorrat zurück, Steine aus dem allgemeinen Vorrat werden in der nächsten
Spielrunde auf einer Adeligenkarte platziert, ein andermal erhält der Spieler
Intrigenkarten oder Geld.
Hat ein Spieler zu Beginn der "Wertungsphase" eine passende Intrigenkarte
auf der Hand, so kann er unter Umständen die Abrechung bei einer Adeligenkarte
zu seinen Gunsten verändern.
In der letzten Phase, der "Missionsphase", versuchen die Spieler, durch den Einsatz der vorher gesammelten Missions-Chips möglichst viele Missionen zu erfüllen. Missionen gelten als erfüllt, wenn der Spieler die auf der Missionskarte abgebildeten Missionsplättchen abgibt. Der Spieler legt nun die Missionskarte offen vor sich hin und hat ab der nächsten Spielrunde einen regelmäßigen Vorteil. Immer ist dieser Vorteil auf eine der vier Phasen bezogen. Etwa: "Nachschubphase: Du bekommst zwei Louisdor" oder "Einflußphase: Stelle zu Beginn der Phase einen Einflußstein aus dem allgemeinen Vorrat zum König". Besitzt der Spieler am Ende der Phase noch mehr als einen Missions-Chip, so muß er diese gegen eine entsprechende Anzahl von Wappen tauschen.
Ist die vierte Phase der vierten Spielrunde beendet, erfolgt eine Endabrechnung. Wappen, nicht ausgespielte Intrigenkarten, nach der letzten Missionphase auf Adeligenkarten verbliebene Einflußsteine geben jeweils einen, der Spieler mit den meisten Wappen einer Art bekommt dafür einen zusätzlichen Siegpunkt. Außerdem gibt jede erfüllte Mission fünf Siegpunkte.
Louis XIV ist ein sehr tatktisches Spiel, das eher erfahrene Spieler begeistern dürfte. Hervorgehoben werden sollte die Ausgewogenheit des Spieles, etwa dass die als Joker einsetzbaren Missions-Chips mit einer Krone schwerer zu erlangen sind als andere. Auch die Gestaltung der Spielelemente läßt keine Wünsche offen. Einzig die Anleitung machte keine rechte Freude. So muß man oft mehrere Seiten weiterlesen, um den Sinn eines Spielelements zu verstehen, obwohl die benötigte Information durchaus mit einem zusätzlichen Satz an geeigneter Stelle unterzubringen gewesen wäre. Hier wäre oftmals der Vorgriff auf eine später benötigte Information gut für das Verständnis gewesen. Dennoch, hat man das Spiel erst mal verstanden ist es wirklich spannend, der Glücksanteil moderat. Ich kann das Spiel somit empfehlen.