Notre Dame (Alea)


von Gerhard

Bei Notre Dame verkörpern die Spieler einflußreiche Bürger im Paris des vierzehnten Jahrhunderts. Durch Einflußnahme auf Gebäude im eigenen Stadtviertel, aber auch duch Bestechung von wichtigen Personen wird versucht den Ruhm und den Wohlstand zu mehren. Wer aber zu gierig ist, dem kann auch sehr schnell eine Rattenplage einen Strich durch die Rechnung machen...

Zu Beginn wird das variable, von der Anzahl der Spieler abhängige Spielbrett aufgebaut - für jeden Spieler wird um das im Zentrum befindliche Notre Dame ein Stadtteil angelegt. Jedes Viertel besteht aus sieben Einflußbereichen, fünf Märkten und einem Hafen. Als Spielmaterial erhalten die Spieler Einflußsteine, einen Vertrauten, eine Kutsche und vier Botschaftsplättchen. Von den Einflußsteinen wandern die meisten in einen allgemeinen Vorrat, die Kutsche wird auf den zentralen Marktplatz und die Botschaftsplättchen zufällig auf die äußeren Marktplätze platziert. Zusätzlich erhält der Spieler neun Aktionskarten, die er als seinen persönlichen Nachziehstapel vor sich ablegt, etwas Startkapital in Form von Geldmünzen und einen Rattenmarker. Der Rattenmarker wird auf eine kleine, im Hafen befindliche Zählleiste gelegt.

Das Spiel verläuft in drei Phasen mit jeweils drei Runden. Zu Beginn jeder Runde werden Personenkarten ausgelegt. Die Karten stehen für wichtige Personen, die zu einem späteren Zeitpunkt in der Runde bestochen werden können und so dem Spieler unterschiedliche Vorteile zukommen lassen. Die Vorteile können in Geld, Einflußsteinen, Prestigepunkten oder der Reduzierung der Rattenplage bestehen. Folgend zieht jeder Spieler drei seiner Aktionskarten und gibt zwei davon an den linken Nachbarn weiter. Von den beiden die er von seinem rechten Nachbar bekommt gibt er noch eine weiter. Jetzt sollte jeder Spieler wieder drei Aktionskarten auf der Hand haben, jedoch von verschiedenen Spielern. Diese Aktionskarten ermöglichen die Einflußnahme auf einen der Einflußbereiche im eigenen Stadtviertel. Die Einflußnahme erfolgt durch das Ausspielen der entsprechenden Aktionskarte und dem Einsetzen eines Einflußsteins. Durch die Einflußnahme erhält der Spieler entweder Geld, Einflußsteinen, Prestigepunkten oder trägt zur Reduzierung seiner Rattenplage bei. Jeder Spieler hat zweimal pro Runde die Möglichkeit auf diese Weise Einfluß zu nehmen. Eine der Aktionskarten verfällt. Danach besteht die Möglichkeit eine der oben genannten Personen zu bestechen. Schließlich wird der Rattenwert ermittelt, auf den ausgelegten Personenkarten sind Null bis drei Ratten abgebildet. Der Rattenmarker bewegt sich um die Summe an abgebildeten Ratten weiter, Einflußsteine auf dem Hospital reduzieren den Wert entsprechend. Steigt der Rattenmarker auf der Zählleiste über Neun, verliert der Spieler sofort Prestigepunkte und einen Einflußstein aus seinem Viertel.

Nach jeweils drei Runden wird eine Wertung der Einflußsteine in Notre Dame vorgenommen. Eine von der Anzahl an Spielern abhängige Punktezahl wird auf die Anzahl an eingesetzten Einflußsteinen aufgeteilt. Zu Beginn der neuen Phase werden die Aktionskarten wieder sortiert und an die Spieler zurückgegeben.

Notre Dame ist ein strategisches Spiel mit wirtschaftlichen Aspekten, ähnlich etwa wie bei Caylus oder Puerto Rico ist vor allem Ressourcenmangement gefragt. Einzig das Konzept der Weitergabe der Aktionskarten läßt das Spiel etwas zufälliger erscheinen. Oftmals kann eine geplante und vielleicht wichtige Einflußnahme nicht vorgenommen werden weil die dafür notwenige Aktionskarte gerade nicht zur Hand ist. Den theoretischen Vorteil die Mitspieler durch gezieltes Weitergeben oder Vorenthalten von Aktionskarten zu behindern, konnten wir bei unseren Testspielen nicht erkennen. Die umfangreiche Anleitung ist klar und übersichtlich geschrieben. Die Möglichkeiten der Aktionskarten und der Einflußgebiete lassen sich durch eine durchdachte Symbolik gut erkennen, der Griff zur Kartenübersicht ist schon bald nicht mehr notwendig. Weil man sehr abhängig von den Aktionskarten ist die sich gerade auf der Hand befinden, gibt es kaum die Gelegenheit einer durchgehenden Strategie. Vielmehr ist es notwenig die aktuellen Chancen zu sehen und zu nutzen. Leider gibt es neben der Weitergabe der Aktionskarten kaum Interaktion mit den anderen Spielern, was aber den Vorteil hat, dass ein Spiel mit drei Personen kaum anders verläuft als ein Spiel mit fünf. Die Spielzeit ist nach etwas Eingewöhnung für das Spielegenre recht kurz, und gerade weil es im Vergleich zu den Eingangs genannten Spielen weniger stategisch ist, kann es durchaus auch für Familien und Gelegenheitsspieler seinen Reiz haben.