Autor: Dirk Henn
Spieler: 1-6
Dauer: 45 Min
Rating BGG: 6,5/10
Link BGG: Powerline
„Powerline“ ist ein Familienspiel, das beim Queen Games-Verlag erschienen ist.
von Gerhard Vinson
Worum geht's?
Regenerative Energiequellen nutzen, Stromleitungen durchs Land bauen, Städte anschließen. Wow! Absolut zeitgemäßes Thema, also warum nicht dabei sein?
Wie funktioniert es?
Das Spiel besteht im Wesentlichen aus einem zentralen, kleinen Spielbrett und den Spielertableaus. Das zentrale Spielbrett weist eine umlaufende Punkteleiste, eine Rundenanzeige und Felder für die Zwischen- und Endwertungen auf. Die Spielertableaus werden von den zu errichtenden Stromleitungen (Powerlines) durchzogen, jeweils drei bis zwölf Felder lang. An den Enden befinden sich unterschiedliche regenerative Kraftwerke, entlang der Leitungen jeweils eine Stadt. Die Felder der Leitungen zeigen die Augenzahlen von sechsseitigen Würfeln, die Verteilung auf jedem Spielertableau ist immer etwas anders. In jeder der fünfzehn Runden würfelt zu Beginn einer der Spieler sechs unterschiedlich farbige Würfel. Diese werden dann auf dem zentralen Spielbrett auf entsprechend farbige Felder gestellt, die Reihenfolge der Farben ist somit immer gleich vorgegeben. Auf den Spielertableaus befinden sich den Würfeln entsprechend farbige Felder, auf denen je ein farblich passender Mitarbeiter auf seinen Einsatz wartet. Diese Mitarbeiter können nun nach der fest vorgegebenen Farbreihenfolge wahlweise von rechts nach links, oder von links nach rechts auf den offenen Stromleitungen des Spielertableaus nach Augenzahl des Würfels passend eingesetzt werden.
Hierbei gibt es die Möglichkeit angefangene Stromleitungen fortzusetzen oder neue zu beginnen. Jedoch können die Mitarbeiter pro Runde auf nur maximal drei verschiedenen Stromleitungen verteilt werden. Die Stromleitungen werden immer nur in eine Richtung gebaut, der erste eingesetzte Mitarbeiter entscheidet somit über die Baurichtung. Zu jedem Zeitpunkt kann der Spieler das Einsetzen von Mitarbeitern beenden, dazu im Fazit mehr. Auch gibt es die Möglichkeit nicht passende Mitarbeiter (wegen einzuhaltender Reihenfolge und Augenanzahl des Würfels) für diese Runden auf "die Insel", also in den Urlaub zu schicken - was allerdings ab der zweiten Nutzung der Urlaubsinsel jeweils einen Minuspunkt auf der Punkteleiste des zentralen Spielbretts bedeutet. Ebenso kann ein Spieler durch Abgabe zuvor erlangter Joker die Augenzahl je eines Würfels nach Wunsch für seinen Zug anpassen (auch dazu mehr im Fazit).
Am Ende der Runde werden die eingesetzten Mitarbeiter durch Plättchen mit der Draufsicht von Strommasten ersetzt und wieder auf ihre Wartefelder auf dem Spielertableau zurückgestellt. Nach jeweils fünf Runden erfolgt eine Zwischen-, bzw. Endwertung.
Was taugt es?
Fazit Gerhard:
Erfreulich, bei diesem Spiel können ohne eine Erweiterung bis zu sechs Spieler teilnehmen. Auch bemerkenswert: schon im Grundspiel wurden unterschiedlich komplexe Spielmöglichkeiten bedacht, unterschiedliche Seiten der Spielertableaus oder etwa andere Wertungsplättchen für die Zwischen- und Endwertung. Leider ist das Spiel recht solitär, es gibt zum Beispiel keinerlei Möglichkeit, mit dem lieben Mitspieler zu agieren oder ihm das Leben etwas zu erschweren, etwa durch das "Wegschnappen" von Spielelementen. Weil das Spiel relativ parallel verläuft, gibt es erwartungsgemäß praktisch keinerlei Downtimes. Aufgrund der Vorgabe, die Mitarbeiter in einer (immerhin) vom Spieler bestimmten Reihenfolge einzusetzen, ist es zuweilen schon recht schwierig einen sinnvollen, oder auch nur machbaren Platz auf den Stromleitungen des Spielertableaus zu finden. Dazu kommt, im vorherigen Absatz angerissen, ein Kontingent für die Anzahl von Mitarbeitern, die in einer Runde eingesetzt werden dürfen. So dürfen zum Beispiel nur dreimal in einem Spiel vier, oder nur zweimal alle sechs Mitarbeiter eingesetzt werden. Dies ist umso ärgerlicher, wenn nur noch die Möglichkeit besteht, zwei Mitarbeiter einzusetzen, aber alle sechs passen würden. Für mich wirkt das Spiel leider recht wenig planbar und damit unbefriedigend. Tatsächlich will mir für dieses Spiel so gar keine geeignete Spielergruppe einfallen.
Fazit Andrea:
Für den Einsatz von lediglich einem Mitarbeiter erhält der Spieler dafür immerhin Joker, mit denen sich in weiteren Runden die Augenzahl eines Würfels ändern lässt. Auch am Ende bestimmter Wertungen werden Joker an alle Spieler verteilt. Die Wertungen sind in jeder Wartungsphase prinzipiell gleich, geben mit fortschreitendem Spielstand jedoch immer weniger Punkte. So kann es je nach vorliegenden Wertungen taktisch vorteilhafter sein, so früh wie möglich ganz bestimmte Stromleitungen zu errichten – vielleicht sogar unter Opfern. Im Grunde muss der Spieler hier mit dem vorgegebenen Material Muster erkennen und schon etwas puzzeln, um aus verfügbarem Kontingent der Arbeiter, der Würfelaugen in vorgegebener Reihenfolge und den eigenen offenen Strecken mit ebenfalls zu erfüllender Augen-Reihenfolge das Beste herauszuholen. Mit glücklich fallenden Würfeln ist diese Aufgabe dann aber schon deutlich einfacher. Die Spieler spielen hierbei zwar alle gleichzeitig parallel nebeneinander her, jedoch kann die Puzzle-Pause bei dem ein oder anderen schon mal etwas länger ausfallen.
Mir persönlich macht das Spiel tatsächlich erstaunlich viel Spaß, auch wenn ich es anhand des Spielmaterials gar nicht erwartet hätte. Wer Spaß am Puzzeln, Knobeln und Muster-Suche hat, nicht farbenblind ist und den Glücksfaktor der Würfel nicht scheut, sollte ruhig mal eine Partie ausprobieren. Das geht sogar im Solo-Modus ohne Regeländerungen.