von Gerhard
Bei "Thurn und Taxis - Glanz und Gloria" handelt es sich um eine Erweiterung
von "Thurn und Taxis", dem Spiel des Jahres 2006. Bei der Erweiterung geht es
nun darum, auch den Norden des mittelalterlichen Europas mit einem Postnetz zu
versehen.
Zum Umfang der Erweiterung gehören ein Spielplan, vier Kutschkarten, 69
Stadtkarten und natürlich die Bonusplättchen. In der Tat werden aus dem alten
Spiel lediglich die Wechselstuben benötigt! Bis auf wenige änderungen
funktioniert das Spiel nach dem alten Schema. Nach dem Aufnehmen von einer
Stadtkarte auf die Hand, muß eine Stadtkarte aus der Hand eine an eine schon
auf dem Tisch liegende Strecke angebaut werden. Dabei ist zu beachten, daß alle
abgelegten Städte in direkter Verbindung zueinander stehen und daß keine Stadt
doppelt in einer Strecke vorkommnt. In der dritten Phase des Zugs ist es
möglich die Strecke abzuschließen, wenn sie drei oder mehr Städte umfaßt.
Neu ist, daß nun die Stadtkarten zweiseitig verwendet werden. Kleine Hufeisen
auf der "Stadtseite" der Karte informieren darüber, wieviele Pferde sich auf
der Rückseite befinden. Diese Pferde werden als Kutschpferde benötigt. Eine
Strecke muß mindestens soviele Pferde "vorgespannt" bekommen, wie Städte darin
enthalten sind. Die Kutschkarten entsprechen den Gebäuden im Basisspiel, die zu
Beginn ausgehändigt wurden, aber keine Spielerelvanz hatten. Bei "Glanz und
Gloria" befinden sich die ersten beiden Kutschpferde der Strecke auf diesen
Karten und werden somit jeder neuen Strecken sofort "vorgespannt". Mußte hin
und wieder beim Basisspiel eine Strecke verworfen werden, weil in der zweiten
Phase des Zugs keine Stadt regelkonform angelegt werden konnte, kann nun bei
jedem Anlegen entschieden werden, ob eine Karte als Stadtkarte oder als
Kutschpferd verwendet wird.
Nach wie vor gibt es Amtspersonen, deren Hilfe jeweils einmal pro Zug in
Anspruch genommen werden kann. Da jedoch auf das Spielelement "Kutsche"
verzichtet wurde, gibt es nun auch den Wagner nicht mehr. Nett ist die Idee,
neben den Abbildungen der Amtspersonen auf dem Spielbrett ein Gemälde des
Wagners aus dem Basisspiel zu zeigen. Durch den Wegfall der Kutschen gibt es
nur noch eine Mögichkeit, das Spielende einzuläuten: Setzt ein Spieler bei der
Wertung einer Strecke seine letzte Wechselstube ein, ist damit das Spiel am
Ende der Runde beendet.
Auch neu ist ein Bonus für eine acht Städte umfassende Strecke und Freie
Reichsstädte, bei denen dem ersten Spieler ein Siegpunkt winkt.
Alles in allem gute Ideen, um ein gutes Spiel noch besser zu machen. Die
Gestaltung des Spielbretts und der Stadtkarten ist genauso liebevoll gelungen
wie beim Basisspiel, schade nur, daß diesmal keine Informationen über die
gezeichneten historischen Gebäude der Städte beiliegt. Weil für die Pferde
zusätzliche Stadtkarten gezogen werden müssen, dauert das Spiel etwas länger.
Aber zum einen verhindert die Idee mit den Pferden, daß unter Umständen keine
Karte angelegt werden kann und somit die Strecke verworfen werde muß, zum
andern ist es leichter möglich, eine Karte von der Hand zu bekommen, wenn man
es sich kurzfristig anders überlegt hat.
Das einzig ärgerliche ist die Verkaufspolitik des Verlags oder des Autors. So
bezahlt man für die Erweiterung - zumindest solange sie neu ist - mehr als für
das Basisspiel. Sicherlich hätte einfach ein Satz Wechselstuben beigelegt
werden und somit das Spiel als eigenständige Variante zum gleichen Preis
angeboten werden können. Ein Neueinsteiger hätte somit die Wahl gehabt, das
alte ODER das neue Spiel zu kaufen. Leider trübt eine solche Geschäftspolitik
doch den guten Eindruck, den die Erweiterung macht. Man sollte also gut
überlegen, ob einem ein nur geringfügig besseres Spielgefühl soviel Geld wert
ist.