Spiel des Jahres 2000
von Gerhard
Torres ist ein reines Brettspiel mit dem Schwerpunkt Strategie. Auf einer
Grundfläche von 8 x 8 Feldern versuchen die Spieler durch den Ausbau von Burgen und dem Einsatz von
Rittern möglichst viele Punkte zu sammeln. Für den Ausbau der Burgen stehen insgesamt 92 Bausteine
zur Verfügung. Sie stellen symbolisch jeweils ein Stockwerk eines Turmes dar und werden sowohl
nebeneinander als auch als sogenannte Ebenen aufeinander gestellt. Über die Ritter werden
Besitzansprüche auf Burgen geltend gemacht.
Das Spiel erfolgt in Phasen, die jeweils mehrere Runden andaueren, und nach denen jeweils eine
Wertung erfolgt. Für jede der Runden stehen jedem Spieler fünf Aktionspunkte zur Verfügung, die
frei für die möglichen Aktionen verwendet werden können. So kann etwa der für diese Runde zur
Verfügung stehende Vorrat an Bausteinen verbaut oder ein Ritter eingesetzt werden. Ein weiteres
Spielelement sind Aktionskarten. Sie ermöglichen beispielsweise für einen Zug eine normalerweise
nicht erlaubte Bewegung für einen Ritter oder den Einsatz von Bausteinen, die über das
Rundenkontigent hinausgehen. Einige Aktionskarten erhöhen auch die Anzahl der verwendbaren
Aktionspunkte für eine Runde.
Der Wert einer Burg entspricht immer dem Produkt aus der Anzahl der Bausteine, die für die
Grundfläche verwendet wurden, und der Anzahl von Ebenen, auf welcher der jeweilige Ritter steht.
Wobei es unerheblich ist, ob noch ein anderer Spieler auf der gleichen Burg auf einer höheren Stufe
steht, dieser wird lediglich bei der Wertung für diese Burg mehr Punkte bekommen. Eine Strategie
sollte demnach sein, möglichst auf allen Burgen vertreten zu sein.
Eine Besonderheit stellt hierbei die Königsburg da. Eine zusätzliche, neutrale Spielfigur - der
König - wird zu Anfang auf eine der freien Burgen gestellt und macht diese damit zur Königsburg. Um
in den Genuß eines Bonus zu kommen, ist es erforderlich, bei den Wertungen auf der Königsburg
vertreten zu sein. Jedoch muß der Ritter hierfür auf einer der Anzahl von Spielphasen
entsprechenden Ebene stehen. Selbstverständlich bekommt der Spieler auch in diesem Fall die noch
normale Burgwertung. Nach der Wertung der ersten und der zweiten Phase darf der Spieler mit den
dann wenigsten Punkten den König auf eine beliebige andere Burg setzen.
Werden in der einfachen Spielvariante Aktionskarten mittels Aktionspunkten gekauft, so stehen jedem
Spieler beim sogenannten Meisterspiel ein vollständiger Satz der unterschiedlichen Aktionskarten
zur Verfügung. Bis zu zwei dieser Karten können dann innerhalb einer Runde ausgespielt werden.
Zusätzlich ist es möglich, durch die Erfüllung von Aufgaben Punkte zu Erhalten. Ein Aufgabe könnte
zum Beispiel darin bestehen, bei einer Wertung alle Ritter der eigenen Farbe auf einer bestimmten
Ebene stehen zu haben.
Torres ist eines der wenigen reinen Strategiespiele. Vor allem in der Meisterversion spielt das
Glück so gut wie keine Rolle mehr. Sind die Regeln selbst noch unkompliziert, so sind die
Auswirkungen auf den Spielverlauf alles andere als einfach. Der Einsatz von Bausteinen, Rittern und
Aktionskarten will reiflich überlegt sein, damit ist Torres ist eher ein Spiel für Erwachsene. Die
Erklärungen zu den Aktionskarten hätten etwas eindeutiger sein können, hier und da besteht die
Notwendigkeit, präzisere Reglungen zu finden. Torres ist bestimmt kein Spiel für die breite Masse,
um so erstaunlicher, daß es "Spiel des Jahres" werden konnte. Wer Strategiespiele mag und
Torres noch nicht kennt, sollte es sich unbedingt mal ansehen. Vor allem nachdem es jetzt ein wenig
in die Jahre gekommen und damit oft sehr preisgünstig zu haben ist, kann ich den Kauf absolut
empfehlen.