Anderwelt e.V. - Organisation im Verein 

Was muß man tun, um einen Verein zu organisieren? Nun, zunächst braucht man ein paar Leute, die eine gemeinsame Idee, ein Ziel haben und gewillt sind, sich für eine Gemeinschaft einzusetzen. Klingt banal, ist aber die wichtigste Voraussetzung für das Funktionieren eines Vereins. Ohne die aktiven Leute gibt es keine richtige Gemeinschaft. Wenn alle nur konsumieren und sich bedienen lassen wollen, ist der Verein schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Angenommen, es gibt also eine Gruppe von Leuten, die dazu bereit sind. Diese Leute müssen sich in einer GRÜNDUNGSVERSAMMLUNG zusammenfinden, um grundlegende Attribute des neuen Vereins festzulegen. Gleich zu Anfang der Debatte sollte jemand ausgewählt werden, der alles mitschreibt: Wenn das Ganze offiziell werden soll, ist auch ein GRÜNDUNGSPROTOKOLL erforderlich, Außerdem wird noch eine Liste der Teilnehmer benötigt, ebenfalls für das Offizielle. Das Gründungsprotokoll muß folgende Angaben enthalten:

Das Protokoll soll als Verlaufsprotokoll geschrieben werden, d.h. es wird aufgeschrieben, welche Wortbeiträge es mit welchem Inhalt gab. Es genügt nicht, nur die gefaßten Beschlüsse zu notieren. Außerdem muß das Ergebnis einer Abstimmung notiert werden, d.h. es muß beschrieben sein, ob es Gegenstimmen gab oder ob der Beschluß einstimmig gefaßt wurde.
In der Gründungsversammlung also diskutieren die TeilnehmerInnen darüber, welchem Zweck der Verein dienen soll, wie er heißen soll und so weiter. Auf welchen Gebieten wollen wir tätig sein? Wollen wir Gemeinnützigkeit anstreben oder nicht?
Außerdem - und das ist sehr wichtig - muß über die VEREINSDOKUMENTE gesprochen werden. Ein Verein benötigt eine SATZUNG, eine GESCHÄFTSORDNUNG und eine WAHLORDNUNG.
Die SATZUNG muß folgende Punkte enthalten:

Damit es kein Gegrummel auf dem Registergericht gibt, sollte die Satzung außerdem noch weitere Dinge festlegen:

Als Beispiel kannst Du Dir unsere Vereinsdokumente ansehen.

Sobald die TeilnehmerInnen sich alle mehr oder weniger einig sind, wie der neue Verein aussehen soll, können sie sich über die Organisation des VORSTANDs unterhalten.
Ein Verein hat mindestens 3 Vorstandsmitglieder. Drei ÄMTER braucht ein Verein zwingend (das steht so im Gesetz):

Der/die SchatzmeisterIn muß übrigens nicht einmal Mitglied des Vereins sein. Der Verein kann auch einen externen Geschäftsführer bestimmen. Aber das ist wohl nur für größere Vereine interessant.
Der 1. Vorsitzende hat ziemlich weitreichende Befugnisse. Wer dieses Amt hat, kann den Verein nahezu alleine leiten - was aber nicht Sinn der Sache ist. Die TeilnehmerInnen sollten sich also überlegen, wen sie zum Präsidenten küren.
Daneben kann es noch einen 2. Vorsitzenden geben und beliebig viele Beisitzer. Wieviele der Verein braucht, hängt von den Aufgaben ab, die der Verein hat, das heißt von den Arbeiten, die erwartet werden. Aber die GründerInnen sollten sich auch nach der Anzahl der Personen richten, welche für ein Amt zur Verfügung stehen. Warum einen vielköpfigen Vorstand festschreiben, wenn der Verein nur 15 Mitglieder hat und Masseneintritte nicht erwartet werden. Außerdem muß mensch immer bedenken, daß immer nur wenige Vereinsmitglieder überhaupt bereit sind, ein Amt zu übernehmen. Darüber mag man klagen, aber es ist einfach so.

Aufgrund der Aufgabenverteilung bei den Ämtern gibt es natürlich auch bestimmte Anforderungen an die Leute, die sich für ein Amt bewerben. Ein Schatzmeister sollte einfach einen Draht zu Zahlen haben, ein Schriftführer sollte Deutsch flüssig und einigermaßen fehlerfrei schreiben können. Ansonsten werden die anfallenden Arbeiten nur schlecht bewältigt werden können.
Wer sich für ein Vorstandsamt bewirbt, sollte sich außerdem darüber im Klaren sein, daß so ein Amt auch Verantwortung bedeutet und auch Zeit beansprucht. Jeder sollte sich selber kritisch fragen, ob er/sie die nötigen Kenntnisse besitzt und über die nötige Zeit verfügt. Däumchendrehen gilt nicht! Und Ausreden zählen ebenso wenig, weder vor den Mitgliedern noch vor dem Gesetz. Ein Kassenwart kann grobe Schlamperei in seiner Buchführung nicht damit entschuldigen, daß er früher immer schlechte Noten in Mathematik hatte. Er arbeitet sich dann eben in die Materie ein, oder er gibt das Amt lieber an einen anderen ab.

Schauen wir uns nun das Anforderungsprofil für die einzelnen Vorstandsämter mal genauer an.


Als Literatur ist zu empfehlen:
Sauter/Schweyer, "Der eingetragene Verein", Verlag C.H. Beck, ISBN 3 406 380921
Hartmut Fischer und Uli Röhm, "Vereine richtig gründen& erfolgreich führen", WISO Fachbuch+Bedienungsanleitung, 1999