Jumper

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Jumper
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Daten zum Film
Regisseur Doug Liman
Land USA / Kanada
Erscheinungsjahr 2008
Genre Science Fiction / Action
Autor der Rezension Hanns


Einleitung

Was würdest du tun, wenn du die Macht hättest, innerhalb von Sekundenbruchteilen von einem Ort der Welt zum anderen zu reisen? Den Sonnenaufgang auf der Cheops-Pyramide genießen, Mittagessen in Paris und am Nachmittag Wellenreiten an der Pazifikküste? Dazwischen vielleicht ein kleiner Bankraub? Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht jemand versuchen würde, dich umzubringen…

Inhalt

David Rice ist der Prototyp des amerikanischen „Troubled Teenager“ – von der Mutter mit fünf Jahren verlassen, der Vater ein Nichtsnutz, in der Schule ein Außenseiter, auf dem der unvermeidliche Grobian herumhackt. Doch als er auf einem zugefrorenen See einbricht und zu ertrinken droht, findet er sich plötzlich zwischen den Bücherregalen der örtlichen Bibliothek wieder. Verwirrt geht er nach Hause, wo sich der Vorfall wiederholt. David wird klar, dass er mit der Fähigkeit gesegnet ist, seinen Körper zu teleportieren. Er entschließt sich, diese Gabe zu nutzen, um seinem trostlosen Leben zu entfliehen. Er lässt seinen Vater und das Mädchen Millie, in das er verliebt ist, zurück, und geht nach New York, um etwas aus seinem Leben zu machen. Was läge da näher, als seine fantastische Fähigkeit zu benutzen, um in den Tresorraum einer großen Bank zu springen? Innerhalb einer Nacht hat David die dicke Kohle gemacht.

Einige Jahre später führt David (inzwischen erwachsen und gespielt von jedermanns Lieblings-Minimalausdrucksschauspieler Hayden Christensen, bekannt als Anakin Skywalker aus "Star Wars Episode II und III") ein luxuriöses und äußerst angenehmes Leben. Seine geklaute Patte hat ihm ein schickes Penthouseapartment, modische Klamotten und jede Menge Unterhaltungselektronik finanziert. Außerdem hat er seine Fähigkeit inzwischen soweit trainiert, dass er sie ständig in Alltagssituationen einsetzen kann. Warum er bei soviel Bequemlichkeit – z.B. springt er auf dem Sofa dreißig Zentimeter zur Seite, um an seine Fernbedienung zu kommen – noch nicht zu einem fetten Klops geworden ist, ist mir allerdings ein Rätsel. Darüber hinaus hüpft er natürlich fröhlich durch die Weltgeschichte in einer Art Dauerextremurlaub – warum er bei diesem Lebenswandel noch keine Sinnkrise bekommen hat, bleibt ein weiteres Mysterium. Oder auch, warum es niemandem auffällt, wenn er mitten in einem belebten Londoner Pub plötzlich an einer Stelle verschwindet und an einer anderen wieder erscheint. Doch wollen wir uns nicht mit unwichtigen Details langweilen…

Wie man vielleicht schon vermutet hat, ist das alles viel zu schön, um wahr zu sein. Jedenfalls, um dauerhaft so zu bleiben. Eines Abends findet David einen mysteriösen schwarzen Herrn in seinem Apartment vor, der mit seinen weiß gefärbten Haaren ein wenig comichaft wirkt (einfach cooler als wir übrigen Schergen: Samuel L. Jackson). Dieser stellt sich als Roland vor, traktiert David zunächst mit seinem Wissen über Davids Kräfte und vergangene Taten, und schließlich mit einem Elektroschocker. Offenbar hat Roland schon mehrere so genannte „Jumper“ getroffen, und weiß, dass Stromschläge die Ausübung ihrer Fähigkeiten unterbinden. Nach einem ansehnlichen Kampf, in dessen Verlauf sich Roland als skrupellos und professionell entpuppt, gelingt David mit knapper Not die Flucht.

Damit der Film nicht an dieser Stelle endet, indem sich David in einem abgelegenen andalusischen Bergdorf versteckt und nie wieder aufgefunden werden kann, ist dem Drehbuchautor ein gewitzter Dreh eingefallen, der lediglich dem Protagonisten sämtlichen gesunden Menschenverstand abspricht. Im Klartext: Nachdem sein Verfolger nun weiß, wer er ist, und Zugriff auf Davids Wohnung voller Erinnerungsstücke an seine Vergangenheit hat, hat David nichts Eiligeres zu tun, als in seine Heimatstadt zurückzukehren und wieder Kontakt mit seiner Jugendliebe aufzunehmen. Diese ist natürlich inzwischen zu einer Schönheit von modelähnlichen Ausmaßen herangewachsen (süß: Rachel Bilson). Nicht im Mindesten verstimmt darüber, dass David sie damals im Glauben zurückließ, er sei tot, und sich jahrelang nicht mehr bei ihr gemeldet hat, fliegt sie kurzerhand mit ihm nach Rom. Zuvor gelingt es David allerdings noch sicherzustellen, dass ihm sein Verfolger auch tatsächlich auf die Schliche kommt, indem er seinen alten Schulwidersacher nach einer Prügelei in eben dem Banktresor zurücklässt, den er vor Jahren ausgeraubt hat.

In Rom angekommen wird David mit weiteren Schergen konfrontiert, die ihm mit Elektroschockwaffen auf den Leib rücken, sowie mit einem weiteren Jumper. Dieser Jumper, Griffin (Jamie Bell aus "Billy Elliott"), klärt ihn darüber auf, dass es viele Jumper gibt, die allerdings schon seit dem Mittelalter von der mysteriösen Gruppe, zu der Roland gehört, und die sich „Paladine“ nennen, verfolgt und getötet werden. Der Grund dafür bleibt im Dunkeln, bis auf Rolands kryptische Aussage, dass nur Gott persönlich die Macht haben sollte, an allen Orten gleichzeitig zu sein. Trotz einer lautstarken Auseinandersetzung im Kolosseum bleibt Millie ahnungslos, was allerdings eine hervorragende Basis bildet für den gängigen Superheldenkonflikt „ich muss der Frau, die ich liebe, weh tun, indem ich sie belüge, denn ich muss meine Kräfte vor ihr geheim halten (auch wenn ich ihr mehr vertraue als allen anderen Menschen auf der Welt)“!

Also wäre für den Konflikt zwischen Protagonist und „Romantic Interest“ gesorgt. Beide kehren unabhängig voneinander in ihr Heimatkaff zurück, wo sich der böse Roland natürlich alsbald anschickt, die Geliebte des Teleporters als Geisel und Druckmittel zu benutzen. David und Griffin, der bereits viel über die Paladine herausgefunden hat, betreiben noch eine Weile Eiertanz, bis sie sich gegen Roland verbünden. Roland bringt noch schnell Davids Vater um die Ecke, dann kommt es endlich zum furiosen Showdown, der durch spaßige Gimmicks aufgepeppt wird. So haben die Paladine eine Technologie entwickelt, um den Jumpern durch ihre „Jumpscars“ zu folgen, und Griffin beherrscht die Fähigkeit, auch größere, sich bewegende Objekte mit sich zu teleportieren – vom Sportwagen bis zum Doppeldeckerbus!

Es wird niemanden schockieren, wenn ich den Ausgang des Films verrate: Die Bösen werden besiegt (freilich nicht ohne genug Spielraum für einen zweiten Teil zu lassen – geplant für 2011), der Held bekommt das Mädchen, und das Geheimnis seiner Mutter, die ihn als Kind sitzen ließ, wird auf versöhnliche Weise gelüftet. Wenn einem da nicht das Herz aufgeht!

Kritik

Unterm Strich bleibt „Jumper“ reinstes Hollywood-Popcornkino. In schönen Bildern von Regisseur Doug Liman ("Die Bourne Identität", "Mr. & Mrs. Smith") inszeniert, mit tollen Special Effects, cooler Musik und spannenden Action-Szenen unterhält der Film den nicht allzu kritischen Zuschauer hervorragend. Schöne junge Menschen, eine Liebesgeschichte, der Kampf Gut gegen Böse – was will man mehr?

Nun, ein Quäntchen Logik wäre nett gewesen. Vor allem die Handlungen von David Rice entbehren dieser völlig. Die Story strotzt darüber hinaus vor Klischees und Stereotypen. Vielleicht hätte es ja auch geholfen, den einen oder anderen Aspekt etwas mehr zu vertiefen – weder wird erklärt, wie die Fähigkeiten der Jumper funktionieren, noch, woher sie kommen (Mutation?), oder, warum es die Jumper trotz massiver Bedrohung durch die Paladine seit dem Mittelalter (!) nicht geschafft haben, sich zum gegenseitigen Schutz gegen diese zu organisieren. Unbefriedigend bleibt auch die mangelnde Erklärung der Beweggründe der Widersacher – ohne erkennbare Motivation gelingt es eben auch einem ordentlichen Schauspieler wie Samuel L. Jackson nicht, seine Rolle über den Level eines Standard-Bösewichts zu erheben.

Jamie Bell liefert die beste Leistung ab als Griffin, ein junger Mann mit starkem britischem Dialekt. Allerdings krankt auch seine Rolle an Klischees – er ist der typische Einzelgänger und wütende Rebell, dessen beharrliche Weigerung, mit Hayden Christensens Figur zusammenzuarbeiten, allzu sehr nach einem Plot Device riecht, um etwas zusätzliche Dramatik und Konflikt zu erzeugen. Wie bei allen anderen Charakteren ist auch bei seiner Figur keine wirkliche Entwicklung auszumachen – irgendwann lässt er sich eben breitschlagen und gibt nach. Die Chance, dass kaputte Verhältnis zwischen David Rice und seinem Vater zu nutzen, um durch Charakterentwicklung ein paar Pluspunkte zu sammeln, verspielt der Film leider völlig. Und lässt damit auch das Potential eines guten Schauspielers ungenutzt. Wer Michael Rooker, der Davids Vater spielt, in der Titelrolle von „Henry – Portrait Of A Serial Killer“ gesehen hat, wird verstehen, was ich meine.

Fazit

Wer also Lust hat auf den Intellekt schonende Unterhaltung mit guten Schauwerten, möge „Jumper“ ruhig mal antesten. Es muss ja auch nicht IMMER Autorenkino sein. Wer sich allerdings über Anhäufungen von Versatzstücken aus einschlägigen SF-Actionfilmen und Charaktere, die sich mit einer rührenden Naivität immer genau für die dümmste Handlungsweise entscheiden, ärgert, kann seine Nerven getrost schonen und ins nächste Programmkino gehen.


In diesem Sinne,

“I’m only an elected official here. I can’t make decisions by myself.“


Euer Movie-Hanns