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NEWSLETTER - Ausgabe April 2009 (No. 61a)
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INHALT
1. Editorial
2. Termine
3. Geplante Anderwelt-Veranstaltungen
4. Andertours 2009
5. Für Euch besucht... LARP
6. Fressen und Saufen mit dem Fuddelvolker
7. Hanns guckt in die Röhre
8. And the winner is...
9. Knobeln mit Anderwelt
10. Für Euch gespielt
11. Pausenspiele
12. Geburtstage
13. Das Letzte
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1. Editorial
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Hallo Anderweltler, hallo Freunde des Vereins,
Der Newsletter kommt keinen Moment zu spät um nochmals auf unser Spielewochenende hinzuweisen. Ihr wißt schon, die mehr oder weniger regelmäßige stattfindende, mehrtägige Veranstaltung, die immer mehr Freunde findet. Im Moment sind noch ein paar Plätze frei... Und nun viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe unserers Newsletters.
Eure Newsredaktion
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2. Termine
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Regelmäßige Termine:
* Stammtisch im Brückenkopf, Donnerstags ab 18:00 Uhr
* Vorstandssitzung, in der Regel letzter Freitag im Monat ab 19:00 Uhr
Einmalig (wenn auch evtl. jährlich wiederkehrend):
08.05.24 - Anderwelt spielt im IKEA
12.06.24 - Anderwelt spielt im IKEA
07.-09.06.24 Lamboyfest
06.-08.09.24 Hanauer Bürgerfest
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3. Geplante Anderwelt-Veranstaltungen
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03.08.24 - Anderwelt Sommerfest 2024
17. - 21.04.25 - Ostertours 2025 (Spielewochenende...)
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4. Andertours 2009
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Endlich ist es wieder soweit! Über Ostern gibt es wieder mal die Gelegenheit so richtig ausgiebig zu spielen. In diesem Jahr führt uns die Reise wieder nach Bad Kissingen zum Ludwigsturm. Näheres zur Fahrt könnt ihr hier nachlesen
http://www.anderwelt.net/derbote/anderwelt/andertours2009_1.htm
wer sich noch anmelden möchte; es gibt zur Zeit nur noch wenige freie Plätze!
Wir freuen uns auf Euch!
Der Vorstand
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5. Für Euch besucht
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Aufruhr in den Grenzlanden: Castle Falkenstein / Engel-Crossover in Emmerichshofen
Ein LARP-Bericht von EvilYlva
Ein bis dato im LARP unbetretenes Gebiet betritt die Borderline-Orga, dachte ich mir. Aber da man nicht alle Tage persönlich zu einem LARP eingeladen wird, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, das Ganze selbst unter die Lupe zu nehmen. Ich meine, das Setting von Engel gibt schon einiges her, aber der Fundus von der ganzen Castle Falkenstein Welt ist enorm. Und wie bitte, stellt man im LARP einen Engel dar??
Interessant auch die Idee, das Kartensystem aus dem Castle Falkenstein -Tischrollenspiel ins LARP zu übernehmen. Ansonsten sollte nach modifizierten Silbermond-Regeln gespielt werden, die ich leider gar nicht kenne - ich hatte mich schon mit DragonSys schwergetan und wünsche mir langsam einen Konverter.
Was ich spielen wollte, war die nächste Frage, aber ein Engel war ausgeschlossen (ich bin EvilYlva, das geht ja gar nicht..).
Hier ließ die Orga nichts anbrennen, half mir bei der Entscheidung und der anschließenden Punktevergabe; und nach ein paar Mails mit der Charakter-SL und einigen Telefonaten war mein Charakter in trockenen Tüchern: Ein Halbdämon, der von einem Burgherrn großgezogen wurde und sich als Mensch tarnt.
Ich erfuhr noch so einiges über den Hintergrund der Welt, der so nicht in dem Infotext stand, den die Orga an alle verschickt hatte, und mir kamen so viele Ideen, daß mir mein frisch gebauter Charakter ziemlich langweilig vorkam und ich mir am liebsten einen neuen gebaut hätte.
Das nächste mal möchte ich sowas etwas vorher wissen!
Spannend war übrigens auch die Anreise, denn die Borderliner hatten es versäumt, die genaue Lage des Gutshauses, auf dessen Gelände das Ganze spielen sollte, auf der Karte zu verzeichnen. Mein Navi half hier auch nicht weiter, da die Wege um das Haus keine öffentlichen Straßen, sondern bessere Feldwege waren und dementsprechend auch keine Namen hatten. Erst ein Rückruf bei der Orga brachte den entscheidenden Hinweis auf eine Abzweigung, an der ich bestimmt schon ein Dutzend mal vorbeigefahren war.
Liebe Borderliner, hier ein Zettelchen aufzuhängen hätte echt weitergeholfen!
Zu allem Überfluß durfte ich wegen Naturschutzauflagen mit dem Wagen nicht vor den Hof fahren, also mußte ich mit meinem ganzen Gerümpel durch den Wald stapfen.
Beim Betreten der Location konnte die Orga wieder punkten: Ein schmuckes altes Wasserschlösschen inmitten von Bäumen. Das Schloß ist bewohnt und war daher nur zum Teil bespielbar, dafür gehörte die angrenzende Gastwirtschaft während der gesamten Spielzeit ausschließlich uns.
Unsere Unterkünfte stellten die ehemaligen Gesindewohnungen des Schlosses dar, klein und ein wenig an Mönchszellen erinnernd, aber als LARPi im älteren Semester ist man ja schon froh, überhaupt ein Bett zu bekommen. Vor allem weil es überhaupt nicht aufhören wollte zu regnen.
Nach der üblichen Ansprache und den Hinweisen auf Dinge, die man im LARP tun oder besser lassen sollte, gab's den Gong zum Intime. Die Charakter-SL war mir noch schnell beim Aufpeppen meines Outfits behilflich (ich hatte mir zwar Hörnchen von Maskworld geholt, aber keinen Mastix-Kleber dabei), und dann ging's auch schon los- ein Bote kam blutüberströmt in den Hof und verstarb in den Armen des Gutsherrn.
Natürlich gingen wir der Sache nach, wurden aber am Abend von einer Bande Werwölfe gebremst. Als dann auch noch zwei Vampire kamen, wurde es echt heikel. Wir konnten uns nur dadurch retten, indem wir Werwölfe und Vampire gegeneinander ausspielten, und als dann endlich die Engel eintrafen, gab es für sie nur noch wenig zu tun. Entsprechend kühl wurden sie auch empfangen, na ja, zumindest von den anderen. Mir sind jedenfalls erst Mal die Kinnladen runtergefallen, denn die Orga hatte den Darstellern richtig gut gemachte, bewegliche Flügel verpaßt, die von den Engeln mit kleinen LEDs beleuchtet werden konnten. Gegen die Spezial Effekts sahen die Vampire mit ihren glühenden Augen und ihren tatsächlich ausfahrbaren Krallen wie Anfänger aus, und die waren schon nicht schlecht. Die Werwölfe dagegen waren eher peinlich, aber das nur am Rande.
Der sehr ausgefallene, aber immer schlüssige Plot führte uns nach und nach über das ganze Gelände. Auch blieb während des gesamten Spiels für alle unklar, wer SC und wer NSC war. Wie mir später die Charakter-SL sagte, waren auch die NSCs einzeln eingewiesen und wußten daher ebenso wenig, wer zu den SCs gehörte.
Die Menge an Outtime-Blasen belief sich annähernd auf Null, und die Spannung blieb auch während des Abendessens in der Taverne hoch. Es wurden einige Gesandte vermißt und der Fürst des Nachbarschlößchens beschuldigte den Gutsherren, unseren Gastgeber, sie gefangengenommen zu haben.
A propos Abendessen - das war das einzige, was an dem LARP wirklich schlecht war. Die Köche hatten das Gulasch so totgekocht, daß es zäh war wie Schuhleder, die Steaks waren dafür halbroh, und die Kartoffelklöße hatte jemand mit einer undefinierbaren bräunlichen Soße verhunzt - ich hab mag schon keine Klöße ohne Soße, aber die hier waren - Brr!
Froh, daß ich mir einen Proteinriegel mitgenommen hatte, hab ich mich an die Nudeln gehalten, und der selbstgemachte Kräuterwein war dann wieder so wie der Rest der Veranstaltung.
Der Kräuterwein ist auch schuld, daß ich am nächsten Morgen erst sehr spät in den Plot eingestiegen bin, ich habe mir nur berichten lassen, daß es wohl einen spektakulären Kampf zwischen den Soldaten des Gutsherrn und der Inquisition gegeben hatte. Entsprechend war der ganze Innenhof vollgesudelt mit Blut.
Und wieder war das Verschwinden von Leuten aufzuklären, unter anderem machte das Gerücht die Runde, die getöteten Soldaten des vorgenannten Kampfes wanderten nun als Zombies umher.
Wir hatten kaum Zeit, die verantwortliche Hexe aufzuspüren, die sich - sehr effektvoll dargestellt - mit Feuerzaubern und Spinnwebfesseln wehrte, bis wir sie endlich unschädlich machen und der Inquisition übergeben konnten.
Im Zuge dessen flog jedoch meine Tarnung auf (wir erinnern uns - ich war ein Halbdämon), und ich wurde eingekerkert. So bekam ich den zweiten Auftritt der Vampire leider nicht mit, glücklicherweise wurde ich für den Endkampf zwischen den Engeln und den Vampiren befreit und konnte auf der Seite der Engel mitkämpfen.
Die Spielerzahl war auf beiden Seiten aus irgendeinem Grunde ziemlich reduziert (ich habe erst später erfahren, daß einige wohl am frühen Morgen schon wegmußten), aber es kam fast ein Schlachtenconfeeling auf, auch wenn ich die Vampire ein wenig zu stark fand. Seit dem letzten Gwar-Konzert habe ich keine solche Kunstblutfontänen mehr gesehen..
Natürlich haben wir trotzdem gewonnen, ich wurde begnadigt und alles mündete in einem großen Festbankett, während desselben das Spiel munter weiter ging. Eigentlich waren ja noch nicht alle Fragen gelöst..
Ich habe den Outtime-Gong nicht mehr mitbekommen, ich mußte am anderen Morgen früh raus und habe mich daher zeitig verabschiedet (und mich diesmal beinahe verlaufen).
Aber egal was in meiner Abwesenheit noch geplottet wurde, mein Fazit bleibt:
Es war erste Sahne, und ich werde nächstes Jahr wieder dabei sein!
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6. Fressen und Saufen mit dem Fuddelvolker - sorgfältig und gewissenhaft für Euch vorgekostet...
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……Und da bin ich wieder!
Heute: Der Schlagbaum im Wald zwischen Hanau Wolfgang und Emmerichshofen (das Schloss im Alzenauer Wald), oder Deutsch Gut Bürgerlich einmal anders mit ganz speziellem Pepp…
Direkt im Alzenauer Wald gelegen, genau auf der Grenzlinie Hessen/Bayern, Bezirk Unterfranken. Es ist etwa schwierig zu erreichen, am besten fährt man von Wolfgang kommend Richtung Alzenau/Mömbris, dann biegt man kurz hinter Emmerichshofen links in einen Waldweg, der gut ausgebaut wurde, jedoch nicht asphaltiert ist. Nach ca. 500 Metern kommt eine Gabelung, wo man endlich einen Hinweis auf den Schlagbaum findet, ein älteres, leicht verwittertes Holzschild. Euer ergebener Rezensent folgte diesem Weg und wurde nach weiteren 300 Metern für seine Geduld belohnt: Ein altes Wirtshaus mitten im Wald im Biedermeier-Stil, jedoch liebvoll restauriert.
Der Service dort ist zuvorkommend und familiär, was darauf zurückzuführen ist, dass es sich um einen echten Familienbetrieb handelt, wie ich schnell erfuhr. Es gibt dort keinen einzigen Mitarbeiter, der nicht zur Familie gehört. Die Inneneinrichtung wirkt etwas altbacken, stammt aus den 50er Jahren (oder so). Die Musik ist auch etwas ganz besonderes, das hat man lange nicht gehört: Gute deutsche Schlager aus den 50ern, von Peter Alexander, Lou van Burg, Catherina Valente, Peter Kraus, Heintje from Hell (Yeah!), und vielen anderen mehr. Ein Stück heile Welt mitten im Wald, dass es so was noch gibt… Das Bier dort ist selten in unseren Gefilden zu finden: Frankentod, ein Bier von der Mönchshof-Brauerei (glaub ich) in obergäriger Brauart mit einem etwas rötlichen Teint, schmeckt aber ausgezeichnet (insbesondere zum Rinderfilet Rotenburg, aber dazu gleich mehr…)
Das Essen – Deutsch Gut-Bürgerlich mit dem gewissen „Etwas“…
Als ich die Karte vor mir hatte, sprach mich der Wirt auf eine Spezialität des Hauses an: Rinderfilet Rotenburg. Ich dachte erstmal, scheiße, bestimmt sauteuer, irgendwie außerhalb meines Budgets, als der Wirt mir das für sagenhafte 13,90 Euro anbot. Da überkam mich der Pioniergeist und bestellte eine Portion. Als Vorspeise eine gute Metzelsuppe mit viel Blutwurst. Ich sollte das nicht bereuen, ich hatte dann die beste Schlachtsuppe meines Lebens vor mir. Die Farbe war etwas eigenwillig, der erste Löffel kam etwas metallisch, aber dann kam der Pfeffer zur Geltung und das ergab eine wahrhaft geniale Kombination. Nun wartete ich gespannt auf den Hauptgang….. Der sollte dann kommen. Zwei große Stücke Fleisch (insgesamt mindestens 300g, also Hunger mitbringen), die mit ausgezeichneten Bratkartoffeln in einer sehr speziellen Rotwein-Sauce dargereicht wurde. In der Sauce wurden viel Zwiebel verarbeitet, Pfifferlinge, sogar saure Gurkenstücke. Das ganze war derartig delikat, dass ich Kurt überredete, mir das Rezept auszuhändigen. Er stimmte dann zu, unter der Bedingung, dass ich es nicht weitersage. Ich versprach es ihm. Zum Geschmackserlebnis: Das Fleisch war sehr kräftig, voll im Geschmack, mit etwas süßlichen Anleihen. Dieses süßliche erklärte mir Kurt, käme von einer kreolischen(karibischen) Zubereitungsmethode, die er während seiner Lehre in Rotenburg (ich weiß jetzt nicht, welches) übernommen hat. Er wird es mir ja gleich genau zeigen, wie er es macht. Er wolle nur noch die Küche saubermachen, in einer halben Stunde solle ich klopfen. Ok, ich bestellte noch ein Bier und warte. Um die Zeit zu überbrücken, redete ich noch ein wenig mit dem Wirt. Ich hatte von einem Bekannten aus Mömbris gehört, dass in der Nähe des Anglersees Emmerichshofen immer mal wieder Leute verschwinden und die Fische dort (insbesondere die Welse) ungewöhnlich groß seien und ob er auch davon gehört habe. Er wusste davon nichts, sagte, jede Gegend habe ihre Märchen wie die weiße Frau von Wolfgang. Das leuchtete mir natürlich ein. Jaja, mein Bekannter mit seinen Horrorgeschichten…
Zurück zur Küche des Gasthauses:
Mein Geheimtipp: Bestellt bei Koch Kurt einfach mal irgendwas mit Rindfleisch oder Lamm.
Darüber hinaus gibt es natürlich auch die typischen Sachen wie Schnitzel, Schweinebraten, Bratwurst aus eigener Schlachtung, Kalbskotelett und Tafelspitz in ausgezeichneter Qualität zu mehr als fairen Preisen, wie Euch versichern kann.
Das wars, bis demnächst, ich muss jetzt schlussmachen, Kurt hat mich gerade in die Küche gerufen………
Euer ergebener Vorkoster Fuddelvolker
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7. Hanns guckt in die Röhre
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Unterfranken Fleischwolf Inferno
Nach „The Gamers“, „The Gamers 2: Dorkness Rising“ und „Astrópía“ gibt es nun schon wieder einen Film, der Rollenspieler als Protagonisten zeigt. Und Wunder über Wunder – diesmal haben unsere Seelengenossen sogar das Horror-Genre infiltriert. Das Ergebnis heißt „Unterfranken Fleischwolf Inferno“ – und egal, ob Rollenspielbegeisterter, Splatter-Fan oder einfach nur Connaisseur des Merkwürdigen – dieser Independent-Diamant wird euch die Schuhe ausziehen!
Der Beginn: Ein finsterer Wald in der Abenddämmerung, schemenhafte Schatten bewegen sich hinter wallenden Nebelschwaden, weder zu Mensch noch Tier passendes Geheul dringt aus der Ferne heran. Da brechen hauerbewehrte Orcs schwertschwingend durch den Nebel. Ein Grüppchen Menschenkrieger setzt sich zur Wehr. Als die Menschen zu unterliegen drohen, tritt eine weitere Gestalt hinter einem Baum hervor – ein gothmäßig gestylter Vampir mit einer Automatikpistole in der Hand. Er schaut auf seine Armbanduhr und entschuldigt sich für seine Verspätung – er hätte eine Umleitung nehmen müssen und hätte sich total verfranst. Wie vom Donner gerührt stehen Orcs und Krieger da. Dann bricht einer der Orcs das Schweigen: „Mensch, Carsten, Masquerade ist doch erst nächstes Wochenende!“
Ihr werdet es erraten haben – LARPies auf Betriebsausflug. Carsten, dessen unpassende Gewandung sich als Running Gag durch den ganzen Film zieht, ist nur einer der skurrilen Charaktere des fiktiven Rollenspiel-Clubs „Der Dolch von Kagnazax“. Da gibt es z.B. den verfressenen Hubert, der als abscheulicher Troll schnaufend und grunzend auf sein Opfer zustapft, um sich dann das grünlich-blaue Latex von Gesicht zu ziehen und weiterhin schnaufend verkündet, er bedürfe unbedingt ärztlicher Hilfe, da er sich einen Splitter im Finger zugezogen habe. Oder die junge Chantal, die, egal in welcher Spielwelt, immer eine Katzenfrau darstellen möchte. Oder Felix, der 33-jährige jungfräuliche Informatikstudent, der sich nur noch mit seinem „World of Warcraft“-Namen anreden lässt und davon träumt, von einem Sukkubus verführt zu werden. Erster Vorsitzender und Papa des Vereins ist Rüdiger, ein Mitte vierzigjähriger Karatetrainer und ein Schrank von einem Mann. Dieser ist die Sanftmut in Person und spielt am liebsten Elfenheiler und Gnomendiebe.
Das erste Drittel des Films ist dann auch dem Kennenlernen der Charaktere gewidmet. Man verfolgt genüsslich das Live-Rollenspiel, bei dem nichts so richtig klappt, und bei dem jedes Mal genau dann eine Regeldiskussion entbrennt, wenn es beginnt, spannend zu werden. Latexwaffen gehen zu Bruch, Füße werden verknackst und Zaubersprüche misslingen, weil der Spieler die notwendigen Utensilien zuhause vergessen hat. Und dann gibt es da natürlich noch die üblichen Eifersüchteleien, Selbstdarstellungen und Revierkämpfe… Halt wie bei ganz normalen Leuten – nur das die ihre Auseinandersetzungen selten mit den Worten beenden: „Aber mein Irrenarzt im 19. Jahrhundert hat 68% Mythoswissen, das soll mir mal einer nachmachen!“
Irgendwann ist jedoch auch die letzte Schlacht geschlagen, und den Recken knurrt der Magen. Da man sich in der Gegend noch nicht so gut auskennt, jedoch von einer Art Ausflugslokal gehört hat, begibt man sich auf die Suche in den Wald. Der Nebel verstärkt sich, die Schatten werden dunkler, und allmählich wird dem Grüppchen unheimlich zumute. Wäre nicht Hubert, der vor Entkräftung und Hunger schon sein baldiges Ableben vor Augen hat, hätten die Spieler die Suche noch rechtzeitig abgebrochen. So aber erreichen sie kurz darauf mit einem nörgelnden Troll im Schlepptau das auf einer Waldlichtung gelegene Gasthaus – den Schlagbaum (der Name spielt auf den Ort des Etablissements an, das angeblich genau auf der Grenze zwischen Bayern und Hessen steht).
Als die ersten in Fellwämser gekleideten und mir Schwertern und Äxten bewaffneten Orcs das Gasthaus betreten, kommt es zunächst zu Spannungen mit den Stammgästen – welche das Eintreffen des Vampirs nicht mildern. Rüdiger ist jedoch imstande, das Missverständnis aufzuklären. Fortan werden die LARPies zwar misstrauisch beäugt, aber zumindest packen die Einheimischen ihre Fackeln und Mistgabeln wieder weg. Doch die Rollenspieler staunen ihrerseits auch nicht schlecht beim Anblick der Räumlichkeiten. Der Schlagbaum ist der Inbegriff guter (alt)deutscher Tradition: Massive dunkle Eichenmöbel, Spitzendeckchen, über der Tür ein prächtiger Achtender und zur Untermalung ein Potpourri von Karl Moiks Lieblingshits – vom rührseligen Schlager bis zur Hardcore-Volksmusik. Aber was erträgt man nicht alles, wenn der Hunger an einem nagt! Küchenchef Kurt empfiehlt den Gästen persönlich die verschiedenen Spezialitäten des Hauses, allesamt aus eigener Schlachtung. Nachdem man bestellt hat, machen sich die Rollenspieler noch ein wenig über Einrichtung und Musik des Schlagbaums lustig, sehr zur Freude der anderen Gäste. Doch die fröhliche Stimmung kippt, als ein alter betrunkener Mann zu ihnen an den Tisch torkelt und anfängt, vom nahe gelegenen Anglersee zu faseln, in dessen Umgebung angeblich immer wieder Menschen verschwinden. Schnell ist der Wirt zur Stelle und wirft den Trunkenbold im Sinne der Kundenorientierung hinaus. Die Spieler indes denken sich nichts dabei.
Und hier zeigt sich leider auch eine der wenigen Schwachstellen des Films – die dargestellten Charaktere sind Rollenspieler! Menschen, die einen Großteil ihres Lebens in Fantasiewelten voller Konflikte, Intrigen und Rätsel verbringen. Ein echter Rollenspieler hätte an diesem Punkt schon längst die verschiedenen Andeutungen zu einem Ganzen zusammen gefügt und den Braten gerochen. Aber sagen wir einfach, diese Naivität sei der Dramaturgie geschuldet…
Apropos Braten: Das Essen trifft schließlich ein, und alle sind schlichtweg begeistert, vor allem von der Spezialität des Hauses, dem delikaten Rinderfilet Rotenburg. Nur dem käsigen Felix, der sich aufgrund seines Vegetarismus mit Beilagensalat und Bratkartoffeln begnügt, wird beim Anblick von so viel Fleisch schlecht. Nachdem er sich auf der Toilette frisch gemacht hat, begegnet ihm auf dem Weg zurück in den Gastraum die junge Dörte. Sie ist die Nichte des Wirts und zeigt offensichtliches Interesse an Felix. Der Nerd, der sich eigentlich schon mit einem Lebensabend als Junggeselle abgefunden hatte, ist von der hübschen jungen Frau wie verzaubert. Dörte lockt ihn unter dem Vorwand, mit ihm allein sein zu wollen, in einen Lagerraum im Keller. Zunächst sieht es so aus, als sollten Felix’ Träume doch noch wahr werden, als ihn die Wirtsnichte plötzlich mit einem herzhaften Biss vom leiblichen Ursprung seiner Triebe befreit. Während er noch blutend umhertaumelt, erschlägt sie ihn mit einem Bembel.
Doch den anderen bleibt Felix’ Abwesenheit nicht lange verborgen. Chantal begibt sich auf die Suche nach ihm. Als sie dabei in die Küche des Gasthauses stolpert, eröffnet sich dem Zuschauer zum ersten Mal das ganze Ausmaß des Grauens: Küchenchef Kurt ist gerade dabei, den verunstalteten Leichnam von Felix zu filetieren. Kurzerhand ersäuft er das Mädel in der Spüle, und Chantal haucht miauend ihr Leben aus.
Ein weiterer Rollenspieler findet auf seiner einsamen Wanderung durch das grausige Gasthaus einen spektakulären Tod, in dessen Verlauf ein Fleischwolf, ein Schnitzelklopfer und eine Salatgurke prominente Rollen spielen. Inzwischen ist das Ausmaß des Spielerschwundes nicht mehr zu übersehen, und die verbliebenen Recken begeben sich gemeinsam auf die Suche nach den Vermissten. Die Betreiber der erlebnisgastronomischen Einrichtung sehen nun ihrerseits ihre Schnitzel davon schwimmen und blasen zum Angriff. Aber natürlich haben sie nicht mit der Kampferfahrung, der Kreativität und dem schieren Irrwitz der Rollenspieler gerechnet. Es kommt zu Verfolgungen durchs Gebäude, Belagerungen, Scharmützeln und der Entdeckung grauenhafter Anblicke, wie der Räucherkammer, der Bratwurst-Produktionsstätte und Dörtes Sammlung von Florian Silbereisen-Fanartikeln. Der Film wechselt nun virtuos zwischen Sequenzen nervenzerfetzender Spannung, deftigen Schockmomenten und dem Schwelgen in einer äußerst dichten, düster-morbiden Atmosphäre. Dennoch gelingt es immer wieder, den Schrecken durch witzige Einschübe zu konterkarieren.
So setzen sich die tapferen Rollenspieler mit allem zur Wehr, was ihnen zur Verfügung steht – wenn auch die Effektivität von LARP-Waffen nach dem ersten Versuch drastisch in Frage gestellt wird. Auch muss man feststellen, dass Kartoffeln selbst dann nicht besonders waffentauglich sind, wenn man sie theatralisch als Feuerbälle bezeichnet. In einer großartigen Szene versucht Vampir Carsten einem Angreifer zu entkommen, indem er unter kryptischen Gesten proklamiert: „Verdunkelung zwei!“, und dann in den Schatten abtaucht – nur um unter Getöse eine Treppe hinunter zu poltern. Erfolge erzielt man dagegen mit eher klassischen Waffen wie Reibeisen, Schuhlöffel oder Radio. Und den Sinn und Zweck vierseitiger Würfel wird nach dem Hinterhalt auf einen bestrumpften Kannibalen wohl auch niemand mehr in Frage stellen.
Ich will den Ausgang des grandiosen Showdowns und den hirnzerbröselnden Plot-Twist am Ende des Films nicht verraten, aber soviel sei gesagt: Die Rasenmäher-Szene aus Peter Jacksons „Braindead“ war dagegen ein Kindergeburtstag, und die zentrale Wendung aus „Fight Club“ im Vergleich völlig vorhersehbar!
Regisseur Helge Zögerling ist mit seinem Langfilmdebüt „Unterfranken Fleischwolf Inferno“ ein hochkarätiger Independent-Bastard aus Splatter-Horror und rabenschwarzer Komödie gelungen, der in der Tradition von Luigi Florettinos „Mailand Zombie Model“ und Francois-Philippes Levasseurs „Ich fresse deine Mutter“ steht. Das winzige Budget schmälert die Brillanz des Films kein bisschen – die Dekors sind einfach aber überzeugend, die Kameraarbeit professionell und die Trickeffekte suchen ihresgleichen. Auch merkt man Zögerling, der ebenfalls das Drehbuch schrieb, ein großes dramaturgisches Talent an.
Aber letztlich lebt der Film auch von den gut entwickelten und dargestellten Charakteren. Vor allem Newcomer Frederik Reitzelbach als Carsten und Jungschauspielerin Ines Heide-Witzka als Dörte liefern großartige Leistungen ab. In der Rolle des sanftmütigen Rüdiger glänzt Ingo-Friedhelm Knossel, und für den Gastauftritt als Kannibalenkoch Kurt konnte man gar Urgestein Armin Rohde verpflichten, dem seine unkonventionelle Kochkunst unübersehbaren Spaß bereitete.
Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Das absolute Genre-Highlight der Saison – ein Muss für jeden Rollenspieler – und das Ganze auch noch aus deutschen Landen! Eigentlich zu schön, um wahr zu sein…
In diesem Sinne,
„Du musst es mal auf Vollkorntoast probieren… Herrje, auf Vollkorntoast könnte ich eine sieben Tage alte Feuerqualle verspeisen!“
Euer Movie-Hanns
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8. ... and the Winner is
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Leider haben wir für das Rätsel aus dem Letzten Newsletter keine richtige Lösung erhalten. Wir verlosen die DVD nun wieder unter den richtigen Einsendungen auf das Zitat aus unserer Rubrik Hanns guckt in die Röhre.
Mailt wie immer eure Lösung an Gewinnspiel@anderwelt.net, viel viel Glück!
Eure Newsredaktion
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9. Knobeln mit Anderwelt
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Wie viele Flächen hat eine viereckige Schachtel?
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Die Lösung für unser Rätsel im Newsletter vom Februar/März 2009:
Die Wassermelone besteht zu 1% aus "nicht wässrigen Stoffen". Da die Melone insgesamt 2 kg wiegt, sind dies 20 g. Nach dem Austrocknen machen diese 20 g dann 2% des Gesamtgewichtes der Melone aus. Also wiegt die Melone nun 1 kg.
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10. Für Euch gespielt
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Entkomme dem Schlagbaum (Bärbel-hat-Pech Verlag)
Mit "Entkomme dem Schlagbaum" (EdS) liegt nun erstmals ein Spiel vom noch recht unbekannten Verlag "Bärbel-hat-Pech" zur Rezension vor. Das Spiel kommt - für heutige Verhältnisse - mit wenig Spielmaterial daher. Lediglich das Spielbrett, sechs Pöppel in verschiedenen Farben, einen Würfel, ein Stapel mit Ereigniskarten und ein Blatt mit Spielregeln findet man in der zu großen Schachtel. Die Spieler sind hierbei Besucher einer unheimlichen und abgelegenen Gaststätte, dem "Schlagbaum". Ihre Aufgabe besteht darin aus dem Gebäude zu kommen - was in etlichen Testrunden nur selten vorkam.
Das Spielbrett zeigt die Illustration eines Gebäudes-Grundrisses in isometrischer Projektion, Zimmerwände und Einrichtungsgegenstände haben also eine angedeutete räumliche Tiefe. Durch die Räume zieht sich ein Band an Spielfelder, wobei jedes siebte Feld eine Zählnummer trägt. Einige Felder sind farblich hervorgehoben. Kommt man im Laufe des Spiels darauf, so ist eine Ereigniskarte zu ziehen. Das Spiel selbst ist sehr einfach. Reihum werfen die Spieler den Würfel und bewegen dann ihre Figur entsprechend weiter. Das Spiel endet wenn kein Spieler mehr übrig ist, sei es weil er den Ausgang gefunden hat, oder - wahrscheinlicher - dem unheimlichen Haus und seinen Bewohnern zum Opfer gefallen ist. Die Anweisungen auf den Ereigniskarten reichen vom klassischen "Eine Diele gibt unter Deinem Fuß nach. Du stolperst und verstauchst Dir den Fuß. Drei Felder zurück" bishin zu "Gehe in die Küche!" (was das sofortige Spielende für den betroffenen Spieler bedeutet).
Ausgehend von Komplexität und Spieldauer (ca. 20 Minuten) spricht das Spiel eher Gelegenheitsspieler oder Familien an. Das Setting ist allerdings alles andere als Kindgerecht. Wer EdS spielen mag, sollte über eine hohe Frustrationstoleranz verfügen. Die Aufmachung des Spiels ist in Ordnung, die Regeln einfach zu verstehen. Ich kann das Spiel für Menschen mit Gefallen an morbiden Situationen empfehlen.
[Gerhard]
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11. Pausenspiele
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Ich will hier raus...
https://www.jetztspielen.de/spiel/holzblock-ratsel
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12. Geburtstage im April/Mai
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Früher befanden sich an dieser Stelle immer die anstehenden Geburtstage der Mitglieder. Aus Datenschutzgründen ist dies leider nicht mehr möglich :-(
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13. Das Letzte
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Am 1. April werden viele Menschen mit einem Scherz an der Nase herumgeführt. Doch woher stammt eigentlich die Tradition der Aprilscherze? Wir erklären es dir!...
https://www.kindersache.de/bereiche/wissen/panorama/warum-gibt-es-aprilscherze#:~:text=Der%20franz%C3%B6sische%20K%C3%B6nig%20Karl%20IX,April%20auf%20den%201
Bis demnächst,
Eure Newsredaktion
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